Adar/ Paraschat Teruma
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„Die Bretter des Mischkan besassen eine geistige Genealogie.“ (Paraschat Teruma 5786)

Warum hatten die Bretter einen ewigen Bestand?

Warum hatten die Bretter einen ewigen Bestand?
Foto: AI Avigail

„Die Bretter des Mischkan besassen eine geistige Genealogie.“

Rav Frand zu Paraschat Teruma 5786

Ergänzungen: S. Weinmann

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Der Passuk sagt: „Du sollst die Bretter des Mischkan aus Schittim (Zedern)-Holz machen, aufrechtstehend“ (Schemot 26,15).

Mosche Rabbejnu erhielt den Auftrag, die Bretter des Mischkan aus Zedernholz (Schittim) herzustellen. Raschi erklärt, dass dieses Holz von besonderen Bäumen stammte, die Ja’akow Awinu in Ägypten gepflanzt hatte. Kurz vor seinem Tod befahl er seinen Kindern, diese Bäume zu fällen und das Holz beim Auszug aus Ägypten mitzunehmen. Er hatte prophetisch vorausgesehen, dass der Heilige, gelobt sei Er, einst gebieten würde, in der Wüste ein Mischkan (Stiftzelt) zu errichten, und dass das Holz dieser Bäume dafür verwendet werden sollte.

Raschi stützt sich dabei auf einen Midrasch in Sefer Bereschit zum Passuk in Paraschat Wajigasch (Bereschit 46,1). Auf seinem Weg nach Ägypten hielt Ja’akow in Be’er Schewa an. Der Midrasch berichtet, dass er dort Zedernbäume ausriss, die sein Grossvater Awraham viele Jahre zuvor eingepflanzt hatte. Dieses Holz hatte also eine lange Geschichte. Die Tora erzählt, dass Awraham in Be’er Schewa ein „Eschel“ pflanzte (Bereschit 21,33) – er errichtete dort eine Art Herberge und pflanzte zu jener Zeit diese Bäume. Ja’akow riss sie auf seinem Weg nach Mizrajim aus, nahm sie mit nach Ägypten und pflanzte sie dort erneut ein.

Die Bäume, aus denen später das Holz für den Mischkan gewonnen wurde, hatten also eine ehrwürdige Herkunft. Ihr „Stammbaum“ reicht nicht nur bis zu Ja’akow Awinu zurück, sondern bis zu Awraham Awinu.

Mit diesem Hintergrund erklärt Rav Ja’akow Kamenetsky den Ausdruck „Azej Schittim Omdim“ – „stehende Schittim-Hölzer“. Die Gemara (Sukka 45b) erklärt, dass Mosche Rabbejnu solches Holz verwendete, das ewig Bestand haben würde – es würde weder verbrennen noch zerstört werden, weder verfaulen noch verformt werden noch je in Feindeshand fallen. Die Bretter wurden verborgen. Mosche sollte Bäume verwenden, die „für immer und ewig stehen“.

Mosche fragte sich: Wie soll ich das sicherstellen? Wenn Klal Jisrael sich würdig verhält, wird das Mischkan bestehen; wenn nicht, könnte es dasselbe Schicksal erleiden wie die späteren Batej HaMikdasch (Tempel). Es schien wie ein „Mission Impossible“- Auftrag.

Die Antwort lautete: Verwende nicht irgendwelche Bäume, sondern jene, die Ja’akow gepflanzt hatte – Bäume, deren Ursprung auf Awraham Awinu zurückgeht. Diese Bäume würden ewig bestehen, weil sie von Anfang an für eine Mizwa und für Keduscha bestimmt waren. Etwas, das „al taharas haKodesch“ – in vollkommen reiner Heiligkeit – gegründet wird, besitzt Bestand für die Ewigkeit.

Dies erklärt auch die bekannte Gemara in Bawa Mezia (85b), in der Rav Chija erklärte, er werde dafür sorgen, dass die Tora niemals aus Israel vergessen werde. Eine kühne Aussage! Doch weshalb lernen wir heute noch Tora? Weil Rav Chija Schritte unternahm, die die Ewigkeit der Tora sicherten. Er unterrichtete Kinder – lehrte sie die fünf Chumaschim und die sechs Ordnungen der Mischna – und sorgte dafür, dass sie dieses Wissen weitergaben.

Doch welche Garantie hatte er, dass nicht spätere Generationen die Tradition abbrechen würden? Die Gemara beschreibt, dass Rav Chija nicht einfach ein Chumasch aufschlug und zu lehren begann. Er pflanzte Flachs, stellte daraus Netze her, fing damit Hirsche, gerbte ihre Häute und schrieb darauf die Chamischa Chumschej Tora. Warum dieser immense Aufwand? Er wollte, dass bereits der Ursprung seines Werkes vollkommen rein sei. Wenn eine Handlung von Anfang an mit intensiver Keduscha (Heiligkeit) durchdrungen ist, hat sie Bestand für die Ewigkeit.

Der Gaon von Wilna sagte einmal: Wenn sogar das Holz des Axtstiels, mit dem die Bäume zum Bau einer Synagoge gefällt werden, von einem Baum stammte, der von einem Schomer-Schabbat-Juden gepflanzt wurde, dann würde man in jener Synagoge niemals ein Gebet ohne Kawana (Andacht) sprechen. Das ist derselbe Gedanke: Was von Beginn an rein, heilig und von Keduscha erfüllt ist, trägt ewigen Bestand.

Dies – so Rav Ja’akow Kamenetsky – war die Botschaft an Mosche: Baue das Mischkan aus „Azei Schittim Omdim“, aus Hölzern, die für immer stehen. Woher bekommt man solches Holz? Nicht vom Holzlagerplatz. Sondern von den Bäumen, die Ja’akow Awinu in Ägypten pflanzte, nachdem er zuvor die von Awraham Awinu in Be’er Schewa gepflanzten Bäume ausriss. Diese Bäume waren bereits von Anfang an durch Awrahams Gastfreundschaft mit Keduscha erfüllt.

Tatsächlich wurde der Mischkan nie zerstört. Der erste Bejt HaMikdasch war zwar weit prächtiger, doch an seinem Bau waren auch Nichtjuden beteiligt, etwa Chiram, der König von Tyrus, der Arbeiter entsandte. Gewiss besass auch der Bejt HaMikdasch grosse Keduscha – doch wenn man etwas schaffen will, das ewig Bestand hat, muss die Heiligkeit von Beginn an vollkommen und unvermischt sein.

Deshalb – auch wenn es hierzulande weniger üblich ist – ist es in Jerusalem und verschiedenen Gemeinden Brauch, ein Kind, das zum ersten Mal in den Cheder geht, in einen Tallit zu hüllen und so dorthin zu bringen. Manche bedecken sogar seine Augen auf dem Weg, damit es nichts Unreines sieht. Warum? Weil dieser erste Moment des Tora-Lernens vollkommen rein und heilig sein soll. Ein solcher Beginn kann ein ganzes Leben prägen.

Quellen und Persönlichkeiten:

Raschi, Akronym für Rabbi Schlomo ben Jizchak, Rabbi Schlomo Jizchaki oder Rabban Schel Jisrael (der Grosslehrer Jisraels), meist jedoch nur Raschi genannt (1040-1105); Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland). Er war ein französischer Rabbiner und massgeblicher Kommentator des Tenach und Talmuds; „Vater aller TENACH- und Talmudkommentare“. Er ist einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters. Sein Bibelkommentar wird bis heute studiert und in den meisten jüdischen Bibelausgaben abgedruckt; sein Kommentar zum babylonischen Talmud gilt ebenfalls als einer der wichtigsten und ist allen gedruckten Ausgaben beigefügt.

Wilnaer Gaon, Gaon von Wilna: Rabbi Eljahu ben Schlomo Salman von Wilna (1720 - 1797), Wilna; Tora-Genie, war ein bereits zu seinen Lebzeiten hoch geschätzter vielseitiger jüdischer Gelehrter. Er gilt als Inbegriff des aschkenasischen Judentums litauischer Prägung. Er schrieb mehr als 70 Kommentare zu Tora, Talmud, Kabbala und Halacha. Sie befassen sich mit einem breiten Spektrum religiöser und gesellschaftlicher Fragen und sind Standardwerke jüdischer Gelehrsamkeit.

Rabbi Ja'akov Kamenetzky (1891-1986); Minsk, Kowno, Slobodka, Seattle, Toronto und New York. War Rabbiner, Rosch Jeschiwa, Possek und grosser Talmudgelehrter. Rosch Jeschiwa von Tora Wo’Daat, Brooklyn. Zusammen mit Rabbi Mosche Feinstein leitete er das amerikanische Judentum in Fragen der Halacha und in spiritueller Führung bis 1986, als beide Grössen diese Welt verliessen. Verfasser von verschieden Werken, wie Emet leJa’akov zum Schulchan Aruch und Erklärungen zum Chumasch.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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