Siwan / Paraschat Beha’alotecha
Siwan / Paraschat Beha’alotecha

Mosches fehlendes Ego machte ihn zum treuesten Verwalter im Hause G-ttes (Paraschat Beha’alotecha 5786)

Warum war Mosche eines solchen einzigartigen Vertrauens würdig?

Warum war Mosche eines solchen einzigartigen Vertrauens würdig?
Foto: AI Avigail

Mosches fehlendes Ego machte ihn zum treuesten Verwalter im Hause G-ttes

Rav Frand zu Paraschat Beha’alotecha 5786 – Beitrag 2 (Chuz la’Arez)

Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann

Weitere Artikel zum Wochenabschnitt finden Sie hier

Die Parascha endet mit einer eindrucksvollen Bestätigung dessen, wer Mosche Rabbejnu tatsächlich war. Dies ist eines der grössten Zeugnisse der Tora für seine einzigartige Stellung.

Mirjam und Aharon beklagten sich darüber, dass Mosche sich von seiner Frau getrennt hatte. Darauf sprach Haschem zu ihnen:

„Hört doch Meine Worte: Wenn es unter euch einen Propheten gibt, so gebe Ich, Haschem, Mich ihm in einer Vision zu erkennen; im Traum spreche Ich zu ihm. Nicht so Mein Diener Mosche; in Meinem ganzen Hause hat er sich als treu bewährt. Von Mund zu Mund spreche Ich mit ihm, in klarer Schau und nicht in Rätseln, und die „Gestalt des Ewigen“ (siehe Raschi) schaut er.“
[Bamidbar 12,6–8]

Rabbi Mosche Chajim Luzzatto (mit seinem Akronym RAMCHA“L bekannt) schreibt in seinem Werk Derech Haschem, dass alle anderen Propheten jeweils nur jene einzelnen Aspekte erfassen konnten, die der Ewige ihnen offenbaren wollte. Mosche Rabbejnu hingegen wurde gewürdigt, die gesamte Ordnung der Schöpfung zu erkennen. Ihm wurde alles erschlossen. Bildlich gesprochen erhielt er die Schlüssel zu den himmlischen Geheimnissen, die keinem anderen Menschen anvertraut wurden.

Darauf weist der Vers hin:
„In Meinem ganzen Hause ist er der Treueste.“

Rabbi Schimschon Pinkus erläutert dies anhand eines Gleichnisses:

Ein Geschäftsinhaber kann einen Mitarbeiter haben, dem er vollkommen vertraut. Dieser kennt die Bücher des Unternehmens, die internen Abläufe und die wichtigsten Geschäftsgeheimnisse. Dennoch gibt es meist gewisse persönliche Informationen, die selbst diesem Mitarbeiter nicht offenbart werden. Er geniesst vielleicht 99,9 Prozent Vertrauen – aber eben nicht hundert Prozent.

Denn letztlich bleibt der Mitarbeiter eine eigenständige Person mit eigenen Interessen, eigenen Vorstellungen und einem eigenen Ego. Zwischen dem Eigentümer und seinem Angestellten besteht immer eine gewisse Distanz.

Wenn die Tora jedoch über Mosche Rabbejnu sagt:

„In Meinem ganzen Hause ist er der Treueste“,

dann bedeutet dies, dass Haschem keinerlei Vorbehalte hinsichtlich seiner Vertrauenswürdigkeit hatte. Mosche konnte gleichsam in sämtliche „Angelegenheiten des Hauses“ eingeweiht werden. Nichts musste vor ihm verborgen bleiben.

Warum war Mosche eines solchen einzigartigen Vertrauens würdig?

Die Antwort gibt die Tora selbst:

„Der Mann Mosche war sehr demütig, mehr als jeder Mensch auf der Erde.“ [Bamidbar 12,3]

Gegenüber dem Allmächtigen hatte Mosche sein eigenes „ich“ vollständig zurückgestellt. Im Verhältnis zum Ribono schel Olam besass er kein persönliches Ego. Sein Wille war vollständig mit dem Willen Haschems vereint. Seine eigene Agenda war zu hundert Prozent die Agenda des Ewigen.

Deshalb musste Haschem ihm keine Geheimnisse vorenthalten. Es gab keinen Interessenkonflikt, keine persönliche Berechnung und kein Eigeninteresse.

Aus diesem Grund konnte Mosche Rabbejnu – wie der Ramcha“l schreibt – in alle Geheimnisse der Schöpfung eingeweiht werden. Sein aussergewöhnliches Mass an Demut machte ihn zum treuesten Verwalter im ganzen Hause G-ttes.

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Mosche Chajim Luzzatto (RaMCHaL) (1707–1747) war einer der bedeutendsten Rabbiner, Denker und Kabbalisten der Neuzeit. Er wurde in Padua (Italien) geboren und wirkte später in Amsterdam, bevor er sich in Erez Jisrael niederliess. Trotz seines kurzen Lebens hinterliess er ein aussergewöhnlich umfangreiches und einflussreiches literarisches Werk.

Zu seinen bekanntesten Schriften gehören „Derech Haschem“ („Der Weg G-ttes“), eine systematische Darstellung der Grundlagen des jüdischen Glaubens, sowie „Messilat Jescharim“ („Pfad der Rechtschaffenen“), eines der bedeutendsten Werke der Mussar-Literatur. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Werke über Kabbala, jüdische Philosophie, Ethik und Tora-Gedanken.

Der RaMCHaL verband tiefgründige kabbalistische Erkenntnisse mit klarer, systematischer Darstellung und beeinflusste nachhaltig sowohl die Mussar-Bewegung als auch die Welt des Tora-Lernens. Seine Werke werden bis heute in Jeschiwot und Lehrhäusern auf der ganzen Welt studiert und gelten als grundlegende Quellen für das Verständnis von Emuna (Glauben), Awodat Haschem (G-ttesdienst) und spiritueller Persönlichkeitsentwicklung.

Rabbi Mosche Chajim Luzzatto verstarb im Jahr 1747 im Alter von nur 39 Jahren in Akko (Acre) während einer Pestepidemie. Seine Schriften zählen bis heute zu den klassischen Werken der jüdischen Literatur.

Rabbi Schimschon Dovid Pincus (1944–2001) war ein bedeutender israelischer Rabbiner, gefeierter Darschan (Prediger) und Autor zahlreicher Werke über Emuna (Glauben), Tefilla (Gebet), Schabbat und jüdische Lebensführung. Er wurde in New York geboren und kam am 12. April 2001 – im Alter von nur 56 Jahren – gemeinsam mit seiner Rebbezin Chaya und einer 19-jährigen Tochter, Mirjam, bei einem tragischen Autounfall in Israel ums Leben. Drei weitere Kinder wurden verletzt.

Seine Mutter Chava war die Tochter von Rabbi Jizchak Matitjahu Weinberg, einem Urenkel des ersten Slonimer Rebben. Rabbi Weinberg wurde in Tewerja (Tiberias) geboren. Später emigrierte er in die Vereinigten Staaten, nachdem in seiner Getreidemühle in Tiberias ein arabischer Angestellter getötet worden war und er Vergeltungsmassnahmen seitens der arabischen Bevölkerung befürchtete.

Seine Mutter Chava reiste in jungen Jahren von den Vereinigten Staaten nach Polen, um an der von Sarah Schenirer gegründeten Beth-Jakob-Schule zu lernen. Nach ihrer Rückkehr in die USA heiratete sie Rav Awraham Chajim Pincus.

Rav Awraham Chajim Pincus und seine Frau Chava gehörten zu den Wegbereitern der Beth-Jakob-Bewegung in Amerika und zählten zu den Gründern der ersten Beth-Jakob-Schulen in den Vereinigten Staaten.

Rabbi Schimschon studierte zunächst an der Beis Talmud Jeschiwa in New York und setzte seine Ausbildung anschliessend in Israel an der berühmten Brisker Jeschiwa unter Rabbi Josef Dov Soloveitschik fort.

Er heiratete Rebbetzin Chaya Mindel Man, die Tochter von Rabbi Mordechai Mann, einem Mitglied des Mo’ezes Gedolei HaTorah von Degel HaTorah. Nach der Hochzeit lebte das Ehepaar zunächst in Benej Berak und später in Tifrach. In dieser Zeit wirkte Rabbi Pincus als Maschgiach in der Jeschiwa von Ofakim und später als Rosch Jeschiwa der Jeschiwat Jerucham. Auf Wunsch des Steipler Gaon, Rabbi Ja’akow Jisrael Kanievsky, sowie von Rabbi Elasar Menachem Man Schach zog er nach Ofakim, wo er rund zwanzig Jahre lang als Rabbiner der Stadt amtierte.

Neben seinem umfassenden Tora-Wissen beschäftigte sich Rabbi Pincus intensiv mit der Kabbala. Er lernte bei den grossen Mekubalim Rabbi Jisrael Elijahu Weintraub und Rabbi Ja’akow Mosche Hillel und betete nach den Kawanot des berühmten Mekubal Rabbi Schalom Scharabi (haRaschasch).

Rabbi und Rebbetzin Pincus waren mit zwölf Kindern gesegnet. Auch seine Frau war eine aussergewöhnliche Pädagogin. Sie unterrichtete an Seminaren in Bnei Brak, leitete später die Grundschule in Tifrach und gründete anschliessend eine Mädchenschule in Ofakim. In ihren letzten Lebensjahren baute sie zudem das Seminar Neve Jochewed in Ofakim auf.

Rabbi Pincus war einer der gefragtesten Redner seiner Generation. Seine Vorträge in Israel und im Ausland beeindruckten Tausende von Menschen durch ihre Tiefe, Klarheit und Herzenswärme. Ein grosser Teil seiner aufgezeichneten Schiurim bildete später die Grundlage zahlreicher Bücher. Seine Vorträge – auf Hebräisch, Jiddisch und Englisch – über Emuna, Tefilla, Schabbat, Mussar und viele weitere Themen wurden auf Kassetten und CDs verbreitet und finden bis heute weltweit grosse Beachtung.

Auch in der Schweiz wurde Rabbi Schimschon Pincus vielen Menschen bekannt und ans Herz gewachsen. Besonders prägend waren seine Auftritte bei den ersten drei Shalheves-Weekends in Engelberg, die er gemeinsam mit Rabbi Esriel Tauber sel. A. in den Jahren 1998 bis 2000 leitete. Seine inspirierenden Vorträge hinterliessen bei den Teilnehmern einen bleibenden Eindruck und wirken bis heute nach.

______________________________________________________________________________

Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

______________________________________________________________________________

Copyright © 2026 by Verein Lema’an Achai / Jüfo-Zentrum.

Zusätzliche Artikel und Online-Schiurim finden Sie auf: www.juefo.ch und www.juefo.com  

 Weiterverteilung ist erlaubt, jedoch nur unter korrekter Angabe der Urheber und des Copyrights von Autor und Verein Lema’an Achai / Jüfo-Zentrum.

Das Jüdische Informationszentrum („Jüfo“) in Zürich steht Ihnen für Fragen zu diesen Artikeln und zu Ihrem Judentum gerne zur Verfügung: info@juefo.com

 

Wir benötigen Ihre Hilfe

Der Verein Lema’an Achai ist eine non-profitable Organisation. Unsere Einnahmen rekrutieren sich ausschliesslich von Sponsoren. Deshalb sind wir um jede Spende dankbar.

Accessibility