Zu Tu biSchewat (2. Teil) - Der Monat Schewat (4. Teil)
(Aus Sefer Hatoda’a / Das Jüdische Jahr, bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann)
Einige Vorschriften für die Segenssprüche über Früchte
Da es Sitte ist, viele Früchte am Tu Bischwat zu essen, sollte man sich die Dinim (Vorschriften), über die Segenssprüche wieder vor Augen führen, um jedem Zweifel aus dem Wege zu gehen. Es könnte sonst zu einer Beracha Lewatala, einem Segensspruch, der umsonst ausgesprochen wurde, kommen.
Isst man eine Baumfrucht, sei es während der Mahlzeit oder danach, spricht man über sie 'Bore Peri Ha’Ejz', bevor man sie geniesst. Die Beracha (der Segensspruch) ‘Hamozi', die zu Beginn einer Mahlzeit auf Brot gesagt wird, bezieht sich nicht auf die Frucht, es sei denn, man isst die Frucht mit dem Brot gemeinsam. Isst man die Frucht jedoch gesondert, spricht man den Segensspruch sogar mitten in der Mahlzeit, da in der Regel eine Frucht kein Teil der Hauptmahlzeit ist.
[Anmerkung des Herausgebers: Besteht die Mahlzeit eines Menschen nur aus einem Fruchtsalat (z.B. aus Gesundheitsgründen), dann bezieht sich die Beracha über das Brot auch über den Fruchtsalat, da in diesem Fall der Fruchtsalat die Hauptmahlzeit ist.]
Hat man eine Auswahl an Früchten vor sich, über die dieselbe Beracha gesprochen wird, so sagt man die Beracha über die Frucht, die man am liebsten hat, und diese Beracha bezieht sich dann auch auf die anderen Früchte.
Sind aber unter den Früchten solche dabei, die in der Tora in Bezug auf die 'Lobpreisung des Landes Israel' erwähnt sind - Oliven, Datteln, Trauben, Feigen oder Granatäpfel – so soll man die Beracha auf diese machen, auch wenn man eine andere Frucht persönlich vorzieht.
Hat jemand Früchte vor sich, die in der Tora in Bezug auf die 'Lobpreisung des Landes' erwähnt sind – Kuchen (von Weizen oder Gersten), Oliven, Datteln, Trauben, Feigen und Granatäpfel - ist diejenige Frucht vorzuziehen, die näher zum Wort 'Land' vorkommt. In Dewarim [8, 8] heisst es: 'Ein Land von Weizen und Gerste, und Weintrauben, Feigen und Granatäpfeln, ein Land der Oliven und des Dattelhonigs'. Jede Frucht, die näher bei dem Wort 'Land' steht, hat den Vorzug. Demnach ist folgende Reihenfolge zu beachten: Zuerst ‘Bore Minej Mesonot’: 1. Kuchen von Weizen, 2. Kuchen von Gersten. Dann ‘Bore Peri Ha’Ez’: 3. Oliven, 4. Datteln, 5. Trauben, 6. Feigen, 7. Granatäpfel.
[Anmerkung des Herausgebers: Wenn man auch Wein oder Traubensaft trinkt, so kommt die Beracha von ‘Bore Peri Hagafen’ vor der Beracha über den Kuchen.]
Doch auch die letzte Frucht dieser Liste hat Vorrang vor irgendwelchen anderen Früchten, die nicht Erez Jisrael auszeichnen, z.B. Granatäpfel und Birnen, so spricht man die Beracha auf den Granatapfel.
[Anmerkung des Herausgebers: Bei Baum- und Erdfrüchten, spricht man zuerst die Beracha ‘Bore Peri Ha’Ez’ auf die Baumfrucht, und erst dann ‘Bore Peri Ha’Adama’ auf die Erdfrucht. Jedoch gibt es hier eine Ausnahme: Liebt die Person eine Banane mehr wie einen Apfel, so wird zuerst der Segensspruch über die Banane gesagt.
Alle Segenssprüche kommen vor einer Speise oder Getränke über die ‘Schehakol nihje biDewaro’ gesprochen wird.
Hat man in Sinn Wein und andere Getränke zu trinken, so bezieht sich die Beracha über den Wein auf alle Getränke, die man nachher trinkt! Genau so wie der Segensspruch über Brot alle Speisen, die zu einer Mahlzeit gehören, von einer Beracha befreit, so befreit der Wein (oder Traubensaft) alle anderen Getränke, die man nachher trinkt, von einer Beracha.
Die Reihenfolge ist demnach:
- Brot [Hamozi Lechem min ha’Arez]
- Kuchen oder eine Mehlspeise [Bore Minej Mesonot]
Innerhalb von Kuchen oder einer Mehlspeise, gibt es auch eine Reihenfolge:
a. Mehl von Weizen
b. Mehl von Gersten
c. Mehl von Dinkel
d. Mehl von Roggen
e. Mehl von Hafer - Wein und Traubensaft [Bore Peri Hagafen]
- Oliven [Bore Peri ha’Ez]
- Datteln
- Trauben
- Feigen
- Granatäpfel
- Alle Baumfrüchte
- Alle Erdfrüchte [Bore Peri ha’Adama] [Ausnahme, siehe oben, wenn er die Erdfrucht lieber hat wie die Baumfrucht, dann sagt er den Segensspruch zuerst auf die Erdfrucht]
- Alle weitere Speisen und Getränke [Schehakol nihje BiDewaro]
- Bessamim (wohlduftendes Gewürz) [bore Minej Besssamim[
[Ende der Anmerkung]
Man sagt keine Beracha, weder über Essen noch Trinken, bevor sie serviert wurden. Hat man aber schon eine Beracha gemacht, bevor die Speise serviert wurde, muss man über diese erneut den Segensspruch sprechen, wenn sie serviert wird, denn die vorangegangene Beracha hatte keinen Bezug auf diese Speise. Waren aber Speise und Getränke an einem anderen Ort vorbereitet, und man ist sich beim Sprechen der Beracha bewusst, dass man die Speise oder das Getränk bringen wird, muss man a posteriori keine neue Beracha machen.
Hat man eine Beracha über eine Frucht gemacht und bekommt dann noch eine Frucht derselben Art gebracht, oder eine andere Frucht, für die die gesprochene Beracha gültig ist, muss man keine neue Beracha sagen. Es gibt über diesen Din Meinungsverschiedenheiten, und manche sagen, dass man nur dann keine zweite Beracha sagen muss, wenn die zweite Frucht derselben Gattung wie die erste ist. Deshalb sollte man von vornherein in Sinn haben, dass die erste Beracha auch für alle weiteren Früchte, die dieselbe Beracha haben, gültig ist. Ist man zu Gast geladen, muss man keine neue Beracha machen, sogar wenn verschiedene Früchte nacheinander serviert werden, denn dann verlässt sich der Gast ganz auf die Gutwilligkeit des Gastgebers.
Hat man eine neue Frucht vor sich, die man in dieser Saison noch nicht gegessen hat, fügt man 'Schehechejanu' nach 'Bore Peri Ha’Ez' hinzu, denn die Beracha über die Früchte wird häufiger gesagt und 'Schehechejanu' seltener. Die Regel ist, dass das häufigere vor dem selteneren Vorrang hat. Es gibt eine Ansicht, dass 'Schehechejanu' den Vorrang hat, denn diese Beracha findet ihre Anwendung schon beim Anblick der neuen Frucht, und da diese Verpflichtung vorangeht, sollte man 'Schehechejanu' zuerst sagen.
Hat man die Frucht schon genossen, hat aber 'Schehechejanu' vergessen, kann man dies nicht nachholen.
Die Beracha ‘Schehechejanu’ wird nicht gesprochen, wenn es sich um eine Frucht handelt, die aus der Pfropfung zweier verschiedener Arten hervorgegangen ist, da eine solche Pfropfung von der Tora verboten ist. Jedoch ist der Verzehr einer solchen Frucht erlaubt. [Ein Beispiel ist ‘Grapefruit’.]
Hat man verschiedene Früchte vor sich, auf die man 'Schehechejanu' sagen muss, genügt es, dies einmal zu tun.
Hat man verschiedene Früchte vor sich, und es sind solche dabei, die man in der laufenden Saison schon gegessen hat, und auch eine, über die man 'Schehechejanu' sagen muss, und diese letztere hat auch ausserdem den Vorrang der Beracha [siehe oben], spricht man sowohl die Beracha als auch 'Schehechejanu' über diese, und muss über die anderen keine Beracha mehr sagen. Hat aber eine in dieser Saison schon gegessene Frucht den Vorrang, macht man die Beracha über diese zuerst, und erst beim Essen der neuen Frucht sagt man 'Schehechejanu'. Auch hierüber gibt es verschiedene Ansichten, und manche essen die neue Frucht, die 'Schehechejanu' erfordert, zuerst, auch wenn sie keinen Vorrang hat. Manche haben auch die Gewohnheit, 'Schehechejanu' gleich beim Anblick der neuen Frucht zu sagen, und machen dann die Beracha über die anderen Früchte ihrem Vorrang entsprechend.
Isst man Früchte im Laufe einer gewöhnlichen Mahlzeit, und sagt danach 'Birkat Hamason', das Tischgebet, ist man nicht verpflichtet, eine zusätzliche 'Nach-Beracha' über die Früchte zu sagen. Isst man jedoch Früchte ausserhalb einer Mahlzeit, spricht man die lange Nach-Beracha, die mit 'Al Ha’Ez We'al Peri Ha’Ez' beginnt und mit 'Al Ha’Aretz We'al HaPerot' abschliesst, wenn es sich um die von der Tora erwähnten Früchte handelt. Für die übrigen Früchte sagt man die kleine Nach-Beracha 'Bore Nefaschot'. Wenn man von beiden Sorten gegessen hat [z.B. Trauben und Äpfel], muss man nur die lange Nach-Beracha sagen, da alle gegessenen Baumfrüchte unter dem Begriff von 'Al Ha’Ez We'al Peri Ha’Ez' fallen.
Lobpreis über Erez Jisrael
Da Tu Bischwat uns Anlass gibt, Lob über das Land Israel auszusprechen, ist es angebracht, an diesem Tag einige Worte unserer Weisen zu erwähnen, die dies in vortrefflicher Weise getan haben.
Vorrang vor allem und von allem gepriesen – 'Wir finden immer wieder, dass G"tt denjenigen den Vorrang gibt, die Er liebt. Die Tora, die am meisten geliebt ist, wurde zuallererst geschaffen (vor der Schöpfung der Welt) … Erez Jisrael, das am meisten geliebt ist, wurde vor allen anderen Ländern geschaffen …, denn so steht es in Mischlei [8, 26]: 'Ad lo assa Erez WeChuzot WeRosch Afrot Tewel’ (Bevor Er die Erde und die Flächen erschaffen hatte und die hohen Sandhügel der Welt’).
Erez – das sind die (bewohnte) Länder der Erde
Wechuzot – das sind die Wüsten.
Werosch Afrot Tewel – dies ist Erez Jisrael
Warum wird Erez Jisrael 'Tewel' genannt? Tewel heisst Welt, kann aber auch im Sinne von Tawlin, Gewürz, ausgelegt werden. Erez Jisrael ist mehr als alle anderen Länder mit guten Gewürzen und Wohlgeschmack bedacht. Alle übrigen Länder haben irgendwelche Mängel, doch in Erez Jisrael fehlt nichts. So wie es in Dewarim [8, 9] geschrieben steht: 'Erez ascher Lo BeMiskenut tochal bah Lechem', ein Land, in welchem du nicht mit Beschränktheit Brot essen wirst, in welchem dir nichts fehlen wird (Sifri anfangs Paraschat Ekew).
Das auserwählte Land für das auserwählte Volk, 'Sot Ha’Arez ascher tipol lachem BeNachala', und dies ist das Land, das euch als Erbteil zufallen wird [Bamidbar 34, 2]. G"tt hatte gesagt: 'Mein ist das Land … Und Israel ist Mein … Es ist am besten, wenn Ich Mein Land Meinen Dienern zuteil lassen werde' (Midrasch Bamidbar Rabba, Paraschat Mass’ej).
Es steht geschrieben: 'Ki bachar Haschem BeZion, iwah LeMoschaw lo', denn G"tt hat Zion erwählt. Er hat es sich zum Wohnsitz gewünscht [Tehillim/Psalm 132, 13]. Ein Land, in dem Milch und Honig fliesst, ein Land von Flüssen, Wasserquellen und Tiefen, die aus Berg und Tal herausfliessen, ein Land von Weizen, Gerste, Wein und Feigen ... Nichts wird dir in ihm fehlen; es ist ein Land, dessen Gestein Eisen ist, und aus dessen Bergen du Kupfer graben kannst, ein Land mit Bergen und Tälern, ein Land, von dessen Himmel du Wasser trinken wirst, ein Land, für das G"tt, dein G"tt, Sorge trägt. Vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende sind immer G"ttes Augen auf dieses gerichtet – wie ein König, der einen seiner Söhne am meisten liebt, der einen Weinberg besitzt, den er allen anderen vorzieht und der sagt: Ich werde den erwählten Weinberg meinem erwählten Sohn geben. So ist auch Israel von allen anderen Völkern auserwählt, und Erez Jisrael von allen anderen Ländern. So sollen nun die Auserwählten auch den auserwählten Erbteil erhalten.
Dieses Land gleicht nicht anderen Ländern. Alle anderen Länder können nicht immer die Bedürfnisse ihrer Bewohner erfüllen, so wie es sich natürlicherweise ergibt. Anders ist es mit Erez Jisrael, denn wenn es gesegnet ist, ist sein Ertrag reich, unabhängig wie gross die Aussaat war. Auch wenn die Menge der Nahrungsmittel beschränkt ist, kann sie mit G"ttes Segen für alle ausreichend sein. Erhält das Land aber nicht den Segen G"ttes, so gibt das Land seine Schätze nicht her, auch wenn alle natürlichen Mittel angewandt werden. Denn nicht von Arbeitskraft und Mühe allein hängt dies ab, sondern 'Et HaBeracha ascher tischme'u el Mizwot Haschem Elokejchem', der Segen besteht darin, dass ihr auf G"ttes Gebote hören werdet, und der Fluch kommt, wenn ihr nicht hört' (Dewarim 11, 27-28).
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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