Aw / Paraschat Re’eh
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Der Monat Elul – Die Kraft der Teschuwa (Monat Elul 5786)

Die gewaltige Kraft der Teschuwa eines einzelnen Menschen!

Der Monat Elul – Die Kraft der Teschuwa (Monat Elul 5786)

Die gewaltige Kraft der Teschuwa eines einzelnen Menschen!

Der Monat Elul – Die Kraft der Teschuwa

Rabbi Jehuda Prero zum Monat Elul 5786

Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann

Der Monat Elul, der letzte Monat des jüdischen Jahres, ist die Zeit der Vorbereitung auf die Hohen Feiertage. An Rosch Haschana und Jom Kippur richtet der Ewige die ganze Welt. Deshalb bemühen wir uns in diesen Wochen, unsere Fehler zu erkennen, unser Verhalten zu verbessern und aufrichtig Teschuwa zu machen – zu G-tt zurückzukehren. So dürfen wir hoffen, am Tag des Gerichts Gnade vor Ihm zu finden und für ein gutes Jahr eingeschrieben zu werden.

Der Talmud lehrt (Traktat Joma 86b):

Rabbi Meir sagte: „Gross ist die Kraft der Teschuwa; denn um eines einzigen Menschen willen, der aufrichtig zu G’tt zurückkehrt, wird der ganzen Welt vergeben.“

Als Beleg führt der Talmud den Vers aus dem Propheten Hoschea an:

„Ich will ihre Abkehr heilen, ich will sie aus freier Liebe lieben; denn Mein Zorn hat sich von ihm abgewandt.“ (Hoschea 14,5)

Der Talmud weist auf die ungewöhnliche Formulierung hin: Der Vers beginnt in der Mehrzahl – „ihre Abkehr“ –, endet jedoch in der Einzahl – „von ihm“. Daraus leitet Rabbi Meir ab, dass die aufrichtige Teschuwa eines einzelnen Menschen der ganzen Welt Vergebung bringen kann.

Wie kann die Umkehr eines einzigen Menschen eine so weitreichende Wirkung entfalten? Weshalb besitzt die Teschuwa des Einzelnen die Kraft, das Schicksal der ganzen Welt zu beeinflussen?

Der Maharscha erklärt dies anhand einer anderen talmudischen Aussage (Kidduschin 40b): Jeder Mensch soll sich vorstellen, dass seine guten und schlechten Taten genau im Gleichgewicht stehen. Erfüllt er auch nur eine einzige Mizwa, neigt sich die Waage zu seinen Gunsten, und er wird günstig beurteilt.

Dasselbe gilt für die ganze Welt. Man soll sich vorstellen, dass die Verdienste und Verfehlungen der gesamten Menschheit ebenfalls genau im Gleichgewicht stehen. Eine einzige Mizwa eines einzigen Menschen kann daher den Ausschlag geben und die ganze Welt auf die Seite des Verdienstes bringen. Umgekehrt – G’tt behüte – kann auch eine einzige Verfehlung das Gleichgewicht zugunsten der Schuld verschieben. Darin liegt die grosse Verantwortung, aber auch die unermessliche Bedeutung jeder einzelnen Tat.

Wie hängt dies mit der Teschuwa zusammen?

Unsere Weisen lehren (Joma 86b), dass die vorsätzlichen Verfehlungen eines Menschen, der aus Liebe zu G’tt aufrichtig Teschuwa macht, in Verdienste verwandelt werden. Dadurch verändert sich die geistige Bilanz nicht nur für ihn selbst, sondern – nach dem Grundsatz des Maharscha – auch für die gesamte Welt. Was zuvor auf der Seite der Schuld stand, wird nun der Seite des Verdienstes zugerechnet.

So besitzt jeder Mensch die Möglichkeit, durch seine aufrichtige Rückkehr zu G’tt das Schicksal der ganzen Menschheit zum Guten zu beeinflussen. Darin offenbart sich die aussergewöhnliche Kraft der Teschuwa: Die ehrliche Umkehr eines Einzelnen kann zum Segen für die gesamte Welt werden.

Der Anaf Josef erklärt diesen Gedanken auf andere Weise.

Zur Teschuwa gehören verschiedene Elemente: das Ablassen von der Sünde, aufrichtige Reue, das Bekenntnis der Sünden (Widduj), der feste Entschluss, nicht mehr zu sündigen, sowie Gebet, Fasten und Tränen.

Wenn sich ein Mensch G’tt mit ganzem Herzen zuwendet und ernsthaft zu Ihm zurückkehrt, wird das strenge g-ttliche Gericht gemildert. An die Stelle des Attributs der Gerechtigkeit (Midat ha-Din) tritt das Attribut des g-ttlichen Erbarmens (Midat ha-Rachamim).

Wird die Welt mit Barmherzigkeit gerichtet, nimmt G-tt auch die Teschuwa (Rückkehr) vieler anderer Menschen an, selbst wenn diese noch nicht vollkommen ist. Oft genügen dann bereits ein ehrliches Sündenbekenntnis und der aufrichtige Wille zur Besserung. So bewirkt die vollkommene Teschuwa eines Einzelnen, dass die gesamte Welt mit mehr Erbarmen betrachtet wird.

Vor diesem Hintergrund erhält auch der Zusammenhang der Verse im Buch Hoschea eine tiefere Bedeutung. Das Kapitel beginnt mit dem Aufruf:

„Kehre zurück, Israel, zum Ewigen, deinem G-tt; denn du bist durch deine Schuld zu Fall gekommen.“ (Hoschea 14,2)

Der Prophet fordert Israel auf, mit ganzem Herzen zu G-tt zurückzukehren. Anschliessend heisst es:

„Nehmt Worte mit euch und kehrt zum Ewigen zurück. Sprecht zu Ihm: Vergib alle Schuld und nimm das Gute an; dann wollen wir die Opfer unserer Lippen darbringen.“ (Hoschea 14,3)

Schliesslich folgt die göttliche Verheissung:

„Ich will ihre Abkehr heilen, ich will sie aus freier Liebe lieben; denn Mein Zorn hat sich von ihnen abgewandt.“ (Hoschea 14,5)

Gerade weil der Zorn G-ttes durch die aufrichtige Teschuwa beseitigt wird, kann Sein Erbarmen die Welt umfassen und vielen Menschen Vergebung schenken.

Der Monat Elul erinnert uns daran, dass jeder Mensch Verantwortung für die ganze Welt trägt. Keine gute Tat und keine aufrichtige Rückkehr zu G-tt bleibt ohne Wirkung. Vielleicht vermag gerade unsere eigene Teschuwa den Ausschlag zu geben und das Urteil für uns selbst, für das jüdische Volk und für die ganze Welt zum Guten zu wenden.

Möge jeder von uns in diesem Elul die Kraft finden, durch aufrichtige Teschuwa die Welt ein wenig besser zu machen.

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Quellen und Persönlichkeiten:

Der Maharscha

Maharscha – Akronym für Rabbi Schmuel Elieser Halevi Edels (1555–1631). Seine Mutter war eine Cousine des berühmten Maharal von Prag.

Der Maharscha zählt zu den bedeutendsten Talmudgelehrten des frühen 17. Jahrhunderts. Seine Kommentare zum Babylonischen Talmud gehören zu den Klassikern der talmudischen Literatur und geniessen bis heute höchstes Ansehen. Sie sind in nahezu allen gedruckten Talmudausgaben abgedruckt und bilden einen unverzichtbaren Bestandteil des traditionellen Talmudstudiums.

Er wirkte zunächst als Rabbiner in Chelm (bei Lublin), später in Lublin und schliesslich in Ostroh (hebräisch: Ostroha / Königreich Polen-Litauen – heute Ukraine), wo er eine bedeutende Jeschiwa leitete. Sein Hauptwerk gliedert sich in Chidduschej Halachot, das sich vor allem mit den talmudischen Diskussionen befasst, und Chidduschej Aggadot, das die erzählerischen und ethischen Abschnitte des Talmuds erklärt.

Der Name Maharscha ist bis heute untrennbar mit dem vertieften Studium des Talmuds verbunden und wird von Generationen von Toragelehrten mit grösster Wertschätzung zitiert.

Anaf Josef

Der Anaf Josef ist ein klassischer Kommentar zum Ejn Jaakow, der Sammlung aller Aggadot (nicht-halachischen Abschnitte) des Babylonischen Talmuds.

Der Autor ist: Rabbi Chanoch Sundel ben Josef (von Białystok; 19. Jahrhundert, gest. 5627 / 1867).

Er verfasste mehrere bekannte Kommentare, darunter:

  • Anaf Josef – Kommentar zum Ejn Jaakow.
  • Ez Josef – Kommentar zum Midrasch Rabba.
  • Weitere Kommentare zu Midraschim und Aggadot.

Der Anaf Josef zeichnet sich dadurch aus, dass er schwierige Aggadot verständlich erklärt und sie häufig mit den Kommentaren von Raschi, dem Maharal, dem Maharscha und anderen klassischen Gelehrten verbindet. Sein Werk gehört zu den meistbenutzten Kommentaren zum Ejn Jaakow und ist in vielen Ausgaben mit abgedruckt.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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