Wieso beriet sich Awraham mit Mamre über die Mizwa der Brit Milah (die Beschneidung)?
Der Passuk zu Beginn der Parscha beschreibt, wie Awraham in Elonej Mamre (dem Hain von Mamre) sitzt und G’tt ihm erscheint. [Berejschit 18:1] Raschi erklärt, wieso die Torah auf den genauen Ort dieser Begebenheit hinweist: Mamre war es, welcher ihn zur Milah riet (und ihm sagte, dass die Beschneidung eine gute Sache sei). Aus diesem Grund erschien G’tt Awraham auf Mamre’s Grundstück.
Offensichtlich hatten Awraham’s übrige Verbündete, Aner und Eschkol, ihm gegen die Beschneidung in so einem hohen Alter geraten. Nur Mamre riet ihm, G’ttes Befehl zu befolgen und ermutigte ihn, die Operation in Angriff zu nehmen. Für seine „Mitarbeit“ bei Awraham’s Milah erschien G’tt Awraham in Elonej Mamre, sodass Mamre auf diese Weise „verewigt“ wurde.
Die Erklärer stossen sich daran, dass Mamre Awraham riet, auf G’ttes Befehl zu hören und die Beschneidung durchzuführen. Ist es denkbar, dass Awraham zweifelte, einen g’ttlichen Befehl zu befolgen? Wenn wir diese Lehre für bare Münze nehmen, scheint es, dass Awraham eine „Zweitmeinung“ einholte, ob er diese Operation auf sich nehmen solle, obwohl G’tt ihm geboten hatte, dies zu tun. Das ist nicht möglich.
Der Da’at Sekejnim der Ba’alej Tossafot meint, dass Awraham sich nie im Zweifel darüber befand, G’ttes Befehl zu erfüllen. Seine einzige Frage war, ob die Beschneidung öffentlich oder in privatem Rahmen stattfinden solle. Mit anderen Worten: Er beriet sich mit seinen Verbündeten Aner, Eschkol und Mamre, um die Haltung der Nachbarn zu so einem Unternehmen zu erfahren. Mamre riet Awraham zur öffentlichen Ausführung.
Der Imrej Schamaj zitiert das Werk „Torat Aron al HaTorah“, welches einen hochinteressanten Gedanken und eine etwas anders lautende Antwort auf diese Frage erörtert. Awraham hatte überhaupt keine Bedenken, die Mizwa von Milah in die Tat umzusetzen. Wieso musste er sich dann an die nichtjüdische Welt wenden, um Ratschläge einzuholen? Die Antwort ist, dass Awraham uns klar machen wollte, dass auch der Nichtjude Milah für eine gute Idee hält. Dies sollte den „Sündern Israels“ in jeder Generation Eindruck machen, welche zu allen Fragen nach der Meinung der Nichtjuden (mehr als den Rabbis) forschen und diese respektieren.
Heute beschneiden sogar sehr weltliche Juden, welche dem Judentum weit entfernt sind, ihre Söhne. Die anderen Mizwot nennen sie „archaisch“, „altmodisch“ oder „überholt“. In vielen Kreisen unserer jüdischen Brüder stellt die Angst „Was werden sie wohl sagen?“ eine Ausflucht dar, um das Nichtbeachten der Mizwot zu begründen. Trotz alledem wird Milah auch in weiten Teilen der nichtreligiösen Kreise ausgeführt.
Warum ist dies so? Der Torat Aron meint, dass Awraham Awinu (unser Vater) wegen seiner Absprache mit Mamre diese bleibende Wirkung erzielte. Sogar der Nichtjude meint, dass Milah eine gute Idee ist! Deshalb hat das Argument „Was werden die „Umot haOlam“ („Völker der Welt“) sagen?“ bei dieser Mizwa nie Fuss gefasst.
Quellen und Persönlichkeiten:
Raschi (1040 – 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); “Vater aller Torahkommentare”.
Ba’alej Tossafot („Tossafisten“): Talmuderklärer des 12. und 13. Jahrhunderts.
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