Aw / Paraschat Re’eh
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Lachend auf dem Weg zur Bank (Paraschat Ejkew 5786)

„Vergangene Erfolge können zum grössten Hindernis künftigen Erfolgs werden.“

Lachend auf dem Weg zur Bank (Paraschat Ejkew 5786)

„Vergangene Erfolge können zum grössten Hindernis künftigen Erfolgs werden.“
Foto: AI Avigail

Lachend auf dem Weg zur Bank

Rabbi Leibel Lam zu Paraschat Ejkew 5786

mit Ergänzungen von S. Weinmann

Weitere Artikel zum Wochenabschnitt finden Sie hier

„Dann wirst du in deinem Herzen sagen: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir diesen Reichtum verschafft. Doch du sollst an Haschem, deinen G-tt, denken; denn Er ist es, der dir die Kraft gibt, Reichtum zu erwerben, um Seinen Bund zu erfüllen, den Er deinen Vätern geschworen hat – so wie es heute ist.“ [Dewarim 8:17–18]

Die Tora weist uns immer wieder mit Nachdruck auf eine besonders grosse Gefahr hin – vielleicht sogar auf die grösste überhaupt: Den Allmächtigen zu vergessen.

Diese Gefahr besteht für jeden Menschen, unabhängig davon, ob er arm oder reich, gesund oder krank, erfolgreich oder erfolglos ist. Niemand ist davor gefeit.

Der Ramchal (Rabbi Mosche Chaim Luzzatto) beschreibt die menschliche Existenz mit eindrücklichen Worten:

„Der Mensch befindet sich mitten auf einem tobenden Schlachtfeld. Alles, was ihm in dieser Welt begegnet – ob Gutes oder Schwieriges –, ist eine Prüfung. Armut ist eine Prüfung auf der einen Seite, Reichtum auf der anderen. So sagte bereits König Schlomo (Salomon): ‚Damit ich nicht satt werde und Dich verleugne und sage: Wer ist Haschem? Oder damit ich nicht verarme und stehle …‘ [Mischlej/Sprüche 30:9]. Ruhe ist eine Prüfung, Leid ebenso. Der Mensch wird von allen Seiten geprüft.“

Was auf den ersten Blick wie die schlimmste Lebenslage erscheint, kann sich letztlich als das Grösste Gute erweisen. Und was wir für den grössten Erfolg halten, kann sich als schwere Gefahr herausstellen.

Entscheidend ist nicht die äussere Situation, sondern wie wir darauf reagieren.

Es gibt ein bekanntes Buch über Tennis mit dem Titel „The Inner Game – Das innere Spiel“. Genau darum geht es auch im Leben.

Die entscheidende Frage lautet:

Bringt mich meine innere Reaktion auf die Ereignisse meines Lebens Haschem näher – oder entfernt sie mich von Ihm?

Es gibt ein ungewöhnliches Sprichwort:

„Der grösste Feind des Erfolgs ist der vergangene Erfolg.“

Aus der Sicht der Tora erhält dieser Satz eine tiefere Bedeutung.

Reichtum kann unter Umständen sogar eine grössere Prüfung sein als Armut – obwohl wir Menschen seit Generationen darum bitten, materiellen Wohlstand zu erhalten.

Wenn wir jedoch auf die letzten Jahrzehnte zurückblicken, müssen wir uns ehrlich fragen:

Hat materieller Erfolg tatsächlich viele Menschen und ihre Familien Haschem nähergebracht?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Jeder muss sich diese Frage selbst stellen.

Das Sefer ‘Orchot Zadikim’ nennt drei mögliche Gründe, weshalb Haschem einem Menschen Reichtum schenkt. Zugleich zeigt es Merkmale auf, an denen sich erkennen lässt, welcher dieser Gründe wahrscheinlich zutrifft.

Ein Mensch kann reich werden:

  1. als Strafe,
  2. als Prüfung oder
  3. als Segen.

‘Reichtum als Strafe’

Woran erkennt man, dass Reichtum zur Strafe geworden ist?

Der Wohlstand führt dazu, dass das Leben des Menschen aus den Fugen gerät. Die Beziehung zu Ehepartner, Kindern oder Freunden zerbricht. Er entwickelt einen ausschweifenden Lebensstil, der ihn körperlich oder seelisch zugrunde richtet.

Immer wieder hört man von Menschen, die nach einem Lotteriegewinn oder einer plötzlichen Erhalt einer grossen Geldsumme nicht glücklicher wurden. Im Gegenteil: Das Geld löste ihre Probleme nicht, sondern vergrösserte sie erheblich.

So gewann beispielsweise ein Ehepaar, das vierzig Jahre lang gemeinsam als Hausmeister gearbeitet hatte, im Lotto. Nur zwei Jahre später war die Ehe zerbrochen. Der Mann war inzwischen zum zweiten Mal verheiratet und kam schliesslich unter Alkohol- und Drogeneinfluss ums Leben, nachdem er von seiner Yacht gestürzt war. Das Geld hatte sein Leben nicht verbessert, sondern zerstört.

‘Reichtum als Prüfung’

Wie zeigt sich Reichtum als Prüfung?

Der Betroffene wagt es weder, Geld für sich selbst noch für andere auszugeben. Aus Angst, sein Vermögen zu verlieren, lebt er ständig in Sorge.

Er verfolgt unaufhörlich seine Investitionen, lebt geizig und kann weder grosszügig Zedaka geben noch sich selbst etwas gönnen.

Nicht er besitzt das Geld – das Geld besitzt ihn.

‘Reichtum als Segen’

Wann ist Reichtum ein Segen?

Wenn ein Mensch sein Vermögen nutzt, um Gutes zu bewirken – für sich selbst und für andere.

Er setzt seine Mittel gezielt ein, um mehr Tora lernen zu können, unterstützt wohltätige Projekte und sucht bewusst nach Möglichkeiten, Zedaka zu geben und Mizwot zu erfüllen.

Er investiert freudig in Dinge von ewigem Wert, ohne dafür einen materiellen Gewinn zu erwarten.

Ein solcher Mensch ist es, der wirklich „lachend auf dem Weg zur Bank“ geht. Denn sein Reichtum dient nicht ihm selbst – sondern Haschem.

Quellen und Persönlichkeiten:

Orchot Zaddikim (ספר אורחות צדיקים) ist eines der bekanntesten Werke der jüdischen Mussar-Literatur (Ethik). Der Verfasser ist unbekannt; nach allgemeiner Auffassung wurde das Werk gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Deutschland verfasst.

Inhalt

Das Besondere an Orchot Zaddikim ist, dass es den Menschen nicht nur zum guten Verhalten anleiten will, sondern die Charaktereigenschaften (מידות) systematisch analysiert. Der Autor zeigt, dass dieselbe Eigenschaft – je nach ihrem Mass – entweder Tugend oder Laster sein kann.

Das Buch ist in sogenannte „Tore“ (שערים) eingeteilt, von denen jedes eine bestimmte Charaktereigenschaft behandelt.

Zu den bekanntesten gehören:

  • Tor des Hochmuts (שער הגאווה)
  • Tor der Scham (שער הבושה)
  • Tor der Freude (שער השמחה)
  • Tor der Sorge (שער הדאגה)
  • Tor des Zorns (שער הכעס)
  • Tor der Liebe (שער האהבה)
  • Tor des Neides (שער הקנאה)
  • Tor der Freigebigkeit (שער הנדיבות)
  • Tor der Genügsamkeit (שער ההסתפקות)
  • Tor der Wahrhaftigkeit (שער האמת)
  • Tor der Umkehr (שער התשובה)

Grundgedanke

Ein zentrales Anliegen des Buches ist, dass der Mensch nicht nur gute Taten vollbringen soll, sondern vor allem seine Middot läutern muss. Gute Taten haben dann ihren höchsten Wert, wenn sie aus einem veredelten Charakter hervorgehen.

Der Autor schreibt sinngemäss, dass der Mensch seine Eigenschaften wie ein Arzt eine Krankheit behandeln muss: Jede Eigenschaft hat ihren richtigen Platz und ihr richtiges Mass. Weder Übermass noch Mangel führen zum Ziel.

Bedeutung

Orchot Zaddikim gehört – neben Mesillat Jescharim, Chowot HaLewawot und Scha’arej Teschuwa – zu den klassischen Werken der jüdischen Ethik und wird bis heute in vielen Jeschiwot und Mussar-Gruppen regelmäßig gelernt.

Besonders geschätzt wird das Werk wegen seiner klaren Sprache, seiner vielen praktischen Beispiele und seiner psychologisch feinen Beobachtungen über das menschliche Verhalten.

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Rabbi Mosche Chajim Luzzatto (RaMCHaL) (1707–1747) zählt zu den bedeutendsten Rabbinern, Denkern und Kabbalisten der Neuzeit. Er wurde 1707 in Padua (Italien) geboren, wirkte später in Amsterdam und liess sich schliesslich in Erez Jisrael nieder. Trotz seines kurzen Lebens hinterliess er ein aussergewöhnlich umfangreiches und bis heute einflussreiches literarisches Werk.

Zu seinen bekanntesten Schriften gehören „Derech Haschem“ („Der Weg G-ttes“), eine systematische Darstellung der Grundlagen des jüdischen Glaubens, sowie „Messilat Jescharim“ („Pfad der Rechtschaffenen“), das als eines der bedeutendsten Werke der Mussar-Literatur gilt. Darüber hinaus verfasste der RaMCHaL zahlreiche Werke über Kabbala, jüdische Philosophie, Ethik und Toralehre.

Der RaMCHaL verband tiefgründige kabbalistische Erkenntnisse mit einer klaren und systematischen Darstellung. Dadurch übte er einen nachhaltigen Einfluss sowohl auf die Mussar-Bewegung als auch auf das Tora-Lernen insgesamt aus. Seine Werke werden bis heute in Jeschiwot und Lehrhäusern auf der ganzen Welt studiert und gelten als grundlegende Quellen für das Verständnis von Emuna (Glauben), Awodat Haschem (G-ttesdienst) und der spirituellen Persönlichkeitsentwicklung.

Rabbi Mosche Chajim Luzzatto verstarb im Jahr 1747 im Alter von nur 39 Jahren während einer Pestepidemie in Akko (Acre). Seine Schriften zählen bis heute zu den klassischen Werken der jüdischen Literatur und beeinflussen nach wie vor das Tora-Lernen, die Mussar-Literatur und das Studium der Kabbala. Sie gehören in vielen Jeschiwot und Lehrhäusern weltweit zur grundlegenden Lektüre.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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