Schewat/ Paraschat Beschalach
Schewat/ Paraschat Beschalach

Gedanken zum Baba Sali  

Gedanken zum Baba Sali  

Foto: Wikipedia, Fair use

Gedanken zum Baba Sali  

Geschichten über den Baba Sali

An diesem Donnerstag, den 4. Schewat bzw. 22. Januar 2026, jährt(e) sich der Todestag (die „Jahrzeit“) von Rabbi Jisrael Abuhatzeira – besser bekannt als „Baba Sali“. Er wurde 1889 in Marokko geboren, wanderte 1964 nach Erez Jisrael aus und liess sich ab 1970 in der südlichen Stadt Netiwot nieder, wo er 1984 verstarb. Der Spitzname „Baba Sali“ leitet sich aus dem Arabischen ab und heisst übersetzt „betender Vater“.

Der Baba Sali war ein herausragender Gelehrter und Kabbalist, der übernatürliche Kräfte besass und unzähligen Menschen durch Wunder half. Er unterhielt auch enge Beziehungen zu vielen anderen bedeutenden Thora-Grössen seiner Zeit, insbesondere zum Lubawitscher Rebben, den er einen „Grossen Adler im Himmel“ nannte. Im Folgenden seien einige Geschichten über ihn erzählt.

 

Ein hoffnungsloser Fall

Ein einfacher Arbeiter aus Jerusalem war seit vielen Jahren verheiratet – aber nach wie vor kinderlos. Er war schon zu vielen Ärzten und „Spezialisten“ gegangen, die ihm jedoch allesamt nicht helfen konnten. Im Gegenteil: Ihm wurde immer wieder deutlich gemacht, dass er nicht die geringste Chance hätte, ein Kind zu zeugen! Nach langen Jahren der Verzweiflung, hatte er fast schon auf-gegeben…

Eines Tages hörte er aber von den grossen Wundern, die der Baba Sali bewirkte – und machte sich auf den Weg zu ihm. Mit grossen Erwartungen, nahm er die lange Fahrt von Jerusalem nach Netiwot auf sich. Als er jedoch eintraf, fand er am Eingang eine grosse Schlange von Bittstellern vor, die grösstenteils schon seit Stunden warteten und allesamt vor ihm an der Reihe waren, um einen Segen zu bekommen. Der Mann wartete und wartete…bis er schliesslich dran war.

Er trat in das Zimmer des Baba Sali ein – nervös und niedergeschlagen – und legte dem Rabbi nur einen kleinen Zettel hin, auf dem sein einziger Wunsch ge-schrieben stand: Kinder! Er setzte sich hin und legte den Zettel auf den Tisch des Baba Sali. Der Rabbi hob den Zettel auf, sah ihn kurz an und legte ihn nieder. „Mazaw awud - ein hoffnungsloser Fall“, war alles, was der Rabbi sagte!

Noch bevor der Mann seinen Mund öffnen konnte, um etwas darauf zu antworten, wurde er von den anderen Besuchern hinausgedrängt, um für den nächsten Bittsteller Platz zu machen! Schockiert und mit gebrochenem Herzen, kehrte er nach Hause zurück.

Doch schon am nächsten Tag, als sich die Menschen wieder anstellten, stand er erneut in der Schlange. Abermals wartete er mehrere Stunden lang. Als er endlich reingehen durfte, legte er nochmals seinen Zettel auf den Tisch des Rabbis. Doch schon wieder hörte er die gleiche, niederschmetternde Antwort: „Ein hoffnungs-

loser Fall“! Trotz allem, kam er auch am nächsten Tag wieder – und am darauffolgenden Tag, usw., usf. Jeden einzelnen Tag, wann immer der Baba Sali seine Tür für die Menschen öffnete, stellte er sich an – und wartete oft stundenlang. Nichtsdestotrotz hörte er jedesmal dieselbe Antwort: „Ein hoffnungsloser Fall“...

Nachdem schon fast ein Jahr vergangen war, bekamen die Verwandten des Baba Sali, die im selben Haus wohnten, Mitleid mit dem Mann: „Rabbejnu Jisrael – unser Rabbi Jisrael, dieser arme Kerl kommt schon seit fast einem Jahr zu dir – und jedesmal gibst du ihm die-selbe Antwort. Es ist herzzerreissend – wir können es nicht mehr mitansehen! Warum sagst du ihm nicht endlich, er solle aufhören, hierherzukommen?“ – „Was habt ihr da gesagt? Wie lange kommt er schon hierher?“, erkundigte sich der Rabbi. „Wir haben mitgezählt: Heute ist exakt sein 200. Besuch!“

Der Baba Sali erklärte sich einverstanden, mit ihm zu sprechen. An diesem Nachmittag kam der Mann, wie gewohnt, in das Zimmer herein und legte seinen Zettel auf den Tisch – doch dieses Mal hob ihn der Baba Sali noch nicht einmal mehr auf. „Hör zu, mein Freund“, sagte er in sanftem Ton, „jeden Tag kommst du hierher – und das schon seit geraumer Zeit. Habe ich dir nicht schon längst gesagt, dass es ein hoffnungsloser Fall ist? Was treibt dich dazu, unentwegt zu mir zu kommen? Geh' nach Hause!“

Der Mann richtete seinen Blick empor und sagte fassungslos: Ich komme jeden Tag zu Ihnen – und ich werde auch weiterhin jeden Tag zu Ihnen kommen! Denn ich glaube an die Kraft der Gebete! Und ich glaube daran, dass der Allmächtige Ihre Gebete erhört! Und dass Sie der einzige Mensch auf der ganzen Welt sind, der mir helfen kann!!!“

„Glaubst du das wirklich?“, antwortete der Baba Sali und stand plötzlich von seinem Stuhl auf. „Wenn das so ist…gehe jetzt sofort raus und kaufe einen Kinderwagen!“ Der Mann sprang auf, rannte hinaus und schrie unter Tränen: „Ich habe einen Segen bekommen! Ich habe einen Segen bekommen!“ Noch am selben Abend brachte er seiner Frau einen wunderschönen, nagel-neuen Kinderwagen nach Hause. Neun Monate später hatten sie ein Kind.

 

Der verwundete Soldat

Ein junger israelischer Soldat, der im Kampfeinsatz schwer verletzt worden war, kam im Rollstuhl zum Baba Sali – und erzählte seine Geschichte: „Ich wurde während des Jom-Kippur-Krieges von einer Kugel im Rücken getroffen. Trotz einer Vielzahl schwerer Operationen, bin ich immer noch verkrüppelt und kann nicht aufstehen. Eines meiner Beine ist in einem so schlechten Zustand, dass die Ärzte eine Amputation erwägen! Ein Freund schlug mir vor, dass ich den Rabbi besuchen sollte, der mit seinen Gebeten Wunder bewirken könne. Zuerst wollte ich nicht daran glauben und lehnte es kategorisch ab. In meiner Verzweiflung, habe ich aber schliesslich doch entschieden, es auszu-probieren.“

„Legst du jeden Tag Tefillin?“, fragte der Rabbi.

„Nein.“

„Hältst du den Schabbat ein?“

„Nein.“

„Wenn das so ist", antwortete der Baba Sali, „solltest du dankbar sein, dass nur ein Bein in so einem schlimmen Zustand ist. Unser Glaube besagt, dass uns der Ewige gesunde Gliedmassen gibt, damit wir ihm dienen mögen. Diejenigen Menschen, die keine Mizwot hüten, sollten ihren gesunden Körper als Geschenk ansehen!“

Daraufhin brach der junge Mann in Tränen aus. Der Baba Sali sah ihm in die Augen und fragte: „Wenn ich dich segne, auf dass du wieder aufstehen kannst, wirst du damit beginnen, die Mizwot einzuhalten?“

„Ja“, sagte der junge Mann in eifriger Begierde.

„Dann gib mir deine Hand – und du sollst genesen (eine Refuah Schlema haben).“

Nachdem der Mann die Hand des Rabbis küsste, sagte ihm Rebbezen Abuhatzeira (die Frau des Baba Sali), er solle versuchen, aufzustehen. Zu seiner Überraschung, war er in der Lage, sofort aufzustehen und sogar ein paar Schritte ohne Hilfe zu gehen!

Erschrocken und verwundert über die plötzliche Ver-änderung seiner Situation, rannte der Mann sogleich aus dem Haus und suchte draussen ein Telefon! Das nächste Telefongerät war in der Jeschiwat Ha’Negev – einer Talmudschule in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem der Baba Sali wohnte. Der Mann „stürmte“ in die Jeschiwa hinein und rief sofort seine Familie an, um ihnen von diesem Wunder zu erzählen! Die Jeschiwa-Schüler, die das Gespräch mithörten, waren total perplex – erstaunt und sprachlos! Sie standen auf, bildeten mit ihm einen Kreis und begannen leidenschaftlich, mit ihm zu tanzen! Kurz danach kehrte der Mann mit einigen der Jeschiwa-Schüler in das Haus des Baba Sali zurück, wo sie eine spezielle Se’uda (ein Festmahl) ausrichteten, um das Wunder ausgiebig zu feiern!

Das Todesurteil

Ein Jeschiwa-Schüler kam zum Baba Sali und bat ihn um einen Segen. Doch zu seinem Entsetzen, kritisierte ihn der Rabbi lautstark vor allen Anwesenden: „Du stehst morgens spät zum Gebet auf... Du gibst dir keine Mühe beim Lernen!“ Der junge Mann verliess das Haus des Baba Sali erniedrigt und beschämt – und auf der Rück-fahrt zur Jeschiwa machte er zudem einen schweren Unfall, der Wagen überschlug sich, und die anderen Insassen erlitten schwere Verletzungen. Nur dieser Jeschiwa-Schüler blieb unverletzt...

Da er sich nun fragte, warum ihm das Ganze zu-gestossen war, kehrte er anderentags zum Baba Sali zurück und stellte ihm diese Frage. Sobald ihn der Baba Sali sah, beeilte er sich, ihn zu umarmen, und sagte erleichtert: „Baruch Haschem (G-tt sei Dank), es hat funktioniert! Als du an jenem Tag bei mir warst, sah ich ein Todesurteil auf deiner Stirn geschrieben. Ich über-legte, wie ich dich retten konnte – und entschied, dich vor allen Leuten zu beschämen. Schliesslich sagen unsere Weisen, dass dies genauso schlimm sei wie Mord! Die Erniedrigung, die dir an diesem Tag widerfahren ist, hat dir das Leben gerettet!

 

Eine merkwürdige Flasche

Hunderte Besucher der verschiedenen „Hilula“ bzw.  „Jahrzeit“-Mahlzeiten, die der Baba Sali von Zeit zu Zeit veranstaltete, bezeugten immer wieder etwas Unglaubliches (in Israel ein offenes Geheimnis): Sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie der Baba Sali eine Flasche voll „Arak“ (eine Art Branntwein) mit einem Handtuch einwickelte, aus der er anschliessend stundenlang Hunderten von Besuchern einschenkte, ohne dass die Flasche leer wurde! Die Augenzeugen berichteten übereinstimmend, dass es sich durchgehend um dieselbe Flasche handelte… 

Schweigen am Schabbat

Es wird erzählt, dass der Baba Sali am Schabbat keine Unterhaltungen führte. Wenn er sprach, waren es ausschliesslich „Worte der Mizwa“ – also Diskurse über die Thora, Rezitationen der Gebete oder Gesang von Schabbat-Liedern. Als man ihn danach fragte, erklärte er sich wie folgt: Es heisst in der Thora, dass G-tt am Schabbat „ruhte“ (von der Welterschaffung). Was heisst das genau, Er habe „geruht"? Hatte Er Lastwagen (Sattelschlepper), Krane und Traktoren? Nein! Es heisst ganz einfach, dass Er sich vom Sprechen ausruhte. G-tt erschuf die Welt mithilfe Seiner Aussprüche – und am Schabbat hörte Er auf, zu sprechen! Aus diesem Grund sprach auch der Baba Sali nicht am Schabbat – um den Schöpfer der Welt nachzuahmen. Denn dies ist der Zweck des Lebens!

Hole den Fisch!

Eines Tages kam ein hungriger Besucher zum Baba Sali. Während sie miteinander sprachen, gab der Rabbi seinem Schamasch (Diener) die Anweisung, er möge dem hungrigen Mann bitte den Fisch aus dem Kühlschrank servieren. Der Schamasch ging in die Küche, durchsuchte den Kühlschrank, aber konnte beim besten Willen keinen Fisch finden. Also kehrte er zurück zum Baba Sali und sagte ihm: „Es gibt keinen Fisch im Kühlschrank.“ – „Sieh nochmal nach“, antwortete der Baba Sali. Der Schamasch ging abermals zum Kühlschrank, schaute von oben bis unten und kam mit derselben Nachricht zurück – mit leeren Händen. „Bitte! Der Fisch ist da! Sieh nochmal nach“, gab ihm der Baba Sali die erneute Anweisung. Der Schamasch suchte zum dritten Mal – und fand schliesslich den Fisch in Aluminium-Folie verpackt. Daraufhin wandte sich der Baba Sali an seinen Freund und schmunzelte: „Ich kann von hier sehen, was er nicht mal dort sehen kann!“

Quellen: - DailyZohar.com (2015). Rabbi Yisrael Abuchatzeirah.

                Kabbalist. The Power of Prayer.

- Daf Yomi Review (2015). Stories of Baba Sali.

- SephardicLegacy.com (2016). The Death Decree.

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgt durch

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