Der Monat Cheschwan / Mar-Cheschwan / Bul

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Wir stehen im Jahr 5779. Vor 4123 Jahren, im Jahre 1656, begann in diesem Monat der Mabul (die Sintflut).

Cheschwan ist der zweite Monat des neuen Jahres, wird aber in der Thora der achte genannt, weil man mit Nissan zu zählen anfängt. Dieser Monat wird im Tanach "Bul" genannt. Im ersten Buch der Könige (Melachim I, 6:38) heisst es: "Und im elften Jahre, im Monat Bul, das ist der achte Monat, war das Haus (der Tempel) fertig..."

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Raw Zweig zu Parschat Lech Lecha 5774

Den Genuss umdefinieren

"Und Ich werde dich zu einem grossen Volk machen, Ich werde dich segnen und deinen Namen gross werden lassen - und du selbst sollst ein Segen sein." [Bereschit 12:2]

Die Mischna in Pirkej Awot (Sprüche der Väter) [5:3] lehrt, dass unser Stammvater Awraham mit zehn Glaubensprüfungen konfrontiert wurde. Gemäss allen Kommentaren, ist die Anweisung "Lech Lecha" (gehe fort um deiner selbst willen) in diesen Prüfungen einbegriffen. Doch im Zusammenhang mit dieser Anweisung wurde Awraham auch Ruhm, Reichtum und zahlreiche Nachkommen versprochen. Aus diesem Grund könnte man fragen, inwiefern dies überhaupt eine Prüfung darstellt. Wenn einem Menschen Ruhm, Wohlstand und Kinder versprochen werden, was könnte ihn dann noch zurückhalten, fortzugehen? Ausserdem würden auch viele Menschen von einer wesentlich niedrigeren Glaubensstufe als Awraham dem Befehl G-ttes folgen, selbst wenn ihnen dafür überhaupt kein Lohn versprochen würde! Warum ist es also notwendig, dass G-tt gegenüber Awraham all diese Versprechungen abgibt?

Raschi kommentiert, dass "lecha" (um deiner selbst willen) bedeutet, "für deinen eigenen Genuss und Profit". Warum muss Awraham überhaupt gesagt werden, dass der Genuss von Ruhm, finanziellem Wohlstand und Kinderreichtum zu seinem eigenen Vorteil sei?

Manche Kommentatoren versuchen zu erklären, dass Awraham über den ihn erwartenden Lohn informiert worden sei, weil die Prüfung darin bestand, zu sehen, ob Awraham aufgrund des Lohns fortgehen würde oder schlicht, weil G-tt es so befohlen hatte. Doch diese Interpretation kann nicht ganz korrekt sein, denn der Sinn einer Prüfung besteht schliesslich darin, dass ein Mensch an ihr wächst und sein Potenzial vergrössert. Die Absicht Awrahams zu prüfen, ist kein Weg, um sein Potenzial zu vergrössern. Der Allmächtige "gewinnt" nichts dadurch, wenn Er nur versucht, den Menschen zur Frustration zu treiben. Darüber hinaus heisst es im Vers: "lech lecha" (gehe um deiner selbst willen). G-tt möchte, dass Awraham um seines eigenen Genusses und Profits wegen fortgeht - nicht dem Genuss und Profit zum Trotz!

Wir alle gehen mit dieser Zweischneidigkeit durch das Leben, wo wir ständig hin und her schwanken, was nur kurzfristig genussvoll und was tatsächlich gut für uns ist. So erwägen wir beispielsweise, ob wir gesunde oder genussvolle (aber ungesunde) Speisen zu uns nehmen sollen. Manch einer mag für sich selbst erwägen, ob es vorzuziehen ist, eine treue Ehe zu führen - oder stattdessen frei zu sein, um allerlei Beziehungen aufnehmen zu können. Der Grund, weshalb wir derart mit uns kämpfen, ist, weil wir Genuss in erster Linie als physische Befriedigung ansehen. Wenn der Mensch einsehen würde, dass Freude und Genuss am grössten sind - und physische Befriedigung übersteigen, wenn man das "Richtige" tut und der Anziehungskraft des reinen Genusses widersteht, würde jegliche innere Anspannung verschwinden. Das Gefühl, sich selbst zu "adeln", indem man den Willen G-ttes tut, ist ein Genuss, den wir Zeit unseres Lebens in uns tragen. Wir müssen für uns selbst umdefinieren, was wahrer Genuss ist - was sich also tatsächlich gut anfühlt.

Die Prüfung, der Awraham gegenübersteht, ist, G-tt zu seinem eigenen Genuss und Profit zu folgen. Der Allmächtige prüft Awraham, um zu sehen, ob er die Ausführung von G-ttes Willen und die Empfindung von persönlichem Genuss als eine Einheit betrachtet. Die Freude darüber, das Richtige zu tun, sollte jene verbotenen Freuden übersteigen, die uns anderweitig anziehen. Dies ist die ultimative Prüfung des Menschen, die festlegt, ob er aufgrund unerfüllter Begehrlichkeiten mit einem Gefühl der Frustration durch das Leben geht - oder zufrieden und erfüllt aufgrund seines Wissens um der Tatsache, dass er das Richtige getan hat. "Lech Lecha" - "gehe um deiner selbst willen" - ist eine Prüfung, um festzustellen, ob Awraham um seines eigenen Genusses wegen geht - ob seine Freude daraus entspringt, dass er sich dem Willen G-ttes unterordnet. Der Lohn von Ruhm und Reichtum kommt erst im Anschluss an Awrahams Erfüllung der g-ttlichen Anweisung von "lech lecha". Er ist nicht diejenige Freude und der eigentliche, wahre Genuss, auf die die Anweisung von "lech lecha" anspielt.

Gefahren der Umwelt

"Da war es, als er nahe daran war, nach Ägypten zu kommen, sprach er zu seiner Frau Sarai…" [Bereschit 12:11]

Als sie auf Ägypten zukamen, bat Awraham seine Frau Sarah, zu behaupten, sie sei seine Schwester. Dies sollte ihm als Schutz vor den Ägyptern dienen, die sich in Sarah vergucken und ihn töten könnten, wenn sie erfahren würden, dass er ihr Ehemann war.

Warum ist es für uns bedeutsam, zu wissen, dass diese Diskussion aufkam, als Awraham und Sarah ihrem Ziel (dem Land Ägypten) näher rückten? Warum wurde ein Problem von solcher Tragweite nicht schon vor ihrem Aufbruch aus dem Land Kena'an erörtert? Der Midrasch erklärt, wie Raschi zur Stelle erwähnt, dass als sie ihrem Ziel näher kamen, Awraham die Schönheit von Sarah erst richtig bewusst wurde. Warum kam ausgerechnet jetzt der kritische Augenblick, als dieser Gedanke in sein geistiges Blickfeld rückte?

Ägypten war ein Land, das vom notorisch unmoralischen, lasziven Verhalten seiner Bewohner geprägt war. Im Allgemeinen würde jedes "gewöhnliche" Individuum, das in solch einer Gesellschaft lebt, davon betroffen sein - selbst wenn dieser Mensch von sich aus nicht in so ein Verhalten abrutschen würde. Möglicherweise lehrt uns die Thora, dass obwohl ein Gerechter von Awrahams Kaliber nicht in die moralischen Abgründe seiner Umgebung hineingezogen wird, der Einfluss der Gesellschaft dennoch einen unterschwelligen Einfluss auf ihn hat. Im Falle Awrahams, manifestierte sich dies in seiner Erkenntnis der aussergewöhnlichen Schönheit seiner Frau.

 

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