Cheschwan / Paraschat Chaje Sara

Jüdische Lebensbilder

Zur Jahrzeit des «Chason Isch», am 15. Marcheschwan (2. Teil)

Aus dem Werk «Sefer Maran haChason Isch» von Rav Menachem Mendel Plato, Kapitel 63 Und Kuntras Be’er haGan, Rav Naftali Gross, Benej Berak

04.11.2026

Jüdisches Jahr: 5787

Foto: AI Avigail
Zur Jahrzeit des 'Chason Isch' - am 15. Marcheschwan (2. Teil)
Rabbi Awraham Jeschajahu Karelitz (1878–1953), der «Chason Isch», verschied am 15. Marcheschwan 5714 / 24. Oktober 1953

Segen und Rat….

Scharen von Menschen suchten sein Haus auf. Sie baten um die Beracha dieses geistigen Wegweisers, dieses Vaters und treuen Hirten Israels. Viele legten ihm die Namen ihrer Kranken vor, damit er für sie bete und sie segne.[360]

Fussnote [360]: Das erste «Kwittel» – der Chason Isch und die Mesusot

In Benej Berak lebte ein betagter Chassid namens Reb Mosche Aharon Baum. Er gehörte zu den noch lebenden älteren Chassidim des Alexander Rebben in Polen. Einst hatte er sich beim «Jissmach Jisrael» von Alexander, der 1910 verschied, sowie bei weiteren bedeutenden Rebbes und Tora-Gelehrten Polens geistig stärken dürfen. Auch hatte er das Verdienst, den Chafez Chajim bei dessen Durchreise durch seine Stadt in seinem Haus zu beherbergen.

Noch vor dem Krieg war Reb Mosche Aharon nach Erez Jisrael gekommen und hatte sich in Benej Berak niedergelassen. Die chassidischen Höfe, mit denen er verbunden gewesen war, befanden sich damals alle noch in Europa. Als ihn eine dringende Frage wegen einer komplizierten Operation beschäftigte, beschloss er, den Chason Isch um Rat zu bitten, der ebenfalls vor dem Krieg nach Erez Jisrael übersiedelt war und in Benej Berak wohnte.

Eine schwerkranke Verwandte in Paris hatte sich an ihn gewandt. Die Ärzte hatten ihr zu einer Operation geraten und zugleich erklärt, sie habe keinerlei Aussicht, jemals Kinder zu bekommen.

Reb Mosche Aharon begab sich zum Chason Isch, um für sie Rat und eine Beracha zu erbitten. Nach chassidischem Brauch schrieb er das Anliegen auf einen «Kwittel» – einen Bittzettel – und reichte ihn dem Chason Isch.

Dieser fragte:

«Wollt Ihr etwa aus mir einen polnischen ‹Guten Jid› machen?»

«Guter Jid» – wörtlich «guter Jude» – ist eine traditionelle chassidische Bezeichnung für einen Rebbe.

Reb Mosche Aharon erwiderte:

«In Polen lebte einst ein grosser Wundertäter, Raw Jechiel Me’ir von Gostynin. (Raw Jechiel Me’ir Lipszyc von Gostynin (1816–1888), bekannt als der «Gute Jid von Gostynin» oder der «Tehillim-Jid», war ein bedeutender chassidischer Zaddik). Leute, die Hilfe und Rettung benötigten, strömten aus allen Teilen des Landes zu ihm. Nach seinem Hinscheiden begannen zahlreiche Chassidim, Raw Jehoschua von Kutna aufzusuchen. Auch er nahm ihre Kwittlech entgegen und bewirkte Wunder. (Raw Jisrael Jehoschua Trunk von Kutna (1820–1893) gehörte zu den führenden halachischen Autoritäten Polens und amtierte von 1861 bis zu seinem Ableben als Rabbiner von Kutna).

Ich war ein Chassid des ‹Jissmach Jisrael› von Alexander. Als man meinem Rebben davon erzählte, sagte er: «Dies ist ein unumstösslicher Beweis dafür, dass man durch die Kraft der Tora Kwittlech lesen und Wunder bewirken kann.»

«Wenn Raw Jehoschua von Kutna dies vermochte, dann könnt Ihr es ebenfalls.»

Der Chason Isch hörte schweigend zu. Nach einigen Augenblicken nahm er das Kwittel entgegen. Bevor er auf das Anliegen einging, sagte er:

«Reb Mosche Aharon, setzt Euch bitte!»

Dieser antwortete:

«Bei uns Chassidim pflegte man vor dem Rebben zu stehen. So finden wir es auch bei den Urim weTumim: Der Fragende musste stehen.»

(Die Urim weTumim waren eine Schrift mit dem heiligen Namen G-ttes, die zwischen den beiden Stofflagen des Choschen, des Brustschilds des Kohen Gadol, lag. Durch sie erhielt man in wichtigen Angelegenheiten des jüdischen Volkes eine g-ttliche Antwort).

Da lächelte der Chason Isch, erhob sich ebenfalls und bemerkte:

«Auch derjenige, dem die Frage gestellt wurde – der Kohen Gadol –, musste stehen.»

Der Chason Isch las das Kwittel und vertiefte sich in das Anliegen. Sein Gesicht rötete sich. Er schwieg und blieb eine Weile völlig in Gedanken versunken. Schliesslich sagte er:

«Die Operation soll nicht durchgeführt werden. Sie wird noch mit lebensfähigen Nachkommen gesegnet werden. Geht zu Raw Nachman, dem berühmten Sofer in Jeruschalajim, und kauft bei ihm zehn besonders sorgfältig geschriebene, koschere Mesusot. Damit soll sie sämtliche Mesusot an den Eingängen ihres Hauses ersetzen.»

Von diesem Tag an nahm der Chason Isch bis zu seinem Lebensende Kwittlech entgegen!

Reb Mosche Aharon schloss seine Erzählung mit den Worten:

«Ich befolgte seinen Rat, und nicht eines seiner Worte blieb unerfüllt. Selbst die von ihm genannte Zahl zehn entsprach genau der Anzahl der Türen in der weit entfernten Wohnung in Paris.»

Innerhalb eines Jahres wurde die Frau mit einem Sohn gesegnet. Als man dem Chason Isch die freudige Nachricht überbrachte, sagte er:

«Das war nicht ich – es waren die Mesusot.»

Die Kwittlech, die er erhielt, liess der Chason Isch niemals in den Abfall werfen.

«‹Jidische Zures› – jüdische Sorgen und Nöte – wirft man nicht weg», pflegte er zu sagen.

Nach seinem Hinscheiden fand man auf seinem Dachboden ganze Säcke voller Kwittlech.

Quellen: Pe’er haDor, Teil IV, S. 108–110; Be’er haGan, Ausgabe 3.

Ein anderes Mal kam ein Ehepaar aus dem Ausland zum Chason Isch. Die beiden waren seit vielen Jahren verheiratet und warteten noch immer auf Kinder. Sie baten ihn um eine Beracha. Er wies sie an, ihre Mesusot auszuwechseln. Doch auch danach blieb ihr Kinderwunsch zunächst unerfüllt.

Als sie sich erneut an ihn wandten, sandte er ihnen Mesusot, die ein ihm gut bekannter Sofer geschrieben hatte. Nachdem sie diese an den Türen ihres Hauses angebracht hatten, wurden sie mit einem Sohn gesegnet – dem Kind, auf das sie so viele Jahre gewartet hatten.

Quelle: BeSeter haMadrega, S. 70.

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Der Chason Isch betrachtete das Kwittel, den man ihm überreichte, und sprach aus der Tiefe seines reinen Herzens eine Beracha aus. Die Beracha dieses Zaddiks wirkte auf wunderbare und geradezu Himmlische Weise. [361]

Fussnote [361]: Gebet und Beracha

Rabbi Me’ir Greineman erzählte, dass der Chason Isch gewöhnlich für jeden betete und jeden segnete, der ihn um Rat oder eine Beracha bat.

In bestimmten Fällen hielt er sich jedoch zurück. Dazu gehörte etwa die Bitte eines Prozessbeteiligten um eine Beracha, im Rechtsstreit zu gewinnen. Denn der Ausgang einer solchen Angelegenheit hing vom Urteil des Bejt Din – des rabbinischen Gerichtshofs – ab.

Ebenso hielt er sich zurück, wenn jemand um eine Beracha für einen Schidduch bat, bei dem Zweifel bestanden, ob die Taharat haMischpacha – die Vorschriften der Familienreinheit – eingehalten würden. Auch einem Händler, der sittlich bedenkliche Bücher verkaufte, oder jemandem, der solche Bücher las, gab er keine Beracha.

Als ein ihm nahestehender Mann um eine Beracha bat, dass seine Mutter ein Einreisevisum erhalten möge, lehnte er dies ebenfalls ab. Er begründete es damit, dass dadurch möglicherweise einem anderen ein Nachteil entstehen könnte – «Chaw laAcherim» –, da der Vater allein zurückbleiben würde.

Manchmal sagte der Chason Isch zu einem Vater, der eine Beracha für seinen Sohn erbat:

«Das Gebet eines Vaters für seinen Sohn ist stärker als das eines anderen.»

Dennoch betete auch der Chason Isch für den Sohn, nachdem der Vater gegangen war.

Quellen: Ma’asseh Isch, Teil I, S. 201; Pe’er haDor, Teil IV, S. 32.

Ein Vater bat den Chason Isch um eine Beracha, dass er bei der Erziehung seiner Kinder Erfolg haben möge.

Der Chason Isch antwortete:

«Zum Chafez Chajim kam einmal ein Mann, mit der Bitte, dass er bei der Erziehung seiner Kinder Erfolg haben möge. «Mit einer Beracha willst du die Kinder erziehen? Verkaufe das Kissen unter deinem Kopf und stelle ihnen für den Erlös einen g-ttesfürchtigen Lehrer an. Dann wirst du in ihrer Erziehung Erfolg haben…»

Quelle: Pe’er haDor, Teil II, S. 210.

Rabbi Ja’akow Edelstein erzählte, ein Mann habe den Chason Isch um eine Beracha gebeten, dass sein Jezer haRa (böser Trieb) von ihm weichen möge.

Dieser erwiderte:

«Möchtest du tot sein? Wer keinen Jezer haRa mehr hat, ist bereits tot. Unsere Aufgabe ist es, Haschem mit allen Trieben und Schwierigkeiten zu dienen.»

Quelle: Be’Ikwej haMo’adim, S. 184.

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In zahlreichen Fällen hatten die Ärzte jede Hoffnung aufgegeben und erklärt, es gebe keine Aussicht auf Genesung mehr.[362] Doch nach der Beracha und dem Gebet des Chason Isch wandte sich alles zum Guten [363]

Kranke wurden gesund, und Frauen, denen man gesagt hatte, sie könnten keine Kinder bekommen, durften mit Kindern gesegnet werden.[364]

Fussnote [362] «Er soll Tefillin legen»

Ein zwölfjähriger Junge aus einer nichtreligiösen Familie war erkrankt. Die Ärzte hatten jede Hoffnung auf Genesung aufgegeben.

Einer von ihnen sagte zur Mutter:

«Wenn Sie wirklich Mitleid mit Ihrem Kind haben, dann fahren Sie zum Chason Isch nach Benej Berak.»

Die Eltern eilten zum Chason Isch. Die Mutter bat weinend, er möge ihr Kind segnen.

Er fragte nach dem Namen.

«Chajim», antwortete sie.

«Chajim wird leben», sagte der Chason Isch. «Doch ich bitte um etwas: Wenn das Kind dreizehn Jahre alt wird, soll es täglich Tefillin legen.»

Die Mutter versprach es und kehrte ins Krankenhaus zurück. Dort erfuhr sie, dass sich sein Zustand gebessert hatte. Innerhalb weniger Tage erholte sich das Kind und kehrte zu Kräften zurück.

Als es dreizehn Jahre alt wurde, begann es, Tefillin zu legen. Es blieb nicht dabei: Durch dieses Erlebnis fand auch der Vater zurück zum Weg der Tora und der Mizwot.

Quelle: Pe’er haDor, Teil IV, S. 131.

Fussnote [363]: «Ich versichere dir, dass das Kind gesund wird»

Ein etwa anderthalbjähriges Kind litt an einer schweren Lungenentzündung. Seine Mutter wich kaum von seinem Bett.

Als sie eines Tages ins Krankenhaus kam, sah sie, wie man ihr Kind aus dem Zimmer auf den Flur hinausschob. Besorgt fragte sie die Ärzte nach dem Grund.

Ein Arzt erklärte ihr, für das Kind bestehe keine Hoffnung mehr. Die Entzündung habe inzwischen auch die zweite Lunge ergriffen.

Penizillin stand damals noch nicht zur Verfügung. Nach Einschätzung der Ärzte gab es für einen Kranken in diesem Zustand keine Rettung mehr.

Die Mutter brach in bitteres Weinen aus. Sie nahm einen Bus und eilte zum Chason Isch. Dort schilderte sie den verzweifelten Zustand ihres kleinen Sohnes.

«G-tt wird helfen», sagte der Chason Isch.

Doch sie wollte nicht gehen. Sie erklärte, sie werde erst aufbrechen, wenn sie die ausdrückliche Zusicherung erhalte, dass ihr Sohn gesund nach Hause zurückkehren werde.

Der Chason Isch begann, ernst und in Gedanken versunken im Zimmer auf und ab zu gehen. Nach einiger Zeit sagte er:

«Ich versichere dir, dass das Kind gesund wird.»

Daraufhin ging die Mutter. Bald darauf erreichte sie die Nachricht aus dem Krankenhaus, der Zustand ihres Sohnes habe sich auf unerklärliche Weise deutlich gebessert. Einige Tage später durfte sie ihn nach Hause bringen.

Quelle: Lekach Tow – Laschzinsky, S. 58.

Fussnote [364]: «Nimm diese Tabletten …»

Eine Enkelin eines der grossen Jerusalemer Gelehrten war seit mehreren Jahren verheiratet, ohne Kinder zu haben.

Ihr Vater beschloss, mit ihr zum Chason Isch zu fahren und seine Beracha zu erbitten.

Sie schilderten ihm ihre Sorge. Der Chason Isch öffnete eine Schublade, nahm einige Kaliumtabletten heraus und sagte zu ihr:

«Nimm diese Tabletten, und mit G-ttes Hilfe wirst du Kinder haben.»

Das erschien ihnen sehr merkwürdig. Welcher Zusammenhang bestand zwischen diesen Tabletten und ihrem unerfüllten Kinderwunsch?

Bereits auf dem Heimweg sagte die Frau, der es an Emunat Chachamim – Vertrauen in die Tora-Gelehrten – fehlte, unwillig zu ihrem Vater:

«Wozu hast du mich zum Chason Isch gebracht? Um solche Tabletten zu bekommen? Wenn die besten Ärzte mir nicht helfen konnten, was sollen dann diese Tabletten bewirken?»

Trotz des eindringlichen Flehens ihres Vaters weigerte sie sich, die Tabletten einzunehmen.

Einige Monate später suchten Vater und Tochter den Chason Isch erneut auf, um eine Beracha zu erbitten.

Noch während sie in der Tür standen, wandte er sich ihnen zu und fragte:

«Hat sie die Tabletten eingenommen, die ich ihr gegeben habe?»

Als sie dies verneinte, öffnete der Chason Isch die Schublade, nahm erneut Tabletten heraus und sagte:

«Es ist nichts zu machen, solange sie diese Tabletten nicht einnimmt…»

Der Vater erklärte seiner Tochter nochmals, dass nicht die Tabletten die Heilung bewirkten, sondern die Beracha des Chason Isch.

Schliesslich liess sie sich überzeugen und nahm die Tabletten ein. Bald darauf wurde sie mit einem Kind gesegnet.

Quelle: Darasch beChochma, S. 747.

 

Vom Chason Isch eigenhändig notierte Namen von Kranken, für die er beten wollte.

 

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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