Adar/ Paraschat Tezawe
Adar/ Paraschat Tezawe

Die Mittel für den Bau des Mischkan waren leichter zu sammeln als das Öl für die Menora (Paraschat Tezawe 5786)

Was ist schwerer? Einmal $1’000.- oder zehnmal $100.- zu spenden?

Was ist schwerer? Einmal $1’000.- oder zehnmal $100.- zu spenden?
Foto: AI Avigail

Die Mittel für den Bau des Mischkan waren leichter zu sammeln als das Öl für die Menora

Rav Frand zu Paraschat Tezawe 5786

mit Ergänzungen von S. Weinmann

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Bereits in der vergangenen Parascha finden wir einen Aufruf zur Spende – allerdings ohne das Wort „Zav“. Paraschat Teruma beginnt mit dem Vers: „Rede zu den Kindern Israels, dass sie für Mich eine Abgabe nehmen; von jedem, den sein Herz dazu bewegt, sollt ihr Meine Abgabe nehmen.“ (Schemot 25,2) Das Volk wurde gebeten, für den Bau des Mischkan zu spenden. Sie brachten alles Mögliche: Edelmetalle – Gold, Silber und Kupfer –, Tierhäute, Holz, Gewürze und vieles mehr. Es war eine ausserordentlich erfolgreiche Kampagne; alles Notwendige für das Mischkan kam zusammen.

Das Sefer Abir Ja’akov fragt, warum die Tora in Paraschat Teruma nicht wie hier in Paraschat Tezawe den befehlenden Ausdruck „Zaw et Benej Jisrael“ verwendet, sondern lediglich sagt: „Rede zu den Kindern Israels, dass sie mir eine Teruma (Gabe/Spende) nehmen sollen…“. Wenn man Menschen um Geld bittet – insbesondere um Gold und Silber –, fällt es ihnen naturgemäss schwer, sich davon zu trennen. Eine solche Bitte kann durchaus Zögern oder Widerstand hervorrufen. Man hätte daher erwartet, dass die Tora gerade dort einen nachdrücklichen Ausdruck wie „Zaw“ gebraucht.

Stattdessen finden wir das Gegenteil: Beim Aufruf zur Spende von Gold und Silber genügt eine schlichte Aufforderung, während beim scheinbar bescheideneren Anliegen – Olivenöl für die Menora – ein Befehl steht: „Und du sollst gebieten…“ (we’ata tezawe). Welche Aufforderung ist eine grössere Zumutung?

Stellen wir uns vor, ein Mann möchte am Sonntagmorgen in Ruhe seinen Kaffee geniessen. Da klingelt es: Ein Meschulach (Spendensammler für einen wohltätigen Zweck) schildert eindringlich seine Notlage und bittet um 1.000 Dollar. Die Geschichte berührt den Mann, und er stellt einen Scheck über 1.000 Dollar aus.

Am nächsten Sonntag erscheint erneut ein Spendensammler – diesmal bittet er um 100 Dollar. Okay, der Mann gibt ihm $100. Zehn Minuten später klingelt es abermals bei der Tür und der nächste bittet ebenfalls um 100 Dollar. Insgesamt erscheinen zehn Meschulachim, jeder mit derselben Bitte. Siehe da, ein weiterer Sonntag verging, weitere $ 1'000.- wurden an wohltätige Zwecke verteilt.

Was ist schwerer? Einmal $1’000.- oder zehnmal $100.- zu geben?

Der Rambam schreibt (in seinem Mischna-Kommentar zu Masechet Awot), dass es schwieriger ist, zehnmal 100 zu geben, als einmal 1’000. Mehr noch: Die wiederholte Gabe prägt den Menschen stärker. Wer denselben Betrag in vielen kleinen Schritten spendet, verändert sein Wesen nachhaltiger, als wer ihn einmalig grosszügig überreicht.

Wer ein Ba’al Zedaka werden möchte – ein wahrhaft grosszügiger Mensch –, erreicht dies nur durch wiederholtes Geben. Ein einmaliger Akt der Grosszügigkeit ist schön, doch er formt die Neschama (Seele) nicht dauerhaft. Dem negativen Charterzug von Geiz kann nur durch kontinuierliches, bewusstes wiederholtes Gegenhandeln entgegengewirkt werden.

Der Bau des Mischkan war eine einmalige, historische Unternehmung – etwas, das es in der Geschichte von Klal Jisrael noch nie gegeben hatte. Die Begeisterung war gross; jeder wollte Teil dieses einzigartigen Ereignisses sein. Deshalb bedurfte es keiner besonderen Dringlichkeit im Sprachgebrauch. „Rede zu den Kindern Israels…“ genügte vollkommen.

Anders verhielt es sich mit dem speziellen Olivenöl für die Menora. Das war kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Bedarf – Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und genau das ist schwer. Beständigkeit erfordert Nachdruck.

Darum verwendet die Tora hier die Sprache des Befehls: „Gebiete den Kindern Israels…“

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Ja’akow Abuchatzera, genannt Abir Ja’akow (5566/1806 – 20. Tewet 5640/1880) war Rabbiner von Tafilalt in Marokko, Kabbalist, Possek (Rechtsentscheider), Autor, Prediger und Dichter. Er verfasste unzählige Werke zur Tora, zu Tenach, Halacha, Kabbala, etc.. Er war der Grossvater des „Baba Sali“. Er war einer der Stammväter der Familie Abichatzira und einer der bedeutendsten Rabbiner Marokkos. Er galt als Wundertäter und als jemand, dem die Offenbarung des Propheten Elijahu zuteilgeworden sei.

Er wurde im Jahr 5566 (1806) in Tafilalt im Osten Marokkos als Sohn von Rabbi Massoud geboren. Er war ein Nachkomme in neunter Generation von Rabbi Schmuel Elbaz, aus einer angesehenen Familie (die später den Namen „Abichatzira“ annahm). In seiner Jugend lernte er bei seinem Vater Tanach und die biblischen Kantillationszeichen, später Mischna und Talmud.

In der Überlieferung seiner Nachkommen heisst es, dass er bereits im Alter von sechzehn Jahren in allen Bereichen des „PaRDeS“ der Tora bewandert gewesen sei. Sein Lehrer, Rabbi Mordechai ben Scha’ul, lobte ihn sehr und verfasste sogar ein Gedicht zu seinen Ehren. Nachdem er von Rabbi Jeschua Danino die Rabbinatsordination erhalten hatte, begann er, als geistiger Führer der Gemeinde von Tafilalt zu wirken, wo er jahrzehntelang als Rabbiner, Leiter und Prediger tätig war.

Bereits in seinen Dreissigern galt er als einer der führenden Rabbiner und Halachisten seiner Generation. Ein Beleg für sein Ansehen ist zahlreiche halachische Anfragen, die ihm von den Gelehrten Marokkos zugesandt wurden und von denen einige in den Responsen-Werken seiner Zeitgenossen überliefert sind.

Sein Sohn und Schüler, Rabbi Aharon, berichtet in der Einleitung zu seinem Werk „Doresch Tow“, dass sein Vater jede Nacht achtzehn Kapitel Mischna auswendig lernte, anschliessend Verse und Talmud wiederholte, nur kurz schlief, sich zu Tikun Chazot erhob und bis zum Morgengrauen kabbalistische Werke studierte. Danach begab er sich als einer der Ersten in die Synagoge zum Schacharit-Gebet und widmete sich dort weiter dem Torastudium.

Ein weiterer Sohn und Schüler, Rabbi Jizchak, schreibt in der Einleitung zu seinem Buch „Machsof haLawan“, sein Vater habe niemals belanglose Gespräche geführt. Wenn er wach war, legte er sich nicht auf das Bett, und der Schlaf überkam ihn nicht unversehens. Sein Essen und Trinken erfolgten stets massvoll und abgewogen, und einen Grossteil seines Lebens verbrachte er in Fasttagen zur Sühne für Israel.

Sein herausragender Schüler Rabbi Schlomo Chajon, der ständig in seiner Nähe war – wie er selbst in der Einleitung zu „Pituchej Chotam“ schreibt: „Seine Hand wich nicht aus meiner“ –, beschreibt seinen Lebenswandel mit den Worten: „Die Nichtigkeiten dieser Welt verachtete er; in der Ausübung der Wohltätigkeit jedoch gab er grosszügig den Armen und den Toragelehrten.“

Rabbi Ja’akow pflegte sich für sein Studium zurückzuziehen, das überwiegend der Kabbala gewidmet war. Er war bekannt für seine besondere Heiligkeit und wurde in den Städten des Maghreb, in Ägypten und im Land Israel als Wundertäter verehrt. Es wird berichtet, dass ihm der Prophet Elijahu oft erschienen sei. Viele Menschen aus verschiedenen Regionen kamen zu ihm, um seinen Segen zu empfangen. Auch unter der muslimischen Bevölkerung und deren Würdenträgern genoss er grosses Ansehen und nutzte seine Stellung zum Wohl der Juden. Darüber hinaus kümmerte er sich um die Belange seiner Gemeinde, regelte religiöse Angelegenheiten, stiftete Frieden zwischen Ehepartnern und sammelte unermüdlich Geld zur Unterstützung der Armen.

Rabbi Ja’akow liebte das Land Israel sehr und sehnte sich danach, dorthin auszuwandern. Doch die Mitglieder seiner Gemeinde in Tafilalt widersetzten sich seinem Weggang und hielten ihn zurück. Sechsmal versuchte er, nach Erez Israel aufzubrechen. Erst beim sechsten Versuch, im Jahr 5639 (1879), gelang es ihm, seine Gemeinde davon zu überzeugen, dass sein Sohn Rabbi Massoud ihn als Gemeinderabbiner ersetzen könne, und man liess ihn ziehen.

Auf seinem Weg nach Erez Israel reiste er über Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten. Am 15. Tewet erreichte er Alexandria, wo er sich kurz aufhielt. Am 17. Tewet kam er in die nahegelegene Stadt Damanhur und war dort Gast bei Rabbi Mosche Saroussi. Dort erkrankte er plötzlich schwer und verstarb am 20. Tewet 5640 (4. Januar 1880). Er wurde in Damanhur beigesetzt.

Sein Todestag wurde als Hilula-Tag festgelegt. Viele Juden aus Ägypten und darüber hinaus strömten an diesem Tag herbei, um an seinem Grab zu beten. Mit den Jahren jedoch – und mit dem starken Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Ägypten – nahm die Zahl der Pilger deutlich ab.

Von Zeit zu Zeit reisten dennoch Gruppen von Juden aus Israel und aus der Diaspora an sein Grab, teilweise unter der Leitung von Familienangehörigen und Nachkommen, um dort zu beten.

Im Jahr 2012 fand die letzte Hilula statt; danach wurde sie von den ägyptischen Behörden untersagt. Im Dezember 2022 traf jedoch eine Delegation aus Israel mit offizieller Genehmigung ein und renovierte die Grabstätte. Ziel ist es, die Restaurierungsarbeiten fortzusetzen und künftig wieder weitere Hilulot zu begehen.

Sein Ur-Urenkel - der bekannte Zaddik Rabbi David Chai Abuchatzera - gründete in Naharia die Bildungseinrichtungen „Abir Ja’akow“, die nach ihm benannt sind. Zudem tragen zahlreiche weitere Tora-Institutionen und Synagogen seinen Namen.

Jehi Sichro Baruch – Möge sein Andenken zum Segen sein.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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