Elul
/Paraschat Ki Tawo

Raw Frand zu Paraschat Schoftim 5779 – Beitrag 2

Die doppelte Torah: Mischneh Torah

Ergänzungen: S. Weinmann

Wir lernen im Zusammenhang mit dem jüdischen König: „Und wenn er auf dem Throne seines Reiches sitzt, soll er sich diese Torah, die bei den Priestern aus dem Stamme Levi liegt, zweimal („Mischneh Torah“) auf eine Rolle schreiben.“ [Dewarim 17:18]

Raschi bezieht den Ausdruck „Mischneh Torah“ auf zwei Torahrollen; eine soll er in seine Schatzkammer legen und eine soll ihn überallhin begleiten. Rav Elja Me’ir Bloch sagt, dass ein König zwei Torahrollen benötigt, weil ein Mensch und speziell der König immer ein Gefühl dafür haben muss, was seine Generation auf sich nehmen kann.

Es liegt uns fern, dass die Torah verändert oder die Halacha (jüdisches Gesetzesrecht) verwässert werden kann, dass sie der Gesellschaft genehm ist. Wichtig ist es jedoch zu wissen, dass es vorkommen kann, dass eine bestimmte Generation nicht imstande ist, alle Mizwot in ihrer Vollständigkeit einzuhalten. Dem König muss klar sein, dass er den Menschen manchmal nicht mehr aufbürden kann als ihre geistigen Möglichkeiten ihnen in diesem Augenblick erlauben.

Und so drückt sich Rabbi El‘asar bar Rabbi Schim’on im Traktat Jewamot [65b] aus: „So wie ein Mensch eine Mizwa hat, dem anderen eine Sache zu sagen, die derjenige annehmen wird, genau gleich hat er eine Mizwa eine Sache nicht zu sagen, die der andere nicht annehmen wird.“

Rav Elja Me’ir Bloch zitiert einen Passuk aus den Prophetenbüchern, welcher den gleichen Gedanken unterstreicht: „Haschem, G-tt gab mir einen Mund zum Lehren, dass ich die Bedürfnisse meiner Zeit verstehe und die nach Wissen Dürstenden auf verständliche Weise unterrichte.“ [Jeschajahu 50:4] Der Prophet, der König oder der jüdische Führer muss sich im Klaren sein, dass es gewisse Situationen gibt, in denen er den Menschen helfen muss sich zu vervollkommnen und es kann sein, dass er dies von ihnen nicht auf einen Schlag verlangen kann. Das Volk reagiert nicht immer auf eine Weise, dass es Sinn macht, jederzeit von ihnen das Maximum zu verlangen.

Der König benötigt eine eigene Torah, die mit ihm ein- und ausgeht. Das ist die Schriftrolle, die er verwendet, wenn er zum Volk predigt. Das ist die Rolle, die ihn lehrt, was zurzeit gesagt werden soll und was nicht. Zusätzlich benötigt der König jedoch auch eine unberührte Torahrolle, die den Elfenbeinturm seiner Schatzkammer nie verlässt. Das ist das Original, in dem er im Zweifelsfall nachschlagen muss. Obwohl er bei seinen Massenpredigten eine andere Torahrolle vor sich hat, muss ihm die Torahrolle in seiner Schatzkammer, der „Gold-Standard“, immer vor den Augen sein.

Das richtige Verständnis der Torah muss für den König die Grundlage bilden und darf nie aus den Augen verloren werden.

Kürzlich sah ich einen Zeitungsbericht über „das Kilogramm“ in Paris. „Das Kilogramm“ in Paris ist der genaue Gewichtsstein, an dem alle anderen Kilogramme der Welt gemessen werden. Es wird in einem Schrank unter dreifachem Sicherheitsglas aufbewahrt, um sicherzustellen, dass es von der Umgebung nicht auf die geringste Art und Weise beeinträchtigt wird. Die Wissenschaftler befürchten leider, dass dieses Ur-Kilogramm über die Jahre hin etwas von seinem Gewicht verloren hat. Dies wirkt sich, zumindest theoretisch, auf das gesamte Geschäftsleben der Welt aus! Das reine Kilo-Mass darf niemals verfälscht werden.

Die Sefer Torah, welche der Jüdische König in seiner Schatzkammer aufbewahrte, ist der Standard, an dem alle anderen Sifrej Torah der Welt, auch die Sefer Torah, die mit ihm ein- und ausgeht, gemessen werden.

Quellen und Persönlichkeiten:

  • Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland), "Vater aller Torahkommentare".
  • Rav Elja Me'ir Bloch (1895 – 1955): Rosch Jeschiwa in Tels, Litauen, und Cleveland, USA.

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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