Aw / Paraschat Wa’etchanan
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Worte des Trostes -Schabbat Nachamu (Paraschat Wa’etchanan) 5786

Die sieben Wochen des Trostes – eine Vorbereitung auf die Hohen Feiertage

Die sieben Wochen des Trostes – eine Vorbereitung auf die Hohen Feiertage
Foto: AI Avigail

Worte des Trostes

Rabbi Berel Wein zu Schabbat Nachamu (Paraschat Wa’etchanan) 5786

mit Ergänzungen von S. Weinmann

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Der kommende Schabbat – Schabbat Nachamu – eröffnet die siebenwöchige Periode des Trostes und der Ermutigung, die den Zeitraum zwischen Tisch’a beAw und Rosch Haschana überbrückt.

Um sich richtig auf das kommende Jahr und seine Herausforderungen vorzubereiten, muss der Mensch zunächst Trost finden – durch die Hoffnung auf bessere Zeiten und durch das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, die unvermeidlichen Schwierigkeiten des Lebens zu bewältigen. Heilung kann dort beginnen, wo ein Mensch daran glaubt, dass noch eine Zukunft vor ihm liegt.

Alle Ärzte sind sich darin einig, dass Hoffnung und eine positive Einstellung des Patienten eine wichtige Unterstützung im Heilungsprozess nach Krankheit oder Verletzung darstellen. Würde uns nach der Trauer von Tisch’a beAw keine Zeit und keine innere Perspektive zur Erholung bleiben, bevor die Hohen Feiertage kommen, dann würden diese bedeutungsvollsten Tage unseres Jahres in unserem Denken und Empfinden deutlich an Tiefe verlieren.

Im gesamten Buch Dewarim ist der Schmerz von Mosche darüber spürbar, dass ihm der Einzug in das Land Israel verwehrt bleibt. Doch Mosche findet Kraft und sogar Trost in der Gewissheit, dass sein Schüler und treuer Nachfolger Jehoschua die Führung Israels übernehmen wird, und in seinem festen Vertrauen darauf, dass das Volk Israel das Land erfolgreich erobern und besiedeln wird.

Trost und Ermutigung können in verschiedenen Formen auftreten. Was einen Menschen tröstet, kann für einen anderen ohne Wirkung sein. Doch darin sind sich alle einig: Trost ist ein wesentlicher Bestandteil der Wiederherstellung und Heilung eines Menschen, der von Trauer oder Verzweiflung betroffen ist.

Es gibt keinen Ersatz für Trost und Heilung. Ohne sie ist es unmöglich, den Lebensweg weiterzugehen.

Die dieswöchige Parascha beschäftigt sich auch mit den Zehn Geboten am Sinai. Ich habe oft darüber nachgedacht, warum dieses Thema im Buch Dewarim wiederholt wird, obwohl es doch bereits ausführlich im Buch Schemot behandelt wurde. Diese Wiederholung lehrt uns eine wichtige Lektion, die uns ebenfalls eine Quelle des Trostes sein kann.

Die „ersten“ Zehn Gebote wurden am Beginn der Wüstenwanderung des jüdischen Volkes am Sinai gegeben. Damals gab es noch kein goldenes Kalb, keine Beschwerden über das Manna, keine Sünde der Kundschafter, keine Rebellion Korachs und keine Plagen durch Schlangen. Noch nichts hatte das Licht und die Erhabenheit des Sinai getrübt.

In einer solch idealen Situation fällt es leicht, die Werte und Gesetze der Gebote als richtig und notwendig anzuerkennen.

Doch nun steht Mosche vierzig Jahre später vor dem Volk – nach all den Enttäuschungen und Aufständen, nach Rückschritten und menschlichen Schwächen, nach dem Tod einer ganzen Generation. Und gerade jetzt versichert er uns durch die „zweiten“ Zehn Gebote: Die Werte und Gesetze der Tora haben sich nicht verändert.

Darin liegt eine zentrale Botschaft: Die Tora und die Halacha sind zeitlos und unveränderlich. Diese Wahrheit ist tief im jüdischen Herzen und Bewusstsein verankert.

Seit der Rede von Mosche vor seinem Tod hat sich vieles in der Welt verändert. Viele Menschen haben fälschlicherweise gedacht, dass die Entwicklungen in Technologie, Wirtschaft und Gesellschaftsordnung dazu geführt hätten, dass die Zehn Gebote, die Tora und die Halacha an Bedeutung verloren hätten.

Doch Mosche steht auch heute vor uns und erinnert uns daran: Der grundlegende Halt des jüdischen Lebens – und letztlich sogar der menschlichen Zivilisation – liegt in jenen Worten des Sinai.

Vieles hat sich verändert, aber der Mensch selbst hat sich nicht verändert. Und ebenso wenig haben sich die g-ttlichen Weisungen für uns verändert.

Schabbat Schalom!

Rabbi Berel Wein

 Jehi Sichro Baruch – Möge sein Andenken zum Segen sein.

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Berel Wein

Rabbi Berel Wein (geb. 1934 in Chicago, Illinois, USA; gest. 16. August 2025 in Jerusalem) war ein orthodoxer Rabbiner, Dozent, Historiker und Schriftsteller. Über mehr als vier Jahrzehnte prägte er die Vermittlung jüdischer Geschichte wie kaum ein anderer. Durch unzählige Vorträge, Schiurim, Bücher, Seminare, Bildungsreisen und zuletzt auch Dokumentarfilme machte er die Geschichte des jüdischen Volkes einem breiten Publikum zugänglich.

Rabbi Wein veröffentlichte zahlreiche Werke in englischer und hebräischer Sprache zur jüdischen Geschichte. Mit weit über tausend aufgezeichneten Schiurim, Zeitungsartikeln und Vorträgen erreichte er Hunderttausende von Menschen in aller Welt und weckte bei vielen ein neues Interesse an der Geschichte und Tradition des jüdischen Volkes.

1977 gründete er die Jeschiwa Schaarei Torah in Suffern (New York) und wirkte dort bis 1997 als Rosch HaJeschiwa. Für seine außergewöhnlichen Verdienste um die Verbreitung der Tora und des Judentums wurde ihm vom Machon HaRav Frank in Jerusalem der Torah Prize Award verliehen.

Rabbi Berel Wein verstand es wie kaum ein anderer, Geschichte und Gegenwart miteinander zu verbinden. Mit großer Klarheit, Wärme und tiefem Glauben vermittelte er, dass die Geschichte des jüdischen Volkes weit mehr ist als eine Erinnerung an Vergangenes – sie ist Orientierung und Wegweisung für Gegenwart und Zukunft.

Unzählige Juden auf der ganzen Welt haben von seinem Wirken profitiert – sei es durch seine Tausenden von Schiurim und Vorträgen in Synagogen, Batej Midraschim, Schulen, Jeschiwot und Seminaren, durch seine zahlreichen Bücher und Artikel oder durch seine umfangreichen Audio- und Videoaufzeichnungen.

1997 übersiedelten Rabbi Wein und seine Ehefrau nach Jerusalem. Dort setzte er seine Lehr- und Schriftstellertätigkeit unvermindert fort und hielt regelmäßig Schiurim in der Jeschiwa Heichal HaTorah unter der Leitung des Gaon Rabbi Zvi Koshelevsky im Jerusalemer Stadtteil Har Nof.

Am 22. Aw 5785 / 16. August 2025 verstarb Rabbi Berel Wein im Alter von 91 Jahren. Seine Beisetzung fand am folgenden Tag in Jerusalem statt.

Sein Vermächtnis lebt in seinen Werken, seinen Schülern und den zahllosen Menschen weiter, die durch seine Lehren ein tieferes Verständnis für die Tora, die jüdische Geschichte und die Aufgabe des jüdischen Volkes gewonnen haben.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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