Raw Frand zu Parschat Ki Tawo 5761 (Beitrag 1)

Die Ägypter verwendeten dieselben antisemitischen Techniken wie später die Nazis

Die Parscha beginnt mit dem Gebot, die Erstlingsfrüchte der Ernte (die "Bikurim") jedes Jahr ins Bet Hamikdasch (den Tempel) zu bringen. Wenn der Pilgerer seinen Korb mit Früchten dem Kohen (Priester) überreicht, rezitiert er verschiedene Dankesverse.

Dieses Rezitieren der Dankesverse umfasst nicht einfach ein "Dankeschön, lieber G'tt, für das gute Jahr und vielen Dank für die Früchte". Vielmehr wird eine Kurzfassung der Geschichte des jüdischen Volkes vorgetragen. Wir danken G'tt für alles, was seit der Entstehung der jüdischen Nation vorgegangen ist. Wir beschreiben, wie sich Ja’akow bei Lawan aufhielt und dieser ihn zu zerstören trachtete. Wir beschreiben den Abstieg nach Ägypten und die schweren Zeiten, die uns die Ägypter machten, bis wir schlussendlich mit grossen Erscheinungen und Wundern aus Ägypten herausgeholt wurden.

Rav Mordechai Gifter bemerkt zum grammatikalischen Aufbau des Verses, der die Grausamkeit der Ägypter beschreibt folgendes: Eigentlich sollte "Wajarej’u LANU …" (sie waren schlecht ZU UNS …) geschrieben stehen. Es steht aber "Wajarej’u OTANU …", was "SIE MACHTEN UNS schlecht …" bedeutet.

Rav Gifter erklärt den Passuk (Vers) aus diesem Grund in einem neuen Licht. Wie war es möglich, dass die Ägypter uns quälten (der Passuk fährt ja fort: "Waja'anunu" "und sie quälten uns")? Hatten die Ägypter denn kein Mitgefühl? Wie kann ein Mensch ein anderes menschliches Wesen so grausam behandeln? Die Antwort ist, dass sie zuerst "Wajarej’u Otanu" (uns schlecht machten): Sie starteten eine Kampagne, die die Juden nicht als Menschen, sondern als niedrige und verabscheuungswürdige Geschöpfe beschrieb. Zuerst machten sie UNS schlecht und dann fühlten sie sich berechtigt, uns zu quälen.

Rav Gifter bemerkt dazu, dass wir dieses Vorgehen mit unseren eigenen Augen gesehen haben. Wir brauchen uns nicht einmal vorzustellen, was im alten Ägypten geschah. Genau dies haben die Antisemiten jeder Generation getan. Was in Deutschland geschah, ist ein schulbuchmässiges Beispiel dafür. Sie kamen nicht plötzlich und sagten: "Schlagt ihre Fenster ein und tötet sie alle." Es war eine schrittweise Kampagne, um uns zu Untermenschen zu machen.

Jeder, der in die Umgebung von Washington DC kommt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, das United States Holocaust-Museum zu besichtigen. Dieses Museum geht den Gründen des deutschen Antisemitismus nach. Grundlage für den Antisemitismus war eine "Hierarchie der Völker". Ihr Judenhass wurde mit Theorien und Philosophien untermauert. Es gab "Herrenvölker", "niedrigere Rassen" und "Untermenschen". Die Juden wurden als "Untermenschen" bezeichnet. "Wajarej’u Otanu" – sie machten uns schlecht, sie bezeichneten uns nicht einmal als Menschen.

Ein Bild stach mir anlässlich meines Besuches im Holocaust-Museum ganz besonders ins Auge: Dieses Bild zeigte zwei Nazischergen (möge ihr Name ausgelöscht werden), wie sie einen Juden traten, der auf der Strasse lag. Dies war in Nazideutschland noch nichts Besonderes. Aufgefallen war mir jedoch das Leuchten in ihrem Gesicht. Wir hätten das ganze vielleicht noch einigermassen verstehen können, wenn diese Soldaten Gefühle von Wut oder Zorn gezeigt hätten. Diese Nazis hingegen lachten. Man sah ihnen die Freude an!

Dieses Gefühl kann vielleicht erwartet werden, wenn jemand bei sich im Haus eine Maus hat und sie endlich los wird, indem er sie zertritt. Triumphierend kann er dann lachen und sagen: "Oho, ich habe gesiegt!" Das ist, was sie uns antaten. Sie zeigten ihren Leuten hunderte von Rattenbildern. Dann zeigten sie das Bild eines Juden. Dann kamen mehr Ratten und mehr Juden. Dies taten sie solange, bis sie klar gemacht hatten, dass die Bilder, die zwischen den Rattenbildern eingestreut waren keine Menschen, sondern auch nur Ratten darstellten.

Sie machten uns "schlecht" und dann quälten sie uns. Dies geschah nach dem Prinzip Ma'asse Awot Siman laBanim (was den Vätern widerfuhr ist ein Vorzeichen für die Kinder). „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“. Alles ist schon einmal passiert. Es geschah in Ägypten. Es geschah in Deutschland. Hoffentlich geschieht es nie wieder.



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