Elul/ Paraschat Schoftim
Elul/ Paraschat Schoftim

Der Monat Elul

Der Monat Elul

Der Monat Elul – 1. Teil

(Aus Sefer Hatoda’a / Das Jüdische Jahr. Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann)

Elul

Elul ist der sechste Monat des Jahres, wenn man die Monate – wie in der Tora – mit Nissan zu zählen beginnt. So heisst es über den Monat Nissan:

„Dieser Monat soll euch der erste der Monate sein.“ (Schemot 12,2)

Nach der Zählung des jüdischen Jahres, die mit dem Monat Tischri beginnt, ist Elul hingegen der zwölfte und letzte Monat des Jahres.

Der Name „Elul“ stammt – wie die Bezeichnungen aller übrigen Monate – aus der Zeit des babylonischen Exils. Unsere Weisen lehren: „Die Namen der Monate wurden von den Rückkehrern aus dem babylonischen Exil mitgebracht.“

Das Sternbild des Monats Elul ist die Jungfrau. Darin sehen unsere Weisen einen Hinweis darauf, dass dieser Monat der Teschuwa – der Rückkehr zu G-tt – gewidmet ist, wie es beim Propheten Jirmijahu heisst:

„Kehre zurück, o Jungfrau Israels!“ (Jirmijahu 31,20)

Rosch Chodesch Elul umfasst zwei Tage. Der erste Tag fällt auf den dreissigsten Tag des Monats Aw, der zugleich als erster Tag von Rosch Chodesch Elul gilt. Der Monat Elul selbst zählt 29 Tage.

„Jemej Razon“ – Tage des Wohlwollens und der Versöhnung

Da Elul der letzte Monat des Jahres vor Rosch Haschana, dem Tag des Gerichts über alle Geschöpfe, ist, wurde er als Monat der Teschuwa – der Rückkehr zu G-tt – bestimmt. Es ist der Monat, in dem wir uns durch Busse, Gebet und innere Einkehr auf die Hohen Feiertage vorbereiten und den Ewigen um Erbarmen und Vergebung bitten.

Seit frühester Zeit tragen diese Tage den Charakter der Versöhnung zwischen G-tt und Israel. Nachdem das Volk in der Wüste die Sünde des Goldenen Kalbes begangen hatte und die ersten Gesetzestafeln zerbrochen worden waren, stieg Mosche erneut auf den Berg Sinai. Dort warf er sich vor G-tt nieder und flehte um Erbarmen und Vergebung für das Volk.

Der Heilige, gelobt sei Er, erhörte sein Gebet und sprach zu ihm:

„Haue dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten, damit ich auf sie die Worte schreibe, die auf den ersten Tafeln standen, welche du zerbrochen hast. Und sei morgen bereit und steige früh auf den Berg Sinai …“ (Schemot 34,1–2)

Mosche stieg an Rosch Chodesch Elul auf den Berg Sinai und verweilte dort vierzig Tage – bis zum 10. Tischri. An diesem Tag brachte er die zweiten Gesetzestafeln herab, die der Ewige den Benej Jisrael in Liebe und Versöhnung schenkte. Diese vierzig Tage wurden für alle Generationen als Jemej Razon – Tage des göttlichen Wohlwollens, der Rückkehr und der Versöhnung – festgelegt. Der 10. Tischri wurde als Jom Kippur, der Tag der Versöhnung, bestimmt.

Zwar ist die Rückkehr zu G-tt zu jeder Zeit willkommen, doch gelten die Tage des Monats Elul als besonders günstige Zeit für die Teschuwa. In diesen Tagen offenbart sich in besonderer Weise die Bereitschaft des Ewigen, allen, die aufrichtig zu Ihm zurückkehren möchten, Seine erbarmende Hand entgegenzustrecken.

Deshalb werden während dieser Zeit vermehrt Gebete um Vergebung gesprochen. In den sefardischen Gemeinden ist es Brauch, während des gesamten Monats Elul frühmorgens zu den Selichot aufzustehen. Rosch Chodesch und der Schabbat bilden dabei eine Ausnahme, da an diesen Tagen keine Bittgebete um Erbarmen gesprochen werden.

Auch in den aschkenasischen Gemeinden, in denen man mit den Selichot erst kurz vor Rosch Haschana beginnt, werden am Schabbat keine Selichot rezitiert.

In einigen Gemeinden beginnen die Selichot bereits am 15. Elul. Im allgemeinen aschkenasischen Brauch hingegen beginnen sie am Sonntag der Woche, in die Rosch Haschana fällt. Fällt Rosch Haschana jedoch auf einen Montag oder Dienstag, beginnt man bereits am Sonntag der vorhergehenden Woche mit den Selichot. Da Rosch Haschana niemals auf einen Mittwoch fällt, werden die Selichot nach aschkenasischem Brauch mindestens vier und höchstens acht Tage lang gesprochen. Wenn Rosch Haschana am Donnerstag ist, sind es vier Tage und wenn er auf Dienstag fällt, sind es acht Tage.

Für diese Mindestdauer von vier Tagen werden zwei Gründe genannt:

Der erste Grund hängt mit einem alten Brauch besonders frommer Menschen zusammen, in den zehn Tagen vor Jom Kippur zu fasten. Da während der Asseret Jemej Teschuwa – den zehn Tagen der Umkehr zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur – an vier Tagen nicht gefastet werden darf (an den beiden Tagen Rosch Haschana, am Schabbat Schuwa und an Erew Jom Kippur), werden diese vier Fasttage auf die Tage vor Rosch Haschana vorverlegt.

Ein weiterer Grund ergibt sich aus den Opfergesetzen des Tempels. Jedes Tier, das als Opfer dargebracht werden sollte, musste während der vier Tage vor seiner Darbringung sorgfältig daraufhin untersucht werden, ob es frei von jedem Makel war.

Bei allen Feiertagsopfern in Paraschat Pinchas (Bamidbar 28,11–29,39) verwendet die Tora den Ausdruck „Wehikrawtem“ – „Ihr sollt darbringen“. Nur bei den Opfern von Rosch Haschana heisst es „Wa’assitem“ – „Ihr sollt machen“. Unsere Weisen deuten diesen ungewöhnlichen Ausdruck auf den Menschen selbst: Er soll sich so betrachten, als bringe er sich selbst als Opfer vor den Ewigen. Deshalb muss auch der Mensch sich – gleichsam wie ein Opfertier – während mindestens vier Tagen vor Rosch Haschana sorgfältig prüfen und sein Leben auf Fehler und Verfehlungen hin untersuchen.

Aus diesem Grund werden mindestens vier Tage vor Rosch Haschana Selichot gesprochen. Um jede Unsicherheit bei der Berechnung zu vermeiden, beginnen die Selichot im aschkenasischen Brauch stets an einem Sonntag. Je nach Wochentag, auf den Rosch Haschana fällt, werden die Selichot somit vier, sechs, sieben oder acht Tage lang gesprochen.

Der Name “Elul” – Andeutungen und Hinweise

Der Name „Elul“ wird von unseren Weisen auf verschiedene Weise gedeutet und mit Versen aus dem Tanach in Verbindung gebracht.

Ani LeDodi WeDodi li – Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir.“
(Schir HaSchirim 6,3)

Die Anfangsbuchstaben dieser vier Wörter – Alef, Lamed, Waw, Lamed – ergeben das Wort Elul.

Dieser Monat lädt den Menschen ein, sich seinem „Geliebten“, dem Heiligen, gelobt sei Er, wieder anzunähern. Er besinnt sich auf die Teschuwa, die Rückkehr zu G-tt, und der Ewige streckt ihm in Seinem Erbarmen die Hand zur Versöhnung entgegen. Zugleich deutet dieser Vers darauf hin, dass wir G-tt in unseren Gebeten in diesen Tagen besonders nahe sind.

Bemerkenswert ist auch, dass alle vier Wörter des Verses mit dem Buchstaben Jud enden, dessen Zahlenwert zehn beträgt: Ani LeDodi WeDodi li“. Viermal zehn ergibt vierzig – ein Hinweis auf die vierzig Tage der Teschuwa, die von Rosch Chodesch Elul bis Jom Kippur reichen.

Ein weiterer Hinweis findet sich im Vers:

„Umal Haschem Elokecha Et Lewawcha We’et Lewaw Sarecha – Der Ewige, dein G-tt, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden.“ (Dewarim 30,6)

Auch hier ergeben die Anfangsbuchstaben der hervorgehobenen Wörter das Wort „Elul“ (Alef, Lamed, Waw, Lamed). Dies weist darauf hin, dass dem Menschen in diesem Monat besondere    g-ttliche Hilfe bei der Teschuwa zuteilwird.

Ebenso heisst es in der Megillat Ester:

„Umischloach Manot Isch Lere’ehu Umatanot La’ewjonim – Einer sende dem anderen Geschenke und gebe Gaben den Armen.“ (Ester 9,22)

Auch hier bilden die Anfangsbuchstaben das Wort „Elul“ (Alef, Lamed, Waw, Lamed). Darin sehen unsere Weisen einen Hinweis darauf, dass der Mensch sich in diesem Monat besonders in der Zedaka, der Wohltätigkeit gegenüber Bedürftigen, üben soll.

Dies entspricht auch dem Gebet, das wir an den Hohen Feiertagen immer wieder sprechen:

Teschuwa, Tefila uZedaka ma’awirin et ro’a hagesera“ – Rückkehr zu G-tt, Gebet und Wohltätigkeit mildern die Härte des g-ttlichen Urteils.

Schliesslich hat auch der Name „Elul“ selbst eine Bedeutung. Im Aramäischen steht das Wort für Suchen, Erforschen, Prüfen oder Auskundschaften. So heisst es über die Kundschafter:

„Wejaturu et Erez Kena’an – Sie sollen das Land Kena’an auskundschaften.“ (Bamidbar 13,2)

Onkelos übersetzt dieses Verb mit „Wije’alelun“, einem Ausdruck, der sprachlich mit „Elul“ verwandt ist.

Auch darin liegt ein tiefer Hinweis: Elul ist der Monat der Selbstprüfung. Der Mensch blickt auf das vergangene Jahr zurück, erforscht sein Inneres, erkennt seine Verfehlungen, bereut sie und kehrt mit aufrichtigem Herzen zu G-tt zurück.

Minhagim – Bräuche des Monats Elul

Vom zweiten Tag des Monats Elul bis Hoschana Rabba wird in den aschkenasischen Gemeinden nach dem Morgen- und Abendgebet der Psalm 27 rezitiert: LeDavid Haschem Ori weJisch’i – Der Ewige ist mein Licht und meine Rettung …“

Dieser Brauch geht auf einen Midrasch zurück, der den Vers deutet: „Der Ewige ist mein Licht“ – dies bezieht sich auf Rosch Haschana; „und meine Rettung“ – auf Jom Kippur. Weiter heisst es: „Denn Er wird mich bergen in Seiner Sukka …“ (Vers 5), was als Hinweis auf Sukkot verstanden wird. Nach dem Brauch des Ari Hakadosch wird dieser Psalm nach dem Morgen- und Minchagebet gesprochen.

In manchen Gemeinden ist es darüber hinaus üblich, nach dem gemeinsamen Gebet weitere Psalmen zu rezitieren – zehn oder sogar mehr –, entsprechend dem jeweiligen Gemeindebrauch.

Wer im Monat Elul Briefe oder Grüsse an Freunde und Bekannte schreibt, verbindet diese mit Segenswünschen für die bevorstehenden Hohen Feiertage. Man wünscht einander, im kommenden Jahr zum Guten eingeschrieben und besiegelt zu werden, und bittet zugleich um g-ttliches Erbarmen.

Ebenso ist es Brauch, im Monat Elul die Tefillin sowie die Mesusot des Hauses überprüfen zu lassen. Werden Beschädigungen oder Fehler festgestellt, sollen sie umgehend ausgebessert oder ersetzt werden, damit diese heiligen Gegenstände den halachischen Anforderungen entsprechen.

Ein weiterer alter Brauch, der bereits von den Rischonim – den frühen halachischen Autoritäten vor Rabbi Josef Karo, dem Verfasser des Schulchan Aruch – erwähnt wird, besteht darin, dass der Schamasch während des Monats Elul in der Synagoge ausruft:

„Schuwu banim schowawim – Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder!“ (Jirmijahu 3,14)

Mit diesem eindringlichen Aufruf werden die Beter täglich an die Bedeutung des Monats Elul erinnert: an die Teschuwa, die innere Erneuerung und die Vorbereitung auf die Tage des Gerichts und der Versöhnung.

Der Monat Elul – 2. Teil

Der 17. Elul – Das Sterben der Kundschafter

Am 17. Elul starben die Kundschafter, die Mosche ins gelobte Land geschickt hatte. So heisst es in Bamidbar [14, 37]: “Wajamutu Ha’Anaschim… – es starben die Männer, die böses Gerücht über das Land verbreitet hatten!”

G”tt gab ihnen einen Aufschub und ihre Strafe erfolgte erst nach 40 Tagen, entsprechend den Tagen der Auskundschaftung. Sie waren am 8. Aw zurückgekehrt und hatten dann mit der üblen Nachrede gesündigt, und wurden am 17. Elul bestraft. Rabbi Elasar ben Parta sagt: Komm uns sieh doch wie gross die Sünde von Laschon Hara (üble Nachrede) ist! Wir lernen dies am Beispiel der Kundschafter. Sie hatten nur Schlechtes über “Bäume und Steine” ausgesagt, nur über leblose Dinge geredet und wurden so schwer bestraft umso schwerwiegender ist es, wenn man seine Mitmenschen verleumdet! [Talmud Traktat Arachin 15a]

Der 25. Elul – Schöpfung der Welt

Nach der Auffassung von Rabbi Elieser wurde am 25. Elul die Welt erschaffen [siehe Talmud Traktat Rosch Haschana 10b-11a]. Wenn es sich um Berechnungen unseres Kalenders handelt, ist Rabbi Eliesers Meinung immer ausschlaggebend! Der Tag der Erschaffung der Welt ging der Erschaffung des ersten Menschen um 6 Tage voraus, denn Adam wurde am Rosch Haschana erschaffen. Es ist gibt einen Minhag (Brauch), sich zwischen dem 25. Elul und Rosch Haschana mit der Schöpfungsgeschichte in der Tora zu beschäftigen, und die entsprechenden Verse in “Bereschit” bis zur Erschaffung des Menschen zu lesen.

25. Elul – Abschluss der Bau der Mauer

Am 25. Elul wurde der Bau der Mauer um Jeruschalajim beendet. Diese Mauer wurde zurzeit Nechemjas gebaut, so wie es heisst: “Der Bau der Mauer wurde am 25. Elul vollendet…” [Nechemja 6, 15]. Als Nechemja aus dem Exil nach Jeruschalajim zurückkehrte, sah er die zerstörte Stadt, die Mauern waren durchbrochen und die Tore verbrannt. Da forderte er das Volk auf die Mauern wieder aufzubauen, damit Jisrael nicht zur Schmach der benachbarten Völker sei.

Judäas Feinde ringsum – Sanbalat aus Choron, Tovia, der Amonite und Geschem aus Arabien hatten ein Komplott geschmiedet und wollten den Wiederaufbau der Mauer verhindern. Die Leute von Jeruschalajim erkannten die Pläne ihrer Feinde, doch liessen sie sich nicht beirren. Sie beteten zu G”tt und standen Tag und Nacht Wache. “Habonim Bachoma­… – Die die Mauer bauten und die die Last trugen, mit der einen Hand taten sie die Arbeit und mit der anderen hielten sie die Waffe” [Nechemja 4, 11]. Als die Feinde sahen, dass sich die Bauleute durch nichts von ihrem Vorhaben abbringen liessen, versuchten sie, Nechemja durch falsche Anschuldigungen zu verleumden. Sie glaubten, auf diese Weise die Bauarbeiten zum Stillstand zu bringen. Doch all ihr böses Trachten scheiterte, denn G”tt half dem Volk, und so konnte nach 52 Tagen der Bau vollendet werden. “Wajehi ka’ascher schame’u… – Es war, als alle unsere Feinde es hörten und alle Völker ringsum es sahen, da sanken sie sehr in ihren eigenen Augen, und sie erkannten, dass von unserem G”tt aus, dieses Werk geschaffen worden war” [Nechemja 6, 16]. Dieser Tag wurde in Israel ein Tag der grossen Freude.

Selichot

Wenn man frühmorgens zum Selichot-Gebet aufsteht, muss man die Hände wie gewöhnlich übergiessen und die Beracha dazu sagen, obwohl der Tag noch nicht angebrochen ist. Nach den Selichot, wenn es schon Tag ist, muss man die Hände ein zweites Mal übergiessen, doch ohne Beracha. Auch den Segensspruch über die Tora soll man noch vor den Selichot sagen.

In aschkenasischen Gemeinden ist es Sitte, dass der Vorbeter sich mit dem Tallit umhüllt, obwohl es noch Nacht ist und die Mizwa von Zizit nicht für die Nacht gilt. Unsere Weisen haben dies im Zusammenhang mit den Selichot bestimmt: G”tt hatte Sich mit dem Tallit umhüllt und hatte Mosche die Gebetsanordnung gezeigt… und hatte ihn die “Schlosch Essrej Middot – die dreizehn Eigenschaften G”ttes” gelehrt. Da man über den Tallit, der für den Gebrauch am Tag bestimmt ist, nach einer Meinung im Schulchan Aruch, eine Beracha sprechen sollte, ist es Brauch, dass sich der Vorbeter mit einem ausgeliehenen Tallit umhüllt, über den keine Beracha verrichtet wird.

Das wichtigste Element des Selichot-Gebetes sind die Schlosch Essrej Middot – die dreizehn Eigenschaften G”ttes [Schemot 34, 6-7]. Ebenso wichtig ist der Widdui – das Sündenbekenntnis, das am Ende der Selichotgebete gesagt wird. Dieses Bekenntnis ist die Vorbedingung für die Teschuwa – die Rückkehr zu G”tt.

Unsere Weisen sagen: Rabbi Jochanan sagte: Gäbe es diesen Vers der Tora nicht, wäre es unmöglich, dies zu sagen. Wir lernen aus den Worten G”ttes, die Er zu Mosche sprach, dass Sich der Heilige, gelobt sei Er, in den Tallit gehüllt hatte, wie ein Chasan – ein Vorbeter – und Mosche so die Gebetsordnung gelehrt hatte. Er hatte zu ihm gesagt: Jedes Mal, wenn Israel sich versündigt, soll es diese Gebetsordnung einhalten, dann werde Ich ihnen vergeben [Rosch Haschana 17b].

Dies sind die dreizehn “Middot” – die dreizehn Attribute G”ttes:

1. Haschem – Ich bin es, der Erbarmen zeigt, noch bevor der Mensch sündigt, obwohl Ich weiss, dass er sündigen wird.

2. Haschem – Ich bin es auch, der Erbarmen hat, nachdem er gesündigt hat und zurückkehrt.

3. Kel – Auch dies ist ein Attribut des Erbarmens, so wie es heisst: “Kejli, Kejli, lama asawtani – mein G”tt, mein G”tt, warum hast Du mich verlassen?” [Tehillim 22, 2]. Dieser Ruf appelliert an die Barmherzigkeit G”ttes und nicht an die Strenge des Gerichts.

4. Rachum – der Barmherzige. Er erbarmt sich der Armen.

5. Wechanun – gnädig. Auch den Reichen zeigt Er Gnade.

6. Erech Apajim – langmütig. Er ist geduldig und beeilt Sich nicht, Strafe zu erteilen, denn die Möglichkeit der Umkehr besteht auch für den Sünder.

7. Weraw Chessed – reich an Liebe. Er wendet sich in Liebe auch an die, die keine grossen Verdienste haben.

8. We’emet – und wahrheitsübend. Er gibt guten Lohn all denen, die Seinen Willen befolgen.

9. Nozer Chessed La’Alafim – Er bewahrt die Liebe, die ein Mensch übt, sogar bis zum zweitausendsten Geschlecht.

10. Nosse Awon – hebt Krummes hinweg… Er vergibt mutwillige Verschuldung.

11. Wafescha – und Frevel. Dies sind die Vergehen des Menschen durch Auflehnung gegen G”tt.

12. Wechata’a – Er vergibt die Sünden, die unabsichtlich begangen wurden.

13. Wenakke, Lo Jenakke – Er spricht frei und spricht nicht frei. Er spricht diejenigen frei, die umkehren, doch nicht die, die sich weigern umzukehren.

Der “Ari Hakadosch”, Rabbi Jizchak Luria, erklärt die dreizehn Attribute G”ttes in anderer Einteilung:

1. Kel (siehe oben)

2. Rachum (siehe oben)

3. Wechanun (siehe oben)

4.u.5. Erech Apajim. Deshalb im Plural, weil Er sowohl den Gerechten als auch den Bösen Langmut zeigt.

6. Weraw Chessed (siehe oben)

7. We’emet  (siehe oben)

8.u.9. Nozer Chessed La’alafim. Es sind dies zwei Attribute des Erbarmens: einmal bewahrt Er die Liebe auf lange Zeit. Zweitens erstreckt sich die Wirkung der Liebe auf einen 500 mal grösseren Zeitraum als die Auswirkung der Verfehlung.

10. Nosse Awon, usw. (siehe oben).

Die dreizehn Attribute werden nur im gemeinsamen Gebet mit der Gemeinde gesagt. Wer Selichot allein betet, soll sie überspringen, oder sie lesen wie man in der Tora liest (mit den Melismen) und nicht als Bittgebet verrichten.

Der Vorbeter, der die Selichot sagt, soll auch das Schacharit-Gebet vorbeten. “Hamatchil BeMizwa, omrim lo gemor – wer eine Mizwa beginnt, soll sie zu Ende führen.
Ein weitverbreiteter Minhag – Brauch – ist es, am ersten Selichot-Tag zu fasten.

Die “Teschuwa” – die Rückkehr – ist eine Handlung G”ttlicher Liebe

Eine der g”ttlichen Liebestaten, die der Schöpfer seinen Geschöpfen erweist, ist die Tatsache, dass Er ihnen den Weg zeigt, wie man aus den Fallen der eigenen Missetaten entrinnen, seine Seele retten und sich wieder G”tt zuwenden kann, um sich Seinem Zorn zu entziehen. Sogar wenn man grosses Unrecht getan, wenn man sich gegen G”tt aufgelehnt hat und Ihm untreu geworden ist, schliesst Er niemals die Tore zur Rückkehr. So heisst es: “Schuwu la’ascher he’emiku sara, Benej Jisrael – Kehret um zu Ihm, von dem man so sehr abgewichen, Kinder Israels” [Jeschajahu 31, 6].

Rückkehr wird nie verweigert, sogar wenn Unglück und Leid zur Teschuwa Anlass gegeben haben. So heisst es: “Bazar lecha … In deiner Bedrängnis, wenn dich dies alles getroffen hat, am Ende der Tage, dann wirst du zu G”tt, deinem G”tt zurückkehren und auf Seine Stimme hören” [Dewarim 4, 30]. Umso grösser ist die Kraft der Teschuwa, wenn das Motiv des Rück­kehrenden G”ttesfurcht und Liebe ist. Viele Stufen gibt es auf dem Weg zur Teschuwa und je nach Stufe kann sich der Mensch G”tt nähern. Es führt zwar jede Teschuwa zur Verzeihung, jedoch erreicht man vollkommene Reinheit seiner Seele erst, wenn die Teschuwa aufrichtig und vollständig ist. Will man ein Kleidungsstück reinigen, so nützt kein oberflächliches Wegwischen des Schmutzes, nur durch gründliches Waschen wird es wieder ganz sauber.

Grundbegriffe der Teschuwa

Vier Voraussetzungen führen zu wahrer Teschuwa: Erkennen und Ablassen der Sünde, Reue, Sündenbekenntnis (Widduj) und der Entschluss, die Sünde nie zu wiederholen.

Wie lässt man von der Sünde ab? Man lege nicht nur die sündhafte Handlung ab, sondern entferne auch die dazu führenden Gedanken und nehme sich fest vor, diese Sünde nie mehr zu begehen.

Was ist Reue? Der Mensch soll in seinem Herzen verstehen, wie schlimm und bitter es ist, G”tt zu verlassen. Er soll sich vor Augen führen, dass Schuld nicht ungestraft bleibt, und Reue empfinden.

Das Sündenbekenntnis (Widduj) ist das ausdrückliche, mündliche Bekenntnis. Man sage: Ich habe gefehlt, habe dieses und jenes getan. Nun habe ich es eingesehen und schäme mich meiner Taten. Ich werde dies nie wieder tun.

Diese Art der Teschuwa ist nur dann von Nutzen, wenn es sich um Versündigung gegen G”tt handelt. Anders verhält es sich, wenn man einem Mitmenschen gegenüber gefehlt hat, wenn man gestohlen, ihn verletzt oder verflucht hat. In diesem Fall kann nur Vergebung erreicht werden durch Rückerstattung und Wiedergutmachung. Zusätzlich muss man seinen Mitmenschen besänftigen und ihn um Verzeihung bitten. Nun soll der Geschädigte nicht hartherzig sein und den Versöhnungsversuch zurückweisen. Wenn ein Mensch, der ihm Unrecht angetan hat, um Verzeihung bittet, soll er sie ihm aus vollem Herzen gewähren, auch wenn er ihm Arges angetan hat. Er soll keine Rache nehmen und nicht nachtragen – Lo tikkom welo tittor! [Wajikra 19, 18]

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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