Tischri/ Rosch Haschana
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Zur Jahrzeit des Chafez Chajim am 24. Elul – 2. Teil

Lehrreiche Geschichten über den Chafez Chajim – 2. Teil

Zur Jahrzeit des Chafez Chajim am 24. Elul – 2. Teil

Lehrreiche Geschichten über den Chafez Chajim – 2. Teil
Foto: AI Avigail

Zur Jahrzeit des Chafez Chajim am 24. Elul – 2. Teil

Der Chafez Chajim verschied am 24. Elul 5693 / 15. September 1933 in Radin.

Aus der Beilage des Hamodia, 22. Elul 5766 / 15. September 2006, Seiten 14-15
Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann

1. Wie der Chafez Chajim einen Juden zum Judentum zurückführte

In Radin, der Stadt des Chafez Chajim, gab es eine Apotheke. Der Apotheker war ein Atheist, der mit dem Judentum nichts zu tun haben wollte und sich zudem sehr unfreundlich verhielt. Eines Tages überlegte der Chafez Chajim, wie er diesen Mann der Erfüllung seiner Pflichten als Jude näherbringen könnte.
Mitten am Tag betrat der Chafez Chajim die Apotheke. Viele Menschen warteten darauf, ihre Arzneien zu erhalten, während der Apotheker ganz von der Bedienung seiner Kunden in Anspruch genommen war.
Der Chafez Chajim trat auf ihn zu, umarmte und küsste ihn herzlich und begann, ihn mit Lob und Anerkennung zu überschütten:

„Wie sehr kann man dich um deinen Anteil an der zukünftigen Welt beneiden! Wie glücklich du bist und wie viele Verdienste du dir erwirbst! Du rettest doch Hunderte von Menschen vor dem Tod. Ohne deine Medikamente würden sie gewiss an ihren Krankheiten sterben; du aber rettest mit deinen eigenen Händen so viele Menschenleben! Wie viele Mizwot der Wohltätigkeit erfüllst du mit jedem einzelnen Tropfen Medizin! Du bist wahrhaftig beneidenswert!“

Der Apotheker, der von jedem Funken jüdischer Heiligkeit weit entfernt war, wurde von den Worten des Chafez Chajim, die tief in sein Herz drangen, sehr ergriffen. Er fragte:
„Was ist daran so besonders? Das ist doch lediglich mein Beruf und mein Lebensunterhalt, und ich werde dafür gebührend bezahlt!“
Der Chafez Chajim entgegnete:
„Gewiss erhältst du dafür Geld, und du musst auch Geld erhalten, denn schliesslich ist dies dein Lebensunterhalt, und du musst von etwas leben. Dennoch kannst du deine Arbeit mit dem Gedanken verbinden, dass du damit Menschenleben rettest. Dann erfüllst du mit jeder einzelnen Tätigkeit die Mizwa, Menschenleben zu retten. Dass du dafür bezahlt wirst, steht dazu keineswegs im Widerspruch. Weshalb solltest du also auf einen solchen Verdienst verzichten?“

Damit beendete der Chafez Chajim seine Worte und verliess die Apotheke.
Seine Worte waren jedoch tief in das Herz des Apothekers eingedrungen und rüttelten ihn allmählich aus seinem geistigen Schlaf auf. Er begann, sein Verhalten zu ändern und seine Arbeit mit einer neuen inneren Einstellung auszuführen. Von nun an begegnete er den Menschen freundlicher, kümmerte sich aufmerksamer um die Bedürfnisse seiner Kunden und erklärte ihnen genauer, wie die Medikamente zuzubereiten und anzuwenden seien. Seine Aufgabe erfüllte er fortan mit dem Bewusstsein, dadurch Menschenleben zu retten.

Nach und nach beeinflussten diese guten Taten auch ihn selbst. Er begann nachzudenken:
„Ist dies denn die einzige Mizwa, die es gibt? Ich habe doch als Junge gelernt, dass es noch viele weitere Mizwot gibt, wie beispielsweise das Legen der Tefillin.“
So begann er, Tefillin zu legen, und nach und nach erfüllte er immer weitere Mizwot, bis er schliesslich zu einem vollkommen thoratreuen Juden – einem Ba’al Teschuwa – wurde, der die leichten wie die schweren Gebote gewissenhaft einhielt.

Quelle: Rabbi Schalom Mordechai HaKohen Schwadron, „Haggadat Rabbi Schalom“, Jerusalem 5767, S. 26.

2. Der Angriff der „Po’alej Zion“ auf den Chafez Chajim

Aus meiner Jugendzeit erinnere ich mich an eine Begebenheit, die sich gegen Ende des Lebens des Chafez Chajim זצ״ל in Radin ereignete. Damals versetzte sie die gesamte charedische Welt in Aufruhr und wurde zum allgemeinen Gesprächsthema.

In Radin gab es eine Gruppe von Menschen, die das Joch der Tora abgeworfen hatten und sich „Po’alej Zion“ nannten. Sie hatten sich zusammengeschlossen und gaben eine Zeitschrift heraus, in der sie ihre ketzerischen Ansichten verbreiteten.
Eine Gruppe von Schülern der Jeschiwa von Radin beschloss, gegen sie vorzugehen, und beriet darüber, wie man ihnen entschieden entgegentreten könne.

Als eines Tages eine neue Ausgabe der Zeitschrift verbreitet werden sollte, kamen die Bachurim ihrer Verteilung zuvor. Spät in der Nacht stiegen sie durch das Fenster der Druckerei ein, räumten das gesamte bereits gedruckte Material heraus und brachten es „ehrenvoll“ zum Ofen hinter dem Gebäude der Jeschiwa von Radin. Dort verbrannten sie mithilfe einiger Holzscheite sämtliche Exemplare.
Bei all ihrem guten Willen und ihrer lobenswerten Geschicklichkeit hatten die Bachurim jedoch eine grundlegende Regel vergessen: Man darf keine Spuren zurücklassen.

Als die Mitglieder der „Po’alej Zion“ am folgenden Tag sahen, was man ihrem „ehrenwerten Werk“ angetan hatte, eilten sie sogleich zu der von ihnen verdächtigten Adresse – zu den Jeschiwa-Bachurim. Als sie den Ofen öffneten, fanden sie darin noch Überreste. Damit war die Sache aufgedeckt.
Unverzüglich machten sich die Rowdys auf den Weg, um ihren Zorn im Hause des Chafez Chajim auszulassen.
Eine Gruppe Jugendlicher betrat das Haus. Einer von ihnen, ein besonders unverschämter junger Mann, ergriff als Erster das Wort und richtete freche Äusserungen gegen den Chafez Chajim. Noch während seiner Beschimpfungen und Schmähungen verlor er plötzlich vor den Augen aller den Verstand.
In seinem Wahnsinn verliess er das Haus und wanderte bis ans Meeresufer. Dort bestieg er ein Frachtschiff, stürzte sich ins Wasser und ertrank. Damit war die Angelegenheit beendet, doch die ganze Stadt war in Aufruhr.

Die Begebenheit wurde selbstverständlich zum allgemeinen Gesprächsthema. Der eine erklärte sie so, der andere anders.

In der zionistischen Zeitung, die in Warschau unter dem jiddischen Namen „Hajnt“ – zu Deutsch: „Heute“ – erschien, – bei den g-ttesfürchtigen Juden wurde die Zeitung „Hint“ genannt, was auf Jiddisch „Hund“ bedeutet – stellte man daraufhin eine Frage über den Chafez Chajim.  
Hören wir uns einmal die „Frage“ des „Hajnt“ an:
„Der Chafez Chajim hat doch ein Werk über die Gesetze der üblen Nachrede verfasst. Ausserdem weiss jeder, dass er dazu aufruft, seinen Mitmenschen zu lieben. Wie konnte der Chafez Chajim dann diesen Mann verfluchen, er solle wahnsinnig werden und sterben?“

Nach der von ihnen selbst erzählten Geschichte gingen sie also davon aus, dass der Chafez Chajim den Mann verflucht habe und dieser daraufhin wahnsinnig geworden und gestorben sei. Sie waren folglich überzeugt, dass der Heilige, gelobt sei Er, die Worte des Chafez Chajim gehört und erfüllt habe und dass seine Worte im Himmel grosses Gewicht besassen.
Wie konnten sie dann gegen einen solchen Menschen und gegen ein solches Geschehen eine Frage erheben, nachdem es doch eine ausdrückliche Bestätigung vom Himmel erhalten hatte? Wie konnte man eine solche Frage mit tödlichem Ernst abdrucken und überall verbreiten, ohne sich im Geringsten zu schämen? Wie war das möglich?

Offenbar vertraten auch sie jene Methode, nach der jede Frage als logisch gilt, sofern sie nur dazu dient, die Tora anzugreifen.
[Anmerkung des Herausgebers: Leider hat sich diese Vorgehensweise bis heute kaum geändert, wenn es um Menschen geht, die sich dem Toralernen widmen. Tragisch!]

Das Ende der Begebenheit, das für unser eigentliches Thema nicht mehr von Bedeutung ist, war folgendes:
Der Chafez Chajim hörte von ihrer Frage und gab ihnen eine Antwort. Da er bereits alt war, beauftragte er einen jungen Toragelehrten, seine Worte Wort für Wort niederzuschreiben; anschliessend setzte er selbst seine Unterschrift darunter.

In dem Brief, der damals unter den Juden in Erez Jisrael und in der Diaspora verbreitet wurde, stand:
„Was sie behaupten, dass ich ihn verflucht hätte, ist gelogen! Niemals in meinem Leben habe ich einen Juden verflucht!

Dass er jedoch am Ende wahnsinnig wurde und danach aus der Welt verschwand, ist wahr und richtig! Dies geschah, damit die Menschen erkennen und sich fürchten: Mit Jeschiwa-Bachurim darf man sich nicht anlegen!“
Dies waren die Worte des Chafez Chajim זצ״ל. Wie viele bedeutende Lehren lassen sich daraus gewinnen!

Quelle: Rabbi Schalom Mordechai HaKohen Schwadron, „Haggadat Rabbi Schalom“, Jerusalem 5767, S. 26.

3. Man darf nicht „zwei Hähne öffnen“

Ich hörte von meinem Vater und Lehrer, Rabbi Levi Rabinowitz זצ״ל:
Einmal kam ein Mann zum Chafez Chajim. Er erzählte ihm, dass er eine Zeit lang reichlich Geld besessen und deshalb in seinem Haus auf grossem Fuss gelebt habe. Er habe viel Geld für seinen Haushalt und seinen Lebensunterhalt ausgegeben.

Später jedoch habe sich sein Glück gewendet, und er sei arm geworden. Nun besitze er nicht einmal mehr das unbedingt Notwendige, um seine Familie zu ernähren.

Der Chafez Chajim antwortete ihm:
Manchmal gibt der Ewige einem Menschen den ganzen Wohlstand auf einmal, damit er davon über einen langen Zeitraum – mitunter über viele Jahre hinweg – leben kann. Der Mensch muss deshalb darauf achten, das Geld nicht zu verschwenden.“
[Anmerkung des Herausgebers: Ein klassisches Beispiel dafür sind die sieben Jahre des Überflusses in Ägypten, die den sieben Hungerjahren vorausgingen.]

„Wer jedoch nicht auf sein Geld achtet, gleicht einem Weinfass, an dem man zwei Hähne angebracht hat: Dann fliesst der Wein rasch heraus, und das Fass ist bald leer.
Dies ist eine grundlegende Regel in Angelegenheiten des Lebensunterhalts: Der Mensch muss darauf achten, nicht beide Hähne zu öffnen. Da du jedoch alles ausgegeben hast, ist dir nun nichts mehr geblieben.“

Quelle: Hagaon Rabbi Gamliel Rabinowitz Schlita, „Tiv HaTora“, Jerusalem 5764, S. 74 und 134.

4. Worauf soll man bei den Hakafot achten?

Ein Mann fragte den Chafez Chajim, welche Gedanken und Absichten man während der Hakafot an Hoschana Rabba haben solle, wenn man die Bima siebenmal umkreist. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die Hakafot an Simchat Tora.

Der Chafez Chajim antwortete:
„Man soll vor allem darauf achten, seinem Nächsten nicht auf den Fuss zu treten. Wegen des grossen Gedränges könnte es sonst leicht geschehen, dass man jemandem auf den Fuss tritt. Danach wird es schwer festzustellen, auf wessen Fuss man getreten ist und wen man dafür um Verzeihung bitten muss.“
Quelle: Bobower Rebbe, Rabbi Naftali Zwi Halberstamm sZl., „Bejt Zaddikim Ja’amod“, Brooklyn 5764, 2. Teil, S. 177.
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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