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/Paraschat Re'eh

Rav Frand zu Paraschat Kedoschim 5779 – Beitrag 1

Wie man sich Götter aus Gold und Silber schafft

Im Passuk (Vers) steht geschrieben: „Ihr sollt euch nicht den Götzen zuwenden, und gegossene Götter sollt ihr euch nicht machen, ich bin der Ewige, Euer G-tt.“ [Wajikra 19:4] Rabbi Jerucham Leibowitz szl., der Mirer Maschgiach, weist bei diesem Vers auf einen Widerspruch hin. Zu Beginn spricht der Vers von Götzen („Elilim“), wertlosen Steinklumpen oder Felsbrocken. Im gleichen Vers, gerade anschliessend, nennt die Torah das, was vorher ein wertloser, lebloser Gegenstand war, gegossene Götter („Elohej Massejcha“) aus Gold und Silber. Wie wird aus einem wertlosen Stein eine Gottheit? (Raschi zur Stelle erwähnt schon diesen Widerspruch)

Zum Vers [Schemot 20:3] „Du sollst keine anderen Götter („Elohim achejrim“) haben vor Meinem Angesichte“ sagt der Midrasch, wie Raschi zur Stelle zitiert: „Will dies sagen, dass es andere Götter gibt? Nein, dies bedeutet, andere (Achejrim) machen sie zu Göttern (Elohim).“ (Richtige Übersetzung: „Du sollst keine Götter von Anderen haben…“)

Dieser Ma’amar Chasal (Ausspruch unserer Weisen) formuliert eine unglaubliche Sache: Wir können jede Sache nehmen und aus ihr einen Gott machen. Wenn wir gestern mit unseren eigenen Händen etwas geschaffen haben und dies nur ein Götze (Elil) war – wenn wir ihn dann rühmen, loben und verehren, so haben wir ihn zu einem Gott gemacht.

Wende dich keinen Elilim zu. Wenn du nämlich einmal auf Abwege gerätst und sogar einem Elil (Götzen) Bedeutung gibst, so wird dieser Elil zu einem Eloha (Gott). Er wird zum Gott erhoben. Unsere eigenen Handlungen machen sogar das niedrigste aller Dinge zum Gott.

Vor zwei- oder dreitausend Jahren waren die Menschen noch primitiv; damals glaubten sie noch an solchen Quatsch. Sie nahmen Dinge aus Stein, aus Metall, aus Gold oder aus Silber und sie machten sie zu Göttern. Sie waren dumm, rückständig und ungebildet. Wir aber sind moderne Menschen, oder?

Wir sind genau wie sie. Wir nehmen Gold und wir nehmen Silber und machen sie zu Göttern! Mit dem kleinen Unterschied, dass wir Gold nicht zu einem Gott machen, indem wir es zu einem kleinen Menschen oder einem kleinen Adler formen, sondern indem wir ihm die Gestalt einer Münze geben.

Auch wir erheben leblose Dinge zu Göttern. Was gestern ein Elil war, wird heute zum Eloha.

Kürzlich war ich ausserhalb der Stadt, auf dem Heimweg von Schul, der Synagoge, und bemerkte jemanden, der

sein Auto wusch. Aber er wusch nicht nur seinen Wagen – er schrubbte die Reifen! Er kniete am Boden und schrubbte mit der Bürste und Wasser und Seife – nicht den Wagen, sondern die Reifen! Worüber werden diese Reifen, zwei Minuten nachdem er mit seinem Wagen losgefahren ist, wohl rollen? Welchen Anblick bieten sie wohl dann? Aber man kann aus einem Reifen einen Gott machen.

Am folgenden Tag, einem Schabbat, machte ich einen Spaziergang um den Lake Washington mit seinen Vergnügungsbooten, die auf dem See kreuzten. (Entschuldigung, sie einfach Boote zu nennen, wird ihnen nicht gerecht.) Da sass einer auf seiner Jacht und genoss Olam Haseh (die Freuden dieser Welt). Was tat er? Er polierte den Chromstahl seiner Jacht. Der Tag war heiss und er hatte nichts anderes im Sinn als glänzendes Metall.

Der eine hat seine Reifen. Der andere hat seine Jacht. Haben wir uns einen Deut verändert? Sind wir weiter als „Götter aus Metall sollst du dir nicht machen?“ Das Gold ist dasselbe. Das Silber ist dasselbe. Es sind die gleichen leblosen Dinge, von denen wir genau wissen, dass sie leblose Holzstücke, Metall oder Gummi sind. Aber leider haben wir die Möglichkeit, sie zu Göttern zu machen.

Je mehr die Dinge sich ändern, desto mehr bleiben sie gleich.

Quellen und Persönlichkeiten:

  • Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); "Vater aller Torahkommentare".
  • Rav Jerucham Leibowitz (1874– 1936): Einflussreicher Denker, Maschgiach (Leiter und geistiger Ratgeber) der Jeschiwa in Mir, Litauen

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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