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Der Grund für den Hass der Ammoniter und Moawiter - Rav Frand zu Paraschat Ki Teze 5780 – Beitrag 1

Der Grund für den Hass der Ammoniter und Moawiter 

Die Torah lehrt, dass es einem (zum Judentum konvertierten) Ammoniter oder Moawiter verboten ist, in die "Gemeinde G-ttes" (also in das jüdische Volk) einzutreten (d.h. eine jüdische Frau zu heiraten). Sogar zehn Generation nach ihrem Übertritt zum Judentum, ist es ihnen nicht erlaubt, in eine Familie von jüdischem Ursprung einzuheiraten [Dewarim 23:4]. Er kann nur eine Konvertitin heiraten. Ferner wird uns befohlen, niemals Frieden mit ihnen zu schliessen oder sie jegliche Fürsorge gewähren zu lassen [Dewarim 23:7]. Sie sind prinzipiell - auf allen Ebenen - vom Eintritt in das jüdische Volk ausgeschlossen.

Als nächstes lehrt die Torah: "Du sollst keinen (zum Judentum konvertierten) Edomiter hassen, denn er ist dein Bruder. Du sollst keinen (zum Judentum konvertierten) Ägypter hassen, denn du warst ein Fremder in seinem Land. Ihre Nachkommen der dritten Generation (nach dem Übertritt) mögen in die Gemeinde G-ttes eintreten." [Dewarim 23:8-9].

Der Targum Jonathan fügt hinsichtlich des Verbotes, den Nachfahren eines Ammoniters oder Moawiters zu heiraten, eine sehr interessante Erklärung hinzu: Sogar wenn sie übertreten (und ihre Loyalität zum Judentum bekennen), besteht noch immer ein tiefsitzender Hass in ihren Herzen, der für immer währt.

Logischerweise, wenn wir eine Umfrage machen würden, wer eine höhere Wahrscheinlichkeit besitzt, die Juden auf ewig zu hassen - die Nachfahren von Ejsaw (Edom), die Abkömmlinge der Ägypter oder die Nachkommen von Lot (Ammon und Moaw), würden die meisten nicht auf die Nachfahren von Lot setzen.

Ejsaw hat einen lange währenden Groll gegen uns, denn er ist der Ansicht, dass Ja'akow sein Erstgeburtsrecht gestohlen und den ihm gehörenden Segen erschwindelt hat. Die Ägypter sollten uns ebenfalls mit Sicherheit hassen, denn schliesslich haben wir ihr ganzes Land zerstört. Wir haben uns das mächtigste Imperium der Welt (die damalige Supermacht) vorgeknöpft und in Schutt und Asche gelegt. Alle ihre Erstgeborenen wurden getötet. Und trotzdem, nach einigen Generationen, können die Edomiter und Ägypter ihren Judenhass irgendwie überwinden. Doch den Nachfahren von Lot, dem Neffen unseres Urvaters Awraham, haben wir nie etwas angetan. Im Gegenteil: Awraham war unheimlich gütig zu Lot. Er nahm ihn auf, nahm ihn überall mit, verursachte seinen Reichtum - und rettete schliesslich sein Leben. Nach logischem Verständnis sollten uns seine Nachkommen einen Gefallen schulden und uns lieben. Doch es sind ausgerechnet diese Völker, die uns für alle Ewigkeit hassen! Wie kommt das?

Einmal hörte ich die Antwort auf diese Frage vom Rosch Jeschiwa (Oberhaupt der Talmudschule), Raw Ja'akow Ruderman, sz"l, der sich dabei auf den Chatam Sofer berief. Dies ist eine fundamentale Erkenntnis über das menschliche Wesen. Der Chatam Sofer pflegte zu sagen: "Ich weiss nicht, warum diese Person mich hasst. Ich habe ihr nie einen Gefallen getan!" Einfach betrachtet, scheint es keinen Sinn zu machen. Wir würden eher die Schlussfolgerung erwarten: "Ich habe ihm niemals etwas Böses getan."

Doch dies ist nicht, was der Chatam Sofer gesagt hat. Wenn man jemandem einen Gefallen tut, erzeugt es ein psychologisches Schuldgefühl auf Seiten des Empfängers, dass dieser seinem Gönner etwas schuldig ist. Eine gewisse Erwartung von Dankbarkeit geht damit einher - wenn auch nicht unbedingt explizit - und die meisten Menschen mögen es nicht, jemandem etwas schuldig zu sein. Je grösser der Gefallen war, umso grösser ist die Chance, dass er niemals auf angemessene Weise retourniert werden kann - was wiederum die Gefahr in sich birgt, dass der Empfänger gegenüber seinem Wohltäter ein Hassgefühl im Herzen aufbaut.

Dies ist der Unterschied zwischen Ammon und Moaw auf der einen Seite - und Edom und Mizrajim (den Ägyptern) auf der anderen. Es ist wahr, dass wir Ägypten zerstört haben, doch nach einigen Generationen ist man darüber hinweg. Der "Affront" gegenüber Edom hat sich vor 3600 Jahren ereignet. Ejsaw hat sich seitdem erfolgreich aufgerichtet - und kann darüber hinwegschauen. Doch Lot hat eingesehen, dass Awraham sein Leben gerettet hat. Ohne seinen Onkel würde es ihn gar nicht mehr geben. Diese Schuld in Form von Dankbarkeit, die niemals zurückgegeben werden konnte, war psychologisch nur so zu verarbeiten, indem der Gefallen "abgelehnt" und der Wohltäter in letzter Konsequenz gehasst wurde. Dieser Hass von Lot gegenüber Awraham, wurde über seine Töchter an die Völker von Ammon und Moaw weitergegeben - und es ist ein Hass, der für die Ewigkeit bestimmt ist.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

Chatam Sofer (1762-1839) [Rabbi Mosche Sofer / Schreiber]; Pressburg/Bratislava, Slowakei. Rosch Jeschiwa und einer der führenden Rabbiner des 19. Jahrhunderts. Er schrieb zahlreiche Werke, wie acht Bände Responsen, 18 Bände Erklärungen zum Talmud, Kommentare zur Tora, Briefe, Gedichte und ein Tagebuch. Die meisten Werke tragen den Namen „Chatam Sofer“.

Rav Ja'akow Ruderman, sz"l [1901-1987], Rosch Jeschiwa  Rav Ruderman (1901 -1987): Früherer Rosch Jeschiwa der Jeschiwa Ner Israel (in der Rav Frand lehrt) in Baltimore, USA.

 

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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