Cheschwan / Paraschat Wajera

Jüdische Lebensbilder

Zur Jahrzeit des «Chason Isch», am 15. Marcheschwan (1. Teil)

von Rav Menachem Mendel Plato

28.10.2026

Jüdisches Jahr: 5787

Foto: AI Avigail
Zur Jahrzeit des «Chason Isch», am 15. Marcheschwan (1. Teil)

Rabbi Awraham Jeschajahu Karelitz (1878–1953),

verschied am 15. Marcheschwan 5714 / 24. Oktober 1953

Aus dem Werk «Sefer Maran haChason Isch» von Rav Menachem Mendel Plato, Kapitel 63  

Der Chason Isch – «Er bringt Heilung in die Welt …»

Durch seine aussergewöhnliche, kaum vorstellbare Mühe und Anstrengung im Torastudium um ihrer selbst willen (Lischmah) erfüllten sich am Chason Isch die Worte unserer Weisen: «Rabbi Meir sagt, wer sich mit der Tora beschäftigt «Lischma – um ihrer selbst willen» erringt viele Dinge…» [Pirkej Awot 6:1]. Wer sich in seiner Nähe aufhielt, erkannte, dass seine klaren Tora-Augen weit vorausblickten – gleichsam von einem Ende der Welt bis zur Anderen.[355]

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Fussnote [355]: Eine Behandlung im Ausland

Rabbi Baruch Jizchak Lewin suchte den Chason Isch auf, um ihn wegen seines Schwagers zu fragen, der eine einfache medizinische Behandlung benötigte. Zu seinem Erstaunen wies der Chason Isch ihn an, den Kranken zur Behandlung ins Ausland zu fliegen.

Rabbi Baruch Jizchak verstand nicht, weshalb man für einen so einfachen Eingriff, den man auch in Erez Israel vornehmen konnte, ins Ausland reisen sollte. Dennoch befolgte er die Anweisung unverzüglich.

Als die Familie zurückkehrte, stellte sich heraus: Genau zu der Zeit, zu der die Behandlung in Erez Israel hätte stattfinden sollen, war ein Ärztestreik ausgebrochen. Wäre die Behandlung aufgeschoben worden, hätte sich der Zustand des Kranken verschlechtert.

Der Chason Isch hatte weit vorausgesehen und deshalb die Reise ins Ausland angeordnet.

Quelle: We’ele Toldot Jizchak, S. 177.

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Durch seine innige Verbundenheit mit der Tora wurde er zu einem Menschen von aussergewöhnlicher Grösse und Erhabenheit. Jene «vielen Dinge», deren er würdig wurde, zeigten sich nicht allein in seinen tiefen Einsichten in die verborgenen Schätze der Tora und in seinen Tora-Erklärungen, sondern auch in seinem erstaunlichen Verständnis zahlreicher anderer Wissensgebiete.

Obwohl er sein ganzes Leben zurückgezogen lebte und sich ganz der Tora widmete und sich bewusst von weltlichen Beschäftigungen fernhielt, erlangte er durch sein Torastudium Einsichten und Kenntnisse, die selbst Menschen verblüfften, die der Tora fernstanden.

Dazu gehörten sein umfassendes Verständnis und sein sicheres Urteil in medizinischen Fragen.[356]

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Fussnote [356]: Verantwortung bei medizinischen Entscheidungen

Rabbi Ja’akow Kamenetzky sagte, er sehe sich nicht befugt, über die «Ruach haKodesch –              g-ttliche Eingebung» des Chason Isch zu urteilen. Er erklärte jedoch, weshalb so viele aussergewöhnliche Berichte über dessen medizinische Entscheidungen bekannt geworden seien:

Wenn anderen Poskim Fragen vorgelegt würden, bei denen es um Leben und Tod gehe, scheuten sie häufig eine eindeutige Entscheidung. Sie fürchteten, sich zu irren. Schon diese Furcht vor einem Fehler könne eine gewisse innere Beeinflussung darstellen.

Der Chason Isch stand in seiner Grösse über jeder solchen persönlichen Rücksicht – auch über der Sorge, für eine unerwünschte Folge verantwortlich gemacht zu werden. Deshalb wurden ihm unzählige Fragen über Leben und Tod vorgelegt.

Hinzu kamen seine unvergleichliche Klarheit im Denken und sein breites Wissen. Diese führten in den meisten Fällen dazu, dass eine von ihm empfohlene Massnahme zum Guten ausschlug.

Die Möglichkeit, dass es auch Fälle geben könne, in denen ein Eingreifen keinen günstigen Ausgang nehme, hielt ihn nicht davon ab, persönliche Verantwortung zu übernehmen – eine Verantwortung, der andere auswichen.

Quelle: Rabbi Ja’akow, S. 370.

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Seit Generationen hatte es eine solche Erscheinung nicht gegeben: Ein grosser Tora-Gelehrter entschied über medizinische Fragen und Operationen, die an ihn herangetragen wurden.

Bedeutende Ärzte staunten immer wieder über seine Anweisungen, die ihren eigenen Einschätzungen zuweilen völlig widersprachen, [357] sowie über die Wege, die er ihnen bei schwierigen medizinischen Problemen aufzeigte.

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Fussnote [357]: «Er wird mit einem Auge besser sehen als zuvor»

  1. Rabbi Nechemja Becker erzählte von einem Mann, dem bei der Arbeit ein Metallsplitter ins Auge gedrungen war. Er wurde ins Hadassa-Krankenhaus in Jerusalem gebracht.

Nach der Untersuchung sagte ihm der Arzt, es bestehe kein Grund zur Sorge; innerhalb von drei Wochen werde alles wieder in Ordnung kommen.

Rabbi Nechemja fuhr zum Chason Isch, berichtete ihm davon und bat ihn, für den Mann zu beten. Schliesslich müsse dieser seine Familie weiterhin ernähren können.

Zu seinem Erstaunen begann der Chason Isch davon zu sprechen, dass der Heilige, gelobt sei Er, den Menschen mit zwei Augen erschaffen habe. Wenn jemand, G-tt behüte, ein Auge verliere, werde das Sehvermögen des anderen stärker als zuvor.

Der Chason Isch segnete den Mann, dass er künftig mit einem Auge besser werde arbeiten können als vorher.

Einige Wochen später erklärten die Ärzte, das verletzte Auge müsse entfernt werden. Der Mann arbeitete anschliessend mit einem gesunden Auge bis zum Alter von achtzig Jahren weiter. Er benötigte nicht einmal eine Brille, und man merkte ihm seine Einschränkung nicht an.

Quelle: Ma’asseh Isch, Teil IV, S. 113.

  1. Rabbi Ja’akow Finkelstein erzählte, er sei eines Nachts mit Dr. Munk, dem Leiter der örtlichen Schule «Jawne» in Benej Berak, zum Chason Isch gerufen worden.

Es ging um einen Mann aus ihrer Bekanntschaft, namens Jossef Zwi Zinover. Ärzte in Haifa hatten bei ihm Magenkrebs festgestellt. Sein Zustand sei so ernst, dass eine Operation kaum Aussicht auf Erfolg habe. Ohne Eingriff blieben ihm jedoch höchstens drei Monate zu leben.

Der Chason Isch hörte aufmerksam zu und zeigte grosses Mitgefühl.

Der Chason Isch legte eine anatomische Zeichnung des Magens vor und bat Dr. Munk, der    medizinisch bewandert war, um eine ausführliche Erklärung, wo sich das Geschwür, nach der Annahme der Ärzte, ausgebreitet hätte und wo man genau operieren müsste.  

Bei der Antwort zeigte Dr. Munk auf einen bestimmten Punkt der Zeichnung. Er erklärte auch die Überlegungen der Ärzte präzise.

Es trat Stille ein. Der Chason Isch schwieg, betrachtete die Zeichnung längere Zeit und sagte dann zu den Anwesenden:

«Es ist besser, nichts zu unternehmen». Es ist wahrscheinlich nicht, was die Ärzte annehmen…»

Der Mann lebte danach noch viele Jahre. Auch die Ärzte änderten später ihre Einschätzung.

Quelle: BeMechizat haChason Isch, S. 341.

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Es gab Fälle, in denen sie ratlos waren und nicht wussten, wie sie vorgehen sollten. Der Chason Isch sandte ihnen dann einen Brief; manchmal zeichnete er ihnen sogar auf, wie sie die Operation ausführen sollten.[358]

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Fussnote [358]: Zeichnungen für die Chirurgen

1.Rabbi Jechiel Michel Tikočinsky musste ins Ausland reisen, um Spenden für seine Einrichtungen zu sammeln, die sich in einer schwierigen finanziellen Lage befanden.

Da sein Vater schwer krank war, fürchtete er, ihn für längere Zeit zurückzulassen. Er beschloss, den Chason Isch zu fragen.

Dieser antwortete:

«Reise in Frieden, kehre in Frieden zurück, und du wirst deinen Vater gesund und wohlbehalten antreffen.»

Uns so geschah es auch…

Eines Tages erkrankte Rabbi Jechiel Michel selbst schwer am Darm. Er suchte den Chason Isch auf und berichtete ihm davon.

Der Chason Isch nahm ein Blatt Papier, zeichnete den Darm und schrieb dem Arzt, wie die Operation auszuführen sei. Seine Skizze zeigte einen Umgehungseingriff, durch den sein Leben nicht gefährdet werden sollte.

Als man dem Arzt den Zettel übergab, war dieser ausserordentlich beeindruckt und bat darum, den Chason Isch kennenlernen zu dürfen.

Die Operation gelang, und der Kranke wurde vollständig gesund.

Quelle: Mussaf Schabbat Kodesch, Ausgabe 5772, 17, S. 10.

  1. In einem anderen Fall benötigte ein Kind eine komplizierte Gehirnoperation. Die Ärzte wussten nicht, wie sie den Eingriff ausführen sollten, ohne das Leben des Kindes zu gefährden.

Der Chason Isch zeichnete die Form des Gehirns und erläuterte, wie sie operieren sollten.

Als der Arzt die Zeichnung sah, fragte er:

«Wer ist der Arzt, der diese Skizze angefertigt und damit das schwierige Problem des Kranken gelöst hat?»

Man operierte entsprechend der Anweisung des Chason Isch. Der Kranke überstand den Eingriff und wurde gesund.

  1. 3. Dr. Rothschild besass Zeichnungen von Gehirn und Herz, die der Chason Isch angefertigt hatte. Als ein Arzt diese Skizzen sah, staunte er darüber, dass der Chason Isch diese genaue Vorstellung von den menschlichen Organen besass – ein Wissen, das in der Medizin erst viel später seinen Platz fand.

Quelle: Mussaf Schabbat Kodesch, Ausgabe von 5779, 08 S. 29.

  1. Rabbi Se’ew Eidelman erzählte im Namen Rabbi Schmuel Greinemans von einem Mann, der an Nierensteinen litt.

Die Steine lagen nach Auffassung der Ärzte so ungünstig, dass eine Operation nicht möglich war. Sie wussten keinen Weg, ihm zu helfen.

Der Mann ging zum Chason Isch und berichtete ihm davon. Dieser nahm ein Blatt und zeichnete genau auf, wie man operieren und die Steine entfernen könne.

Er gab ihm den Zettel, schärfte ihm aber ein, keinesfalls zu verraten, wer die Zeichnung angefertigt hatte. Er solle lediglich sagen, sie stamme von einem Arzt.

Als der Mann den Zettel den Ärzten zeigte, waren diese beeindruckt. Sie erkannten, dass der Verfasser des Plans über grosses Fachwissen verfügte, und wollten wissen, welcher Arzt dahinterstehe.

Der Mann weigerte sich jedoch, den Namen zu nennen. Daraufhin sagten die Ärzte, sie würden den Eingriff nicht durchführen, solange sie nicht wüssten, wer die Zeichnung angefertigt habe.

Der Mann kehrte zum Chason Isch zurück und berichtete ihm über die Forderung der Ärzte. Darauf antwortete der Chason Isch

«Nun, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dann sage es ihnen.»

  1. 5. Einige Zeit später wurde bei einem Kind ein Gehirntumor festgestellt. Die Ärzte fürchteten, der komplizierte Eingriff könne sein Gehirn dauerhaft schädigen.

Der behandelnde Chirurg war derselbe Arzt, der bereits mit dem Fall der Nierensteine zu tun gehabt hatte. Er fuhr zum Chason Isch und bat ihn um Rat, wie er die Operation durchführen solle.

Der Chason Isch zeichnete ihm einen Weg auf, auf dem er ohne die befürchtete Gefahr operieren konnte.

Rabbi Se’ew berichtete, dass die Mutter das Kind nach seiner Genesung zum Chason Isch brachte. Er hörte, wie die Mutter zum Chason Isch sagte:

«Das ist dein Sohn!»

Quelle: Ma’asseh Isch, Teil III, S. 134.

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Dr. Mosche Harnik, einer der leitenden Chirurgen, berichtete von sich selbst, er sei einmal zum Chason Isch gerufen worden, damit dieser über einen schwierigen operativen Fall entscheide.

Als er auf die Schwierigkeiten des geplanten Eingriffs hinwies, zeigte ihm der Chason Isch in einfachen Worten einen neuen Weg, auf dem sich die Operation ohne diese Schwierigkeiten durchführen liesse.

Quelle: BeMechizat haChason Isch, S. 342.

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Ein Brief des Chason Isch an einen Chirurgen, in dem er den Operationsverlauf aufzeichnet und erklärt, wie der Eingriff auszuführen sei.

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Die Ärzte wunderten sich: Woher besitzt ein Mensch, der niemals Medizin studiert und keinerlei Verbindung zu diesem Fachgebiet gehabt hatte, derart erstaunliche Kenntnisse?
Seine Quelle war die Tora.
Dieser aussergewöhnliche, erhabene Mensch, der «vieler Dinge würdig» geworden war, vermochte mit seiner Beracha selbst scheinbar unabänderliche Verhältnisse zu wenden.
Manchmal widersprach er einer ärztlichen Diagnose und erklärte, die Dinge lägen anders. Schliesslich stellte sich heraus, dass es so war, wie er es gesagt hatte.[359]
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Fussnote [359] «Die Ärzte haben die Erlaubnis nur zu heilen»
1. Der Chason Isch pflegte zu sagen:
«Die Ärzte haben lediglich die Erlaubnis zu heilen. Sie sind nicht befugt, das Leben aufzugeben, die Hoffnung zu nehmen und Ähnliches zu tun.»
Quelle: Ma’asseh Isch, Teil I, S. 138.
Rabbi Schaul Munk erzählte dem Chason Isch von einem «Nadiw / Wohltäter», dem die Ärzte mit Bestimmtheit erklärt hatten, er habe höchstens noch ein halbes Jahr zu leben.
Die Familie bat, dass der Chason Isch, für den Kranken beten solle.
Der Chason Isch fragte Rabbi Schaul:
«Verstehst du etwas von diesen Dingen?»
«Nein.»
«So viel verstehen die Ärzte davon auch», antwortete der Chason Isch.
Die Angehörigen kehrten mit neuer Hoffnung nach Hause zurück. Später stellte sich heraus, dass die Diagnose falsch gewesen war.
Quelle: Ma’asseh Isch, Teil V, S. 158.
2. Als bei einer Frau die Geburt bevorstand, traten verschiedene Komplikationen auf. Die Ärzte erklärten ihr, sie müsse aus Sicherheitsgründen im grösseren Beilinson-Krankenhaus entbinden. Die örtliche Entbindungsklinik in einem Tel Aviver Viertel sei für einen solchen Fall nicht ausreichend ausgestattet.
Ihr Mann suchte den Chason Isch auf und berichtete ihm davon.
«Höre nicht auf die Worte der Ärzte», sagte dieser. «Wenn die Geburt am Schabbat einsetzt, braucht man nicht allzu weit zu fahren.»
Der Mann nahm die Anweisung an.
Als die Ärzte erfuhren, dass die Familie die Frau in die örtliche Klinik bringen wollte, erklärten sie, unter diesen Umständen würden sie nicht die Verantwortung für ihr Leben übernehmen.
Der Mann ging unverzüglich wieder zum Chason Isch und berichtete ihm davon. Dieser spottete von ihren Worten:
«Sie…? Verantwortung…? Übernehmen sie Verantwortung…?»
Die Frau gebar tatsächlich an einem Schabbat. Alles verlief gut und ohne die befürchteten Schwierigkeiten.
Quelle: Pe’er haDor, Teil IV, S. 138.
3. Rabbi Zwi Kagan erzählte, der Chason Isch habe einer Frau entgegen der ärztlichen Empfehlung geraten, auf eine bestimmte Behandlung während der Schwangerschaft zu verzichten.
Er sagte:
«Das ist völlig überflüssig. Die Ärzte neigen dazu, sich über Gebühr in Bereiche einzumischen, in denen es nicht nötig ist.»
Auch hier verlief alles gut.
Quelle: Pe’er haDor, Teil IV, S. 102, Anmerkung 34.
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Sein ganzes Leben bewegte sich in erhabenen geistigen Welten. Aus dieser Höhe brachte er Himmlisches in unsere irdische Welt und wirkte Hilfe und Rettung jenseits des gewöhnlichen Naturverlaufs. Viele Juden durften dadurch die Kraft der Tora und ihrer Gelehrten erkennen und erleben, wie in ihrer Nähe alles einen anderen Verlauf nehmen konnte.

Fortsetzung folgt s.G.w.

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Awraham Jeschajahu Karelitz – der «Chason Isch» (1878–1953)

Rabbi Awraham Jeschajahu Karelitz, bekannt als «Chason Isch» (חזון איש), war einer der bedeutendsten Talmudgelehrten und halachischen Autoritäten des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Kossowa im heutigen Belarus als Sohn des dortigen Rabbiners Rabbi Schmarjahu Jossef Karelitz geboren. Schon früh zeichneten ihn eine aussergewöhnliche Begabung und eine tiefe Hingabe zum Torastudium aus.
Seinen Beinamen erhielt er nach seinem Werk «Chason Isch», dessen erster Band 1911 in Wilna anonym erschien. Das Wort «Isch» (אי״ש) deutet auf seinen Namen Awraham Jeschajahu hin. Seine Schriften zeichnen sich durch analytische Tiefe, eigenständiges Denken und präzise Argumentation aus. Sie behandeln zahlreiche Bereiche des Talmuds und der Halacha.
Der Chason Isch führte ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben und bekleidete nie ein offizielles rabbinisches Amt. Dennoch erkannten führende Gelehrte bereits während seiner Zeit in Litauen seine aussergewöhnliche Grösse an. Er eignete sich auch Kenntnisse in Astronomie, Mathematik, Anatomie und Botanik an, soweit diese für das Verständnis und die Entscheidung halachischer Fragen erforderlich waren.
1933 übersiedelte er nach Erez Israel und liess sich in Bnej Brak nieder. Sein Haus wurde zu einer Anlaufstelle für Rabbiner, Tora-Gelehrte und Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, die seinen Rat und seine Beracha suchten. Ohne ein öffentliches Amt auszuüben, prägte er das religiöse Leben nachhaltig. Insbesondere setzte er sich für die Jeschiwot, die Einhaltung der landwirtschaftlichen Gebote und der Schemitta sowie den Aufbau eines toratreuen Gemeindelebens ein.
Nach der Schoa hatte er wesentlichen Anteil am Wiederaufbau der Tora-Welt in Erez Israel. Seine halachischen Entscheidungen und seine persönliche Fürsorge gaben vielen Überlebenden und jungen Tora-Gelehrten Orientierung und neuen Lebensmut.
Er verfügte über aussergewöhnliche medizinische Kenntnisse, die sich die Ärzte nicht erklären konnten. Voller Staunen fragten sie sich: «Woher besitzt ein Mensch, der niemals Medizin studiert und sich nie mit diesem Fachgebiet beschäftigt hat, ein derart tiefes medizinisches Wissen?»
Zu seinem schriftlichen Vermächtnis gehören die zahlreichen Bände des «Chason Isch» zum Talmud und zur Halacha, das Werk «Emuna uBitachon» über Glauben, G-ttvertrauen und die Arbeit am eigenen Charakter sowie die unter dem Titel «Kowez Igrot» veröffentlichten Briefe.
Der Chason Isch verschied am 15. Cheschwan 5714 / 24. Oktober 1953 in Benej Berak. Sein Einfluss auf die Halacha und die Welt der Jeschiwot reicht bis in die Gegenwart.
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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