Nissan/ Wajikra
Nissan/ Wajikra

Die Bekanntgabe einer Geburt ist nicht ein Moment zur Prahlerei (Paraschat Wa’era 5785)

Mosche wurde von anonymen Eltern geboren, Warum?

Die Bekanntgabe einer Geburt ist nicht ein Moment zur Prahlerei (Paraschat Wa’era 5785)

Mosche wurde von anonymen Eltern geboren, Warum?
Foto: AI Avigail

Wochenabschnitt Paraschat Wa’era: Die Bekanntgabe einer Geburt ist nicht ein Moment zur Prahlerei

Rav Frand zu Paraschat Wa’era 5785 – Beitrag 1

Ergänzungen: S. Weinmann

Weitere Artikel zum Wochenabschnitt , finden Sie hier

In der dieswöchigen Parascha gibt es einen Unterbruch während der Erzählung der Geschichte des Auszugs aus Mizrajim, wo wir eine Aufzählung des Stammbaums (Jichus) von Mosche Rabbejnu finden. Der Passuk sagt uns: “Und Amrom nahm Jochewed, seine Tante, zur Frau, und sie gebar ihm Aharon und Mosche…” (Schemot 6:20).

Rabbi Mosche Feinstein macht eine interessante Betrachtung:

In der letztwöchigen Parascha, wo die Tora über die Geburt von Mosche spricht, steht nur geschrieben: “Und ein Mann kam vom Hause Lewi und heiratete die Tochter von Lewi” (Schemot 2:1). In der letztwöchigen Schilderung waren Mosche Rabbenus Eltern zwei anonyme Personen, deren Namen nicht erwähnt wurde. In der dieswöchigen Parascha haben wir eine ausführliche Schilderung, wer sie waren. Was ist der Unterschied?

Rabbi Mosche Feinstein erklärt, dass wenn ein Kind geboren wird, die Eltern zu Recht stolz sind, dass ihnen ein Baby geboren wurde. In Wirklichkeit jedoch haben die Eltern nichts mehr als ein Bündel von Potenzial geboren.

Ein neues Baby ist etwas Wunderbares. Es ist ein Wunder des Himmels. Es ist jedoch lächerlich, zu diesem Zeitpunkt herumzugehen und zu frohlocken “Ich habe dieses wunderbare Kind geboren”. Bei der Geburt stellt das Kind nur eine Hoffnung zum Wunderbaren dar. Wir wissen nicht, was die Eltern mit diesem Kind und das Kind selbst – mit seinem ganzen Potenzial – tun werden.

Zur Zeit seiner Geburt war Mosche, obwohl er ein sehr spezielles Baby war, nichts mehr als ein Bündel von Potenzial. Achtzig Jahre später jedoch, als er vor Pharao stand, wurde sein Potenzial verwirklicht. Er hatte schon sein Leben riskiert, um einen anderen Juden zu retten, hatte sich seinen Brüdern angeschlossen, um mit ihnen das Joch zu erdulden, hatte die Töchter von Jitro gerettet – er hatte sich zu einem Mosche Rabbejnu (unser Lehrer) ausgereift. Es ist dies, zu einem Zeitpunkt, da die Tora uns sagt, dass die Eltern zurücktreten und stolz auf ihre Errungenschaften sein können. Jetzt können wir das Endprodukt – das Kind – sehen, das durch den Schmerz und das Leiden der Eltern erzeugt wurde.

Viel Aufhebens zur Zeit der Geburt zu machen, ist fehl am Platz. Zu jenem Zeitpunkt ist das Baby nichts anderes, als eine Hoffnung, sein Potenzial zu verwirklichen.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

 

Rabbi Mosche Feinstein (1895 – 1986): Usda (Weissrussland), Ljuban (Russland), New York (USA). Er war ein weltberühmter Rabbiner, eine führende halachische Kapazität, und zu seinen Lebzeiten de facto die höchste rabbinische Autorität (Gadol Hador) der Orthodoxie Nordamerikas. Er war auch der Rosch Jeschiwa der Mesivta Tiferet Jeruschalajim, New York.

An seiner Beerdigung, an der auch – neben vielen anderen – der Satmarer Rebbe Rabbi Mosche Teitelbaum zu den Trauernden sprach, nahmen etwa 300’000 Menschen teil. Rabbi Feinstein genoss ein derart hohes Ansehen, dass der bekannte Rabbi Schlomo Salman Auerbach es ablehnte, zu seinen Ehren zu sprechen. Er sagte: „Wer bin ich, dass ich zu seinen Ehren sprechen könnte? Ich studierte seine Bücher, ich bin sein Schüler.“

Er verfasste unzählige weltberühmte Werke, wie Igrot Mosche (8 Bände halachischer Responsen), Dibrot Mosche, Erklärungen zum Talmud (11 Bände) und Darasch Mosche zum Chumasch, etc.

 

 

____________________________________________________________________________________

Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

_____________________________________________________________________________________

 

Copyright © 2025 by Verein Lema’an Achai / Jüfo-Zentrum.

Zusätzliche Artikel und Online-Schiurim finden Sie auf: www.juefo.ch und www.juefo.com

 

Weiterverteilung ist erlaubt, aber bitte verweisen Sie korrekt auf die Urheber und das Copyright von Autor und Verein Lema’an Achai / Jüfo-Zentrum.

 

Das Jüdische Informationszentrum („Jüfo“) in Zürich erreichen Sie per E-Mail: info@juefo.com für Fragen zu diesen Artikeln und zu Ihrem Judentum

 

Wir benötigen Ihre Hilfe

Der Verein Lema’an Achai ist eine non-profitable Organisation. Unsere Einnahmen rekrutieren sich ausschliesslich von Sponsoren. Deshalb sind wir um jede Spende dankbar.

Accessibility