Tammus / Paraschat Chukat-Balak
Tammus / Paraschat Chukat-Balak

Ein rätselhafter Fasttag (Paraschat Chukat 5786)

Ein rätselhafter Fasttag

Ein rätselhafter Fasttag (Paraschat Chukat 5786)

Ein rätselhafter Fasttag
Foto: AI Avigail

Ein rätselhafter Fasttag

Rav Frand zu Paraschat Chukat 5786

Ergänzungen von S. Weinmann

Weitere Artikel zum Wochenabschnitt finden Sie hier

Der Fasttag am Erew Schabbat von Paraschat Chukat

Der Magen Awraham erwähnt einen „Brauch einzelner Personen“, am Freitag vor der Lesung von Paraschat Chukat zu fasten (Schulchan Aruch, Orach Chaim, Kapitel 580).

Im Allgemeinen ist es ungewöhnlich, einen Fasttag auf einen Freitag zu legen. Noch bemerkenswerter ist, dass die meisten Fasttage an ein bestimmtes Datum im jüdischen Kalender gebunden sind – dieser Fasttag jedoch nicht. Der Magen Awraham schreibt, dass unabhängig davon, auf welchen Kalendertag der Freitag vor Paraschat Chukat fällt, manche Menschen an diesem Tag fasten.

Was ist die Bedeutung dieses besonderen Fasttages?

Der Freitag von Paraschat Chukat gilt in der jüdischen Überlieferung als ein Tag, der über die Generationen hinweg mit mehreren schweren Ereignissen verbunden wurde.

 

Die Verbrennung der Talmud-Bücher in Paris

Eines der bekanntesten Ereignisse ist die Verbrennung von Tausenden von Talmud-Bänden und anderen Sefarim (rabbinischen Büchern) in Frankreich.

Die sogenannte Disputation von Paris (Mischpat Paris), auch bekannt als „Talmudprozess“, begann im Jahr 1240 am Hof des französischen Königs Ludwig IX. Sie endete einige Jahre später mit einem schweren Erlass: Alle Talmudbücher und weitere jüdische Werke sollten verbrannt werden.

Die Verbrennung von 24 Wagenladungen beschlagnahmter Talmudexemplare und anderer Sefarim erfolgte am Freitag, dem 9. Tamus 5004 (15. Juli 1244), auf dem Place de Grève in Paris.

Dieses Ereignis hinterließ einen tiefen Eindruck in der jüdischen Welt und wurde über Generationen hinweg als eine der schwersten Verfolgungen gegen die mündliche Tora in Erinnerung behalten.

Bemerkenswerterweise wurde der Fasttag nicht auf den Tag der Verbrennung selbst festgelegt, sondern entsprechend dem Wochentag, an dem dieses Ereignis geschah.

Zur Erklärung dieser ungewöhnlichen Festlegung heist es, dass die Gelehrten jener Generation im Traum nach dem Grund für diese schwere himmlische Strafe fragten. Ihnen wurde im Traum die Übersetzung von Onkelos zu den ersten Worten von Paraschat Chukat gezeigt:

„Sot Chukat HaTora“ – „Dies ist die Satzung der Tora“. Onkelos übersetzt: „Da Gesejrat Oraijta“ – „Dies ist der Erlass der Tora“.

Daraus verstanden sie, dass nicht das Kalenderdatum die eigentliche Bedeutung hatte, sondern der Zusammenhang mit dem Freitag vor Paraschat Chukat. Deshalb wurde dieser Tag als Fasttag der Gerechten festgelegt.

„So beschreibt der Ba’al Schibolej HaLeket, ein Zeitgenosse dieser Ereignisse, den damaligen Vorfall:“

„Da wir uns mit den Gesetzen der Fasttage und mit der Verbrennung der Tora beschäftigen, schreiben wir dies zum Gedenken an das, was in unseren Tagen aufgrund unserer vielen Sünden geschah. Dadurch wurde die Tora unseres G’ttes verbrannt. Im Jahr 5004 seit der Schöpfung, am Freitag von Paraschat Chukat, wurden in Frankreich etwa vierundzwanzig Wagenladungen voller Talmud-Bücher, halachischer Werke und Agadot verbrannt. Die Rabbiner jener Zeit fragten im Traum, ob diese Strafe ein Erlass des Schöpfers sei, und ihnen wurde geantwortet: Im Targum Onkelos steht zu ‚Dies ist die Satzung der Tora‘ – ‚Dies ist der Erlass der Tora‘. Von diesem Tag an nahmen einzelne Menschen auf sich, jedes Jahr an diesem Freitag zu fasten.“

 

Die Verbindung zu den Gesejrot Tach-weTat

Darüber hinaus wird dieser Tag auch mit den Gesejrot Tach weTat (1648–1649) verbunden. Damals wurden unter der Führung von Bohdan Chmelnyzkyj (Jimach Schemo) Zehntausende Juden in den Gemeinden Osteuropas ermordet und hunderte jüdische Gemeinschaften zerstört.

Aus diesem Grund erwähnt der Magen Awraham, dass manche Menschen am Freitag von Paraschat Chukat fasteten, obwohl es sich nicht um einen allgemeinen öffentlichen Fasttag für ganz Israel handelt.

Dieser Brauch bewahrt die Erinnerung an die historischen Verfolgungen und bringt den Schmerz über die Verletzung der Tora und ihrer Gelehrten zum Ausdruck.

Angesichts der schwierigen Nachrichten aus dem Libanon und der anhaltenden Angriffe auf die Welt der Tora verbindet sich diese Erinnerung mit dem alten Gebet:

Möge es nie wieder Raub und Zerstörung an unseren Grenzen geben, und möge der Heilige, gelobt sei Er, die Tage der Not in Tage des Erbarmens und der Erlösung verwandeln.

(Dieser Textabschnitt ist eine deutsche Übersetzung eines Teils des traditionellen hebräischen Textes „Nachem“ (נחם), dem zentralen Trostgebet, das am jüdischen Fastentag Tisch’a be-Av (dem 9. Aw) gesprochen wird. Es wird im Rahmen des Schmone Esre (Achtzehngegebets) während des Nachmittagsgebets (Mincha) eingefügt).

 

Die Erklärung des Imrej Schamai

Der Imrej Schamai fügt einen weiteren historischen Hintergrund hinzu. Er berichtet, dass genau an dem Ort, an dem der Talmud und andere Sefarim verbrannt wurden, die Juden dieser Stadt einige Jahre zuvor öffentlich Werke des Rambam (Maimonides) verbrannt hatten, insbesondere den Moreh Newuchim („Führer der Verwirrten“).

Der Moreh Newuchim war damals ein umstrittenes Werk. Der Rambam genoss zu jener Zeit noch nicht die uneingeschränkte Anerkennung späterer Generationen. Er hatte auch Kritiker, und manche Gelehrte standen seinem Werk sehr kritisch gegenüber. Sogar Teile seines Hauptwerkes, der Jad HaChasaka, wurden an manchen Orten nicht vollständig akzeptiert.

Nach dieser Überlieferung wurden als himmlische Antwort auf die frühere Verbrennung der Werke des Rambam nun 24 Wagenladungen voller Tora-Bücher öffentlich verbrannt.

Als die jüdische Gemeinde dies erkannte, bereute sie ihre frühere Handlung. Sie führte einen Fasttag ein und bat um Vergebung. Danach verstummte die Auseinandersetzung über den Moreh Newuchim.

In dieser Hinsicht hatten sie großes Glück: Sie erhielten ein klares Zeichen, durch das sie erkennen konnten, worin ihr Fehler lag. Der Zusammenhang erschien ihnen unmittelbar.

Dies ist der historische Hintergrund für den Brauch mancher Frommen, am Erew Schabbat vor Paraschat Chukat zu fasten.

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Quellen und Persönlichkeiten:

Rambam – Rabbi Mosche ben Maimon (Maimonides) (1135–1204) wirkte in Spanien, im Land Israel und in Ägypten. Er zählt zu den bedeutendsten Gelehrten der Rischonim und prägte das jüdische Denken wie kaum ein anderer.

Zu seinen Hauptwerken gehören die umfassende Kodifikation des jüdischen Rechts, die Mischne Tora (auch Jad HaChasaka genannt), sein Kommentar zur Mischna sowie der philosophische Klassiker Moreh Newuchim – „Führer der Unschlüssigen“ (bzw. „Führer der Verirrten“). Darüber hinaus verfasste er zahlreiche weitere halachische, philosophische und medizinische Werke.

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Rabbi Zidkia ben Awraham haRofe (רבי צדקיה בן אברהם הרופא), (ca. 1210 – 1280) genannt: Ba’al Schibolei HaLeket (בעל שיבולי הלקט) war ein bedeutender Rischon (frühmittelalterlicher Talmudgelehrter) des 13. Jahrhunderts aus Italien. Er wirkte in Italien, vermutlich im Raum Rom, und gehörte zu den bedeutenden halachischen Gelehrten seiner Zeit. Seine Ausbildung erhielt er sowohl in Italien als auch in Deutschland, wo er unter anderem ein Schüler von Rabbi Jakob von Würzburg war.

In seinem Hauptwerk sammelte er halachische Entscheidungen, Minhagim (Bräuche) und Überlieferungen der frühen aschkenasischen und italienischen Gelehrten. Sein Werk stellt eine wichtige Quelle für die Kenntnis der jüdischen Rechtsentwicklung und der religiösen Praxis des Mittelalters dar.

Sein bekanntestes Werk ist:  Schibolej HaLeket (שיבולי הלקט„Ährenlese“). Das Werk ist eine Sammlung von Halachot und Minhagim zu verschiedenen Bereichen des jüdischen Lebens, insbesondere zu:

 

  • Gebete und Synagogenbräuche,
  • Schabbat und Feiertage,
  • Fasttage,
  • Berachot (Segenssprüche),
  • Kaschrut,
  • Trauerbräuche
  • Weitere praktische Rechtsfragen

 

Sein Werk gehört zu den wichtigen halachischen Kompilationen der Rischonim und bewahrt viele Überlieferungen, die sonst nicht erhalten geblieben wären.

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Rabbi Abraham Abele Halevi ben Chajim Gombiner (ca. 1635–1682) wurde in Gąbin (Gombin) geboren und wirkte später als Rabbiner und Talmudgelehrter in Kalisch (Kalisz), Polen. Er gehörte zu den bedeutendsten halachischen Autoritäten seiner Zeit.

Sein berühmtestes Werk ist der Magen Awraham, ein grundlegender Kommentar zum Teil Orach Chajim des Schulchan Aruch von Rabbi Josef Karo. Dieses Werk wurde zu einer der wichtigsten Grundlagen für die spätere halachische Entscheidungsfindung.

Rabbi Gombiners Leben war von den schweren Ereignissen seiner Zeit geprägt: Seine Eltern wurden während der Gesejrot Tach-weTat (1648–1649), den Massakern unter der Führung von Bohdan Chmelnyzkyj und seinen Kosaken, ermordet.

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Imrej Schamai, interessante Erklärungen zum Chumasch, von Rav Schamai Ginsburg, (1907-1997), Gelehrter; Polen, Israel

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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