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Perspektiven zum letzten Schabbes des Jahres 5780 - von S. Weinmann und Rav Frand zu Paraschat (Nizawim -) Wajelech Ende 5780

Perspektiven zum letzten Schabbes des Jahres 5780

Von S. Weinmann

und Rav Frand zu Paraschat (Nizawim -) Wajelech Ende 5780

 

von S. Weinmann:

Kein leichtes Jahr geht zu Ende. Wir sehen deutlich, dass im Himmel neue Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Die Ohnmacht der Menschheit ist im vollen Umfang zum Vorschein gekommen. Die „Bezwingung“ des Universums kam zum Erliegen. Die Selbstsicherheit aller ist erschüttert worden. Die Grenzen der „allwissenden“ Medizin sind aufgedeckt worden.

Zusätzlich erleben wir eine sehr interessante Konstellation. In der Regel wird nie ein ganzer Wochenabschnitt zweimal im gleichen Jahr gelesen. Jedoch dieses Jahr erleben wir, dass das Jahr mit Paraschat Wajelech begonnen hat und mit dem gleichen Wochenabschnitt endet. Ich glaube, dass dies uns etwas wegweisendes lehren möchte:

In Paraschat Wajelech stehen die letzten zwei Gebote, der insgesamt 613 Ge- und Verbote der Thora.

Mizwa 612: „Hak’hel“ – Versammlung aller Israeliten, alle sieben Jahre.

Mizwa 613: „Ketiwat Sefer Thora“ – Jeder Israelit hat die Pflicht eine Sefer Thora zu schreiben oder schreiben zu lassen.

Wollen wir doch den Gedanken dieser zwei letzten Gebote auf den Grund gehen:

Gebot 612 von Hak’hel:

Zum Gebot 612 von „Hak’hel“ schreibt die Thora folgendes [Dewarim 31, 10-13]:

„Mosche gebot ihnen und sprach: Nach Verlauf von sieben Jahren, zur Zeit des Schmittajahres (Erlassjahr/Ruhejahr), am Fest von Sukkot (Laubhüttenfest), wenn ganz Jisrael kommt, um vor dem Angesicht des Ewigen, deines G-ttes, zu erscheinen, an den Ort, den er erwählen wird, sollst du diese Thora (Lehre) vor ganz Jisrael laut vorlesen. Versammle (Hak’hel) das Volk, die Männer, die Frauen und die Kinder und den Fremden, der in deinen Städten wohnt, dass sie sie (die Thora) hören und lernen, und dass sie den Ewigen, euren Gott, fürchten und sorgfältig die Worte dieser Lehre halten.

Und dass ihre Kinder, die noch nicht viel wissen, sie hören und es lernen, den Ewigen, euren G-tt, zu fürchten, alle Tage, die ihr in dem Lande lebt, zu dem ihr über den Jordan zieht, um es in Besitz zu nehmen“.

Zwei Gedanken von Rav Frand zur Mizwa von "Hak’hel":

  1. 1. Gedanke: Hak’hel wiederholt den Empfang der Tora am Sinai

Die Parascha dieser Woche enthält die Mizwa (das Gebot) von "Hak’hel". Alle sieben Jahre - zum Abschluss des Schmittajahres (Brachjahr) - versammelt der König ganz Israel (das sich wegen dem Sukkotfest ohnehin in Jerusalem befindet) und liest ihm Toraabschnitte aus dem Buch Dewarim (5. Buch Moses) vor.

Ueber einen Menschen, der diese Mizwa nicht erfüllt (zum Beispiel, ein Jude, der nicht teilnimmt oder ein König, der nicht aus der Tora vorliest) schreibt das Sefer (Buch) HaChinuch: "... ihre Strafe wird sehr schwer sein, weil dieses Gebot einen Grundpfeiler der Religion darstellt ..."

Man würde wohl kaum vermuten, dass Hak’hel eine so wichtige Mizwa ist. Hak’hel ist ein Gebot ("Mizwat Asseh"), welches nur alle sieben Jahre erfüllt wird. Eigentlich könnte man annehmen, dass Lulav (der Feststrauss am Sukkotfest) oder Mazza oder Tefillin oder das Schema-Sagen wichtigere Mizwot sind. Trotzdem schreibt das Sefer HaChinuch im Zusammenhang mit diesen Mizwot nicht: "und ihre Strafe wird sehr schwer sein ..."

Welche Bedeutung schreibt das Sefer HaChinuch dieser Mizwa zu? Rav Hutner szl. gibt uns im Verlauf einer langen Einleitung zum Neudruck eines Sefers (Buch) des Re'mo (Darchej Mosche Ha'Aruch) eine Erklärung, worum es bei der Mizwa von Hak’hel wirklich geht und wieso sie so wichtig ist. Rav Hutner stützt sich in seiner Abhandlung auf zwei Rambam-Stellen.

Der Rambam [Hilchot Chagiga 3:3] gibt folgende Reihenfolge der Kapitel in Dewarim, die bei Hak’hel vorgetragen werden, an: "Vom Anfang von Dewarim bis zum Abschnitt des Schema ("Höre Israel"). Dann liest man "Wehaja im Schamoa ("und es wird sein, wenn du hörst") gefolgt von "Asser te'asser ("du sollst unbedingt verzehnten"). Dann fährt man fort bis zu den Segen und Flüchen, bis zu den Worten "ausser dem Bund, den Er mit ihnen am Chorew schloss" [Dewarim 28:69] und beendet daraufhin die Vorlesung ("u'possek")."

Rav Hutner frägt, warum der Rambam die Worte "u'possek" schrieb. Wenn der Rambam schreibt, dass wir von hier bis dorthin lesen müssen und er die Schlussworte bereits angibt, ist es doch klar, dass wir dort abbrechen müssen. Warum betont der Rambam: "Und dort muss man aufhören?" (Rav Hutners Antwort folgt mit der Erklärung der zweiten Rambam-Passage.)

Die zweite Rambam-Stelle ist wie folgt: Der Rambam bezeichnet Hak’hel in Hilchot Chagiga [3:7] als "Jom Hak’hel" ("der Tag von Hak’hel"). Dies ist ein seltsamer Ausdruck, der im Talmud nicht vorkommt. Was will uns der Rambam damit sagen?

Rav Hutner schreibt, dass die Hak’hel-Zeremonie eine Wiederholung von Ma'amad Har Sinai, dem Ereignis am Berg Sinai, ist. Sie ist eine Wiederholung von Kabalat HaTora, dem Empfangen der Tora. Das Annehmen der Tora ist DAS Grundereignis der jüdischen Geschichte. Wir spielen Kabalat HaTora alle sieben Jahre wieder neu durch, um auf eindrucksvolle Art und Weise dem jüdischen Volk die Wichtigkeit der Tora klarzumachen. Wir wollen, dass sich jeder so fühlt, als ob er bei einer zweiten Kabalat HaTora dabei gewesen wäre.

Vor einigen Wochen feierten die Bürger von Baltimore die Schlacht von Baltimore, ein wichtiges Ereignis der amerikanischen Geschichte. Sie taten dies, indem sie diese Geschehnisse und das daraus hervorgegangene Sternenbanner (amerikanische Flagge) nachspielten. Diese Veranstaltung war für alle Baltimorer und überhaupt alle Amerikaner sehr wichtig. Wie gedenkt man solcher geschichtlichen Ereignisse? Wie haucht man ihnen Leben ein? Wie pflanzt man künftigen Generationen das Gefühl ein, wie wichtig es ist, dass "die Flagge weiter stolz weht"? Die Antwort darauf ist, indem man die Geschichte wiederholt.

Lehavdil (zur Gegenüberstellung): Wir besitzen etwas, das für uns unschätzbar wichtig ist. Das ist Kabalat HaTora. Wir wollen, dass jeder das "Ereignis am Berg Sinai" nochmals erlebt. Wie machen wir das? Wir versammeln alle und tragen die Tora vor.

Aus diesem Grund schreibt der Rambam die Worte "u'possek" im ersten Zitat. Die Worte unmittelbar vor "u'passek" sind: "Ausser dem Bund, den Er mit ihnen schloss am Chorew (Berg Sinai)". Wir wollen, dass diese Worte in den Ohren der Menschen widerhallen. Wir wollen, dass bleibende Erinnerungen an Chorew, den Berg Sinai, hängen bleiben. Deshalb muss der König seine Vorlesung gerade an dieser Stelle auf dramatische Weise abbrechen. Auch nur ein Wort über "Chorew" weiterzulesen, hiesse, diesen Eindruck zu verwässern. Der ganze Effekt von Hakhel wäre dahin.

Aus diesem Grund nennt der Rambam Hakhel auch "Jom Hak’hel" (zweites Zitat). Rav Hutner weist darauf hin, dass, wenn wir die Vokale beiseitelassen, "Jom Hak’hel" die gleichen Buchstaben wie "Jom Hakahal" (Tag der Nation) aufweist. Dies ist ein Ausdruck, mit dem die Tora wiederholt Ma’amad Har Sinai (das Ereignis am Sinai) bezeichnet. [Dewarim 9:10; 10:4; 18:16]

Das ist Hak’hel: Das Erleben und Wiederholen von Kabalat HaTora. Wieso? Dazu sagt Rav Sadja Gaon: "Unsere Nation ist nur eine Nation wegen der Tora." Für einige ist der Gedanke "Wir sind eine Nation wegen der Tora" eine grosse Neuigkeit ("Chidusch gadol"). Viele Tausende und Millionen von Juden glaubten dies nicht immer. Es gab Juden, die meinten, dass wir wegen dem Land eine Nation seien - ohne Land seien wir keine Nation. Dazu sagt Rav Sadja Gaon: "Nein, nur wegen der Tora sind wir eine Nation."

Es gab Menschen, die glaubten, dass wir wegen unserer Sprache eine Nation seien. Es gab Leute, die meinten, Jiddisch sei der Schlüssel zum jüdischen Volk: jiddisches Theater und jiddische Lieder und jiddische Veranstaltungen. Sie sind verschwunden. Die einzigen, die heute noch jiddisch reden und lesen sind diejenigen, deren Lebensweise von den anderen als überholt eingestuft worden war.

Es gibt Leute, die denken, dass wir nur wegen unserer Kultur eine Nation seien. Nein! Unsere Nation ist nur eine Nation wegen der Tora. Das macht uns zum Volk. Das verbindet uns. Das Zusammenstehen am Sinai, der Empfang der Tora, das Lernen von Tora. Die Tora, die Mizwot (Gebote), nichts anderes. Nicht Kultur, nicht Sprache, nicht Geschichte, nichts - ausser Tora. Das ist es, was Hak’hel uns sagen will.

  1. 2. Gedanke: Die Tora im Mittelpunkt

Es ist doch erstaunlich: Diese Mizwa, mit der wir die Wichtigkeit der Tora für die Juden betonen, wird nur alle sieben Jahre durchgeführt. Auf welches Datum wurde diese Veranstaltung wohl angesetzt?

Ich sage Euch, in welchem Jahr Hakhel nicht stattfinden sollte: Ich würde Hak’hel niemals auf das Jahr legen, das auf das Schmittajahr (Brachjahr) folgt. In diesem Jahr scheint mir, haben wir Hak’hel am wenigsten nötig.

Was machten eigentlich die Juden während des Schmittajahres? Was geschah in einer Agrargesellschaft, in der man nicht säen und nicht ernten konnte? Die Juden verbrachten das ganze Jahr mit Toralernen. Das ist der Sinn und Zweck des Schmittajahres. Die Juden luden ihre geistigen Batterien wieder auf, indem sie den ganzen Tag lernten. Man konnte ja nicht viel anderes machen.

Die Juden standen also am Ende eines Jahres voll des Toralernens. Die Wichtigkeit des Lernens war ihnen somit klar; ist das der richtige Moment für Hak’hel? Muss ihnen die Tora ausgerechnet jetzt vorgetragen werden? Reicht es nicht, dass sie bereits ein ganzes Jahr Tora gelernt haben? Müssen sie gerade jetzt noch mehr lernen?

Diese Tatsache enthält eine Lehre. Diese Lehre besagt, dass ein Mensch, der etwas wirklich liebt, nie genug davon bekomm kann. Das ganze Jahr hatten sie schon Tora gelernt. Aber G'tt sagt: "Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, wo ich will, dass ihr noch mehr Tora lernt. Gerade jetzt könnt ihr verstehen, dass man von der Tora nie genug bekommen oder ihrer überdrüssig werden kann."

Ich gebe das folgende Beispiel ungern, aber kann auch hier feststellen: "Wir bemühen uns und sie bemühen sich ..." (Wird beim Abschluss eines Traktates gesagt):

Wir wissen, was in Amerika am 31. Dezember und am 1. Januar geschieht. Die Menschen setzen sich vor den Fernseher und schauen (amerikanischen) Fussball. Nachdem sie ein Spiel mitverfolgt haben, gehen sie schlafen. Am nächsten Morgen stehen sie auf und schauen das erste Pokalspiel ("Bowl") des Tages. Um 12 Uhr schauen sie ein weiteres Spiel und um 16 Uhr das nächste. Und am Abend des 1. Januar - folgt ein weiteres Spiel! Wenn jemand den Cotton Bowl, den Sugar Bowl und den Rose Bowl gesehen hat, braucht er dann wirklich auch noch den Fiesta Bowl?

Und trotzdem schreien Millionen und Abermillionen nach einem weiteren Spiel, obwohl sie bereits den ganzen Tag Fussball geschaut haben. In dieses Spiel werden Millionen von Werbedollars gesteckt, weil klar ist, dass die Menschen auch dieses Spiel sehen werden! Wieso? Der Grund ist: Wenn jemand Fussball liebt, hat er nie genug davon. Wenn jemand etwas liebt, hat er nie genug davon.

Um das geht es bei Hak’hel. Hak’hel sagt: "Jiden! Die Tora steht für uns Juden im Mittelpunkt. Ohne Tora ist unsere Nation keine Nation. Wir müssen sie lieben, wir müssen beinahe süchtig sein nach ihr. Obwohl wir ein ganzes Jahr Tora hatten, wollen wir noch ein "Wort" (Tora-Gedanke), noch einen Schiur (Toravortrag), noch eine Kasche (Torafrage) und noch einen Terez (Antwort). Wir wollen noch mehr, weil die Tora für uns lebenswichtig ist."

Uns so erklärt es auch der Sefer HaChinuch (Mizwa 612):

Ein Grundgedanke der Mizwa ist, dass die Tora das ganze Wesen des Volkes Israel bildet. Durch sie unterscheidet es sich von jeder Nation, um ewiges Leben und ewigen Genuss zu erwerben, wie es ihn für Geschöpfe nicht besser gibt. Da die Tora sein ganzes Wesen bildet, ist es richtig, dass sich alle zusammen zu einer bestimmten Zeit versammeln, um ihre Worte zu hören, sodass sich die Botschaft unter dem ganzen Volk – Männer, Frauen und Kinder – ausbreite, wenn sie sagen: "Was bedeutet diese grosse Versammlung, in der wir uns alle zusammenfanden?" Dann wird die Antwort sein: "Um die Worte der Tora zu hören, die unsere ganze Wurzel, unseren Ruhm und unsere Pracht bildet." Dies wird sie dazu bringen, von der Grösse ihres Ruhms und der Herrlichkeit ihres Wertes zu erzählen, und alle werden sich die Sehnsucht nach ihr aneignen. Durch Sehnsucht werden sie G"tt zu erkennen lernen und Gutes verdienen, und der Ewige wird Sich Seiner Werke freuen (Psalmen 104, 31). So steht ausdrücklich über diese Mizwa geschrieben: "Damit sie lernen und den Ewigen fürchten" (Dewarim 31, 12).

In dieser Jahreszeit fragt sich jeder: "Was kann ich im nächsten Jahr besser machen?" Es gibt eine Möglichkeit für jeden: Es lässt sich immer mehr Zeit für das Toralernen finden. Das ist die Botschaft von Hakhel: Man kann nie genug Tora lernen; weil sie so zentral, so lebensspendend ist; weil die jüdische Nation nur wegen der Tora eine Nation ist.

Mizwa 613: Ketiwat Sefer Tora:

Das 613. Gebot ist, dass sich jeder Israelit eine Torarolle schreiben soll

Uns so schreibt der Sefer HaChinuch (Mizwa 613):

Es wurde uns befohlen, dass sich jeder Mann in Israel eine Torarolle schreibe. Wer dies mit eigenen Händen tut, ist äusserst lobenswert und geliebt, wie die Gelehrten s.A. sagten: "Wenn er sie schrieb", d.h. selbst, "betrachtet es die Schrift, als hätte er sie am Berg Sinai empfangen." Wer sie nicht selbst schreiben kann, soll jemanden anstellen, der sie für ihn schreibt.

Darüber wurde gesagt: "Und jetzt schreibt euch dieses Lied (Ha’asinu) auf, und lehre es die Kinder Israels" (Dewarim 31, 19). Das heisst, schreibt euch die Tora auf, in der sich dieses Lied befindet.

Ein Grundgedanke der Mizwa ist, dass über die Menschen bekannt ist, dass sie alle ihre Aufgaben eher ausführen, wenn sie zur Hand sind. Daher befahl uns G"tt, gepriesen sei Er, dass jeder Israelit eine Torarolle bei sich bereithalten soll, damit er stets in ihr lesen kann und nicht im Haus eines anderen danach suchen muss, um zu lernen, den Ewigen zu fürchten (Dewarim 17, 19). So wird er Seine Mizwot kennen und verstehen, die kostbarer und lieblicher sind als Gold und Feingold in Mengen.

Es wurde uns befohlen, dass sich jeder einzelne Israelit darum bemühe, selbst wenn ihm seine Vorfahren eine Torarolle hinterliessen, damit die Rollen bei uns zahlreich werden und wir sie demjenigen leihen können, der nicht über die Mittel verfügt, eine zu kaufen. Auch sollen alle Israeliten in neuen Rollen lesen, damit sie nicht der alten Rollen überdrüssig werden, die ihnen ihre Vorfahren hinterliessen.

Wisse, mein Sohn, dass die eigentliche Pflicht nach dem Gesetz der Tora zwar nur für die Torarolle gilt. Doch soll aus den erwähnten Gründen zweifellos jeder auch andere Werke, die zur Erklärung der Tora verfasst wurden, nach seinen Möglichkeiten erwerben, selbst wenn ihm seine Vorfahren viele davon hinterliessen.

Diese Mizwa gilt überall und zu jeder Zeit für Männer, da sie zum Studium der Tora und auch zu ihrer Niederschrift verpflichtet sind, nicht aber die Frauen. Wer dies übertritt, indem er keine Torarolle schreibt, wenn ihm dies irgendwie möglich ist, missachtet diese Mizwa. Seine Strafe ist sehr gross, da diese Mizwa zum Studium der Tora führt, wie wir darlegten. Jeder, der sie erfüllt, wird gesegnet sein, und er und seine Söhne werden weise werden, wie geschrieben steht: "Schreibt euch dieses Lied auf, und lehre es die Kinder Israels" (Dewarim 31, 19).

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Fortsetzung Perspektiven (S. Weinmann):

Die Schlüsselworte der letzten zwei Mizwot, die wir am Anfang dieses Jahres gelesen haben und auch am Ende dieses Jahres lesen werden, sind das „Hak’hel-Versammeln“ und das „Tora-Lernen“.

In diesem Jahr sind diese zwei Dinge durch die Pandemie empfindlich gestört worden. Die Versammlung in den Synagogen und Betlokalen war zeitweise unterbrochen. Und auch heute noch sind diese Versammlungen mit diversen

Vorschriften und Einschränkungen verbunden. Auch das Tora-Lernen in den Schulen und Jeschiwot war zeitweise unterbrochen und ist auch heute nur mit diversen Einschränkungen und Vorschriften möglich. Eine sehr ungewöhnliche, vielleicht nie dagewesene Episode in der Geschichte des jüdischen Volkes, die das Judentum der ganzen Welt betrifft.

Offenbar möchte uns HKB"H anregen, diese zwei Dinge zu verbessern.                                      

Erstens einmal, "Kewod Bejt Haknesset", die Ehrerbietung unserer Synagogen zu verbessern, kein "Schwatzen" zumindest während des ganzen Dawenens. Im Schulchan Aruch [151:1] steht unter dem Titel "Vorschriften für die Heiligkeit der Batej Knesset (Synagogen) und Batej Midrasch" (Lehrhäuser): "In den Batej Knesset und Batej Midrasch darf kein Leichtsinn (Kalut Rosch) herrschen, wie z.B. Lachen, Spott und unnötiges Geschwätz". Unnötiges Geschwätz beinhaltet auch Gespräche, die ausserhalb der Synagoge erlaubt sind, wie z.B. Beratung in Parnassa (Lebensunterhalt). Und dies ist auch ausserhalb der Gebetszeiten verboten, wir der Mischna Berura zur Stelle erläutert. Im Sohar Hakadosch stehen schreckliche Dinge über den, der im Bejt Haknesset redet (siehe Mischna Berura zur Stelle).

Zweitens, das Tora-Lernen zu verbessern und zu vermehren. Bei der fleissigen Beschäftigung mit der Tora ist uns der Segen gewiss, wie Raschi dies anfangs Bechukotai erklärt: Es heisst dort [Wajikra 26: 3-4]. "Wenn ihr in Meinen Satzungen wandelt und Meine Gebote beobachtet und sie einhaltet, so will Ich euch den Regen zur rechten Zeit geben, der Boden wird seinen Ertrag geben und die Bäume auf dem Feld ihre Frucht …“ [Wajikra 26: 3-4]. Erklärt Raschi, was bedeutet „Wenn ihr in Meinen Satzungen wandelt…“, dass ihr euch mit dem Torah-Lernen bemüht.

Und ganz gewiss ist das Lernen der Halacha äusserst wichtig, um die genaue Ausführung aller Mizwot zu verbessern. In Pirkej Awot [Sprüche der Väter, 2:1] steht: "Sei achtsam bei einem leichten Gebot wie bei einem schweren…" und dies ist nur bei einem regelmässigen Lernen der Halacha möglich.

Bei der genauen Ausführung der Mizwot ist uns der Segen gewiss, wie Raschi dies anfangs Ejkew erklärt: Es heisst dort [Dewarim 7:12-16]: "We'haja ejkew tischme’un…". Um zum Lohne dafür, dass ihr alle Rechtsvorschriften hört und sie sorgfältig ausübt… wird Er dich lieben und segnen und vermehren und wird die Frucht deines Leibes segnen und die Frucht deines Landes, dein Getreide, Most und Öl, den Wurf deiner Rinder und den Nachwuchs deiner Schafe… Gesegnet wirst du sein über alle Völker. Es wird niemand unter dir unfruchtbar sein noch unter deinem Vieh. Der Ewige wird von dir alle Krankheiten fernhalten…" Erklärt Raschi was bedeutet das Wort "Ejkew": "Ferse". Falls ihr die leichten/einfachen Gebote erfüllt, auf die der Mensch normalerweise mit den Fersen tritt, ... "

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Zum Schluss möchte ich allen Lesern unserer wöchentlichen Parascha-Gedanken, allen Besuchern unserer Website, allen Spendern, allen Mitarbeitern, sowie dem ganzen jüdischen Volk ein gut gebenschtes, gesundes, erfolgreiches und spirituell hochstehendes Jahr wünschen!

  1. S. Weinmann

Quellen und Persönlichkeiten:

  • 1. Rambam, Rabbi Mosche ben Maimon (Maimonides) (1135 – 1204), einer der bedeutendsten Rischonim, seine Hauptwerke sind „Mischne Tora-Jad Hachsaka“, Erklärung zur Mischna und „Moreh Newuchim“, Spanien, Aegypten, Israel.
  • 2. Sefer HaChinuch („Das Buch der Erziehung zu Mizwot“): Der mögliche Autor ist Rabbi Aharon   Halevi (1235-1304); Barcelona, Spanien.
  • 3. Raw Jizchak Hutner (1907 – 1980): Rosch Jeschiwah der Jeschiwah Mesifta Chajim Berlin in New York.

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Die Bearbeitung des Beitrages dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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