Die Tage von „Schowawim“
Gesammelt und bearbeitet von S. Weinmann
Korrekturen: Gill Barnea
„Schowawim-Tat“
In einem Schaltjahr wird die Zeitspanne der ersten acht Paraschot des Sefer Schemot (von Schemot bis Tezawe) als die Tage von „Schowawim-Tat“ bezeichnet.
„SCHOWAWIM-TAT“ ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der folgenden Wochenabschnitte: SCHemot, WAera, Bo, Beschalach, Jitro, Mischpatim, Teruma, Tezawe.
Es ist bei frommen und g-ttesfürchtigen Juden Brauch, in einem Schaltjahr – da der Winter um einen Monat verlängert ist – acht freiwillige Fasttage auf sich zu nehmen. Diese fallen jeweils auf die Donnerstage vor den Schabbatot der genannten Paraschot.
„Schowawim“
In einem gewöhnlichen Jahr wird die Zeitspanne der ersten sechs Paraschot des Sefer Schemot (Schemot – Mischpatim) als die Tage von „Schowawim“ bezeichnet. Auch hier handelt es sich um ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Paraschot: SCHemot, WAera, Bo, Beschalach, Jitro, Mischpatim. In diesem Fall gibt es sechs Fasttage, ebenfalls an den Donnerstagen vor den jeweiligen Schabbatot.
Das hebräische Wort Schowawim, das aus diesen Initialen gebildet wird, bedeutet „Abtrünnige“. Es erscheint im Buch Jirmijahu [3,14 und 3,22]: „Schuwu Banim schowawim … – Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder …“ Dies deutet darauf hin, dass diese Zeit besonders geeignet ist für Teschuwa – die Rückkehr zu Haschem.
Die Fasttage
Diese Fasttage gelten halachisch als Taʿanijot Jachid – persönliche Fasttage – und nicht als Gemeindefasttage. Persönliche Fasttage müssen im Mincha-Gebet des Vortages ausdrücklich auf sich genommen werden (Kabbalat Taʿanit). Wer jedoch jedes Jahr in der Zeit von Schowawim fastet, muss den Fasttag nicht jedes Mal neu auf sich nehmen.
Wenn zehn Personen eines Minjans fasten, wird bei Mincha die Thoralesung „Wajechal“ gelesen, wie an Fasttagen üblich. Bei Schacharit hingegen wird der reguläre Wochenabschnitt gelesen.
Gründe für das Fasten
Für diese Fasttage werden mehrere Begründungen genannt. In einem Schaltjahr gibt es mehr Wintertage als in einem gewöhnlichen Jahr, wodurch sich die Zeitspanne zwischen den Taʿanijot Behab (den Fasttagen Montag–Donnerstag–Montag) im Monat Marcheschwan und jenen im Monat Ijar um einen Monat verlängert.
Da Fromme an diesen Tagen – halbjährlich - jeweils für die gesamte jüdische Gemeinschaft um Vergebung fasten, führte man im Schaltjahr – da der Winter sieben Monate hat - zusätzliche Fasttage ein (Lewusch, Orach Chajim 685).
Ein weiterer zentraler Zweck des Fastens ist das Bitten um Fruchtbarkeit. Bereits zu Beginn von Paraschat Schemot – der ersten Parascha der Schowawim-Zeit – heisst es: „Und die Kinder Israels waren fruchtbar, vermehrten sich und wurden sehr stark …“
Der Fasttag wurde jeweils auf den Donnerstag festgelegt, da an diesem Tag die Fische erschaffen wurden, die mit dem Segen „Seid fruchtbar und mehret euch“ gesegnet wurden. Die Ordnung der Fasttage beginnt mit Paraschat Schemot, in der es heisst: „Je mehr man sie bedrückte, desto mehr vermehrten sie sich und breiteten sich aus“ – durch den Segen G-ttes.
Der letzte Wochenabschnitt, Tezawe, schliesst die Vorschriften zur Errichtung des Mischkan ab – jenes Ortes, an dem die Schechina, die g-ttliche Gegenwart, wohnt. Durch diese g-ttliche Nähe wird Israel gesegnet.
Wie in den heiligen Büchern erwähnt, ist diese Zeit besonders geeignet zur Sühne von Sünden aus der Jugendzeit. Die Kabbalisten lehren zudem, dass Schowawim eine besonders günstige Zeit zur Reue ist, insbesondere bei sittlichen Verfehlungen. Daher ist es in diesen Wochen üblich, vorsichtiger zu leben und sich intensiver mit den Gesetzen jüdischer Sittlichkeit zu beschäftigen. In vielen Gemeinden wird speziell das Studium der Vorschriften zur Reinheit der jüdischen Ehe (Taharat Hamischpacha) gepflegt.
Fromme Männer pflegen in dieser Zeit – zusätzlich zum Fasten – vermehrt Zedaka zu geben sowie Selichot und andere Tikkunim (kabbalistische Gebete) zu rezitieren, um Sühne zu erlangen.
Die Grösse dieser Zeit
In den Tagen von Schowawim lesen wir in der Tora, wie das jüdische Volk aus der tiefsten Stufe der Tumʿa (geistigen Unreinheit) in Mizrajim zur höchsten Stufe der Keduscha (Heiligkeit) gelangt – mit dem Höhepunkt der Kabbalat HaTora am Berg Sinai. Dieses geistige Geschehen wiederholt sich jedes Jahr aufs Neue, weshalb diese Tage besonders geeignet sind für innere Reinigung und geistiges Wachstum.
Der Schelah HaKadosch schreibt, dass gerade diese Paraschot gewählt wurden, weil sie sich mit Teschuwa, Gebet, Barmherzigkeit und Tora-Studium befassen – Bereiche, die in dieser Zeit besonders gestärkt werden sollen.
Rabbi Dow-Bär, der grosse Maggid von Mesritsch, pflegte zu sagen, dass jedes geistige wie auch materielle Anliegen in den Tagen von Schowawim leichter erreicht werden könne:
Parnassa (Unterhalt), Siwugim (Lebenspartner), Refua (Heilung) und Limmud Tora (Tora-Studium). Siwugim und Parnassa werden bekanntlich mit der Spaltung des Schilfmeeres verglichen; Refua, weil alle Juden beim Empfang der Tora geheilt wurden; und Limmud Tora, weil wir in Paraschat Jitro einen grossen Abschnitt über die Gesetzgebung und den Zehn Geboten lesen.
Ersatz für das Fasten
Die heutigen Generationen sind körperlich und geistig schwächer als frühere, und vielen Menschen fällt das Fasten schwer. Deshalb schreiben die Posskim (halachische Entscheidungsautoritäten), dass das Fasten – sofern es nicht möglich ist – durch eine verstärkte Erfüllung der zuvor genannten Mizwot ersetzt werden kann und soll, etwa durch intensives Tora-Studium, vermehrte Zedaka, sorgfältiges Meiden der genannten Verfehlungen sowie durch ein vertieftes und vermehrtes Gebet.
Zusätzlich wird Taʿanit Dibbur – das Fasten vom Reden – als Ersatz empfohlen. Dazu gehört etwa: ununterbrochenes Tora-Studium ohne profane Gespräche, Vermeidung von Laschon Hara (üble Nachrede) sowie kein Schwatzen während des Gebets in der Synagoge – vom Anfang bis zum Ende.
In manchen Jeschiwot ist es heute Brauch, dass Bachurim (Tora-Studenten) sich täglich ein-, zwei- oder sogar dreimal fünf Stunden ununterbrochen dem Lernen widmen, ohne auch nur ein einziges Wort zu sprechen, das nicht dem Studium dient.
Schela'h Hakadosch - Rabbi Jeschajahu ben Awraham Halevi Horowitz (Hurwitz) (1558 - 1630): Bekannter Kabbalist, halachische Autorität und Gemeindeführer; mit dem Akronym "Schela'h" - nach einem seiner Hauptwerke „Schenej Luchot HaBrit“ (Die zwei Gesetztafeln) - genannt; Prag, Frankfurt a/M., Jerusalem, Tiberias.
Rabbi Dow Bär, dergrosse Maggid von Mesritsch (1710-1772); Rowne (Polen) und Mesritsch(Wolhynien, heute Ukraine). Er war einer der Schüler und der Nachfolger von Rabbi Israel ben Elieser, bekannt als der Ba’al Schem Tow, des Begründers des Chassidismus. Die Lehren und Betrachtungen von Rabbi Dow Bär wurden nicht von ihm selbst niedergeschrieben, sondern sind in Werken seiner zahlreichen Schüler erhalten.
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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