Adar Scheni
/Paraschat Zav


Rav Frand zu Parschat Sachor 5779

Sinnesänderung der Worte G“ttes, die ins Elend führen

Die Haftorah von Parschat Sachor, die wir diesen Schabbat lesen, ist ein Abschnitt vom Buch Schmuel (Samuel) 1, Kapitel 15. Ich finde diese Geschichte von Schmuel und Scha‘ul die interessanteste Haftorah des Jahres. Schmuel befiehlt König Scha‘ul, mit exakten Instruktionen, Amalek zu vernichten – verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel – um die Erinnerung an Amalek zu zerstören, gemäss dem Gebot der Torah, wie wir es zu Maftir diese Woche von Parschat Sachor lesen.

„Aber Scha‘ul und das Volk verschonten Agag (König von Amalek, das dann zur Geburt von Haman führte) und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber minderwertig und kärglich war, daran vollstreckten sie den Bann [Vers 9].“

Als nun Schmuel (am nächsten Morgen) zu Scha‘ul kam, sprach Scha‘ul zu ihm: „Gesegnet seiest du vom Ewigen! Ich habe Haschems Wort erfüllt [Passuk 13]!“

Dies ist ein sehr verwirrender Satz, da Scha‘ul die Instruktionen von Schmuel nicht strikt erfüllt hatte. Schmuel erkundigte sich sofort nach dem Ton der Schafe: „Was ist das für ein Blöken von Schafen, das zu meinen Ohren kommt, und ein Brüllen von Rindern, das ich höre [Passuk 14]?“

Da sprach Scha‘ul: „Von den Amalekitern hat man sie gebracht; denn das Volk verschonte die besten Schafe und Rinder, um sie zu opfern dem Ewigen, deinem G“tt; an dem andern haben wir den Bann vollstreckt [Passuk 15]? “

Darauf sagte Schmuel: Ist's nicht so: „Obschon du in deinen Augen minderwertig bist, so bist du doch das Haupt der Stämme Israels; denn Haschem hat dich zum König über Israel gesalbt. Und der Ewige sandte dich auf den Weg und sprach: Zieh hin und vollstrecke den Bann an den Frevlern, den Amalekitern, und kämpfe mit ihnen, bis du sie vertilgt hast! Warum hast du der Stimme des Ewigen nicht gehorcht, sondern hast dich an die Beute gemacht und getan, was Haschem missfällt [Verse17-19]?“

Scha‘ul antwortet komischerweise daraufhin: „Aber ich habe doch der Stimme von Haschem gehorcht und bin den Weg gezogen, den mich Haschem sandte…“ [Passuk 20]!

Wie verstehen wir diese Kommunikation? Dieser Dialog ist unverständlich! Jemand versteht hier etwas nicht richtig? Scha‘ul zeigt keine Reue! Er beteuert seine Gerechtigkeit.

Es gibt zwei Wege wie wir diese Frage beantworten können. Eine Erklärung sah ich im Namen vom Brisker Raw, Rabbi Chajim Soloweitschik, und zwar eine klassische halachische Antwort zu dieser Frage. Als Schmuel Scha‘ul den Befehl betreffend Amalek gab, sagte er: „…wehacharamtem es kol ascher lo… (und vollstreckt den Bann an alles, was ihm gehört) [Passuk 3].“

Wehacharamtem ist ein technischer Begriff, der bedeutet, dass alles was Amalek gehört in einen ‚Cherem‘ [Bann] getan werden muss. Cherem / Bann bedeutet, etwas das für mich verboten wird. Das kann Verschiedenes bedeuten, u.a. auch etwas dem lieben G“tt heiligen (spenden).

Dies, erklärt Rabbi Chajim Soloweitschik, ist die Erklärung für den Dialog zwischen Schmuel und Scha‘ul. Schmuel sagte, dass alles in einen ‚Cherem‘ gelegt werden muss. Scha‘ul erklärt, dass sie im Krieg die Tiere gesehen und gedacht hätten, dass es eine gute Idee wäre sie als Opfer (Cherem) darzubringen. Deshalb hätten sie sie mitgenommen. Sobald die Opfer dargebracht worden sind, brauch man sie nicht mehr zu töten (Cherem in anderem Sinn). Den Rest, der für Opfer nicht geeignet sind, hätten sie wirklich umgebracht (anderer Sinn für Cherem). Dies ist die „Brisker Einstellung“ zu diesem Thema.

Die Ba’alej Mussar haben einen anderen Zugang. Der Nawi (Prophet) sagt über Scha‘ul „Und er kämpfte im Tal (wajarew baNachal) [Passuk 5]. Der Talmud [Joma 22b] sagt, dass Scha'ul basierend auf dem Gesetz von Eglah Arufah [das Kalb, das man im Tal, nach einem ungeklärtem Mord, das Genick brechen musste] wie folgt argumentierte: Falls die Torah so sich um eine einzelne Person, die getötet wurde, sorgt - sowie wir es vom Ritual der Eglah Arufah sehen, dass deshalb einem Kalb das Genick gebrochen werden muss – dann ist es sicherlich nicht der Wille G’ttes, dass ganz Amalek, Männer, Frauen, Kinder samt all ihren Tieren umgebracht werden muss. Es muss sein, dass G’tt möchte, dass die Tiere von Amalek als Opfer dargebracht werden.

Dies ist ein klassisches Beispiel wie wir das Dewar Haschem (Wort G“ttes) zu dem drehen, was uns gerade passt. Das Dewar Haschem wird zu dem, was wir denken, dass dies das Dewar Haschem ist oder zu dem, was wir erwarten das Wort G“ttes zu sein. Dies ist warum wir so einen nebelhaften Dialog zwischen Schmuel und Scha‘ul finden. Dies ist warum Scha‘ul, nach der Art wie er die Dinge gedreht hat, mit gegensätzlichen Beweisen unverschämt erklärt: „Ich habe das Wort von G’tt erfüllt.“ 

Wir tun dies die ganze Zeit. „Dies ist was G’tt wirklich will.“ Wir haben die unheimliche Art, wenn wir debattieren was das Gesetz der Torah von uns verlangt, zu dem Schluss zu kommen, dass das Gesetz das ist, was wir wollen, dass es ist. Wir drehen die Torah zu unserer Zufriedenheit, bis alles was wir tun nicht nur sündenfrei, sondern auch die richtige Erfüllung des g“ttlichen Willens ist.

Benützen wir diese Woche die Gelegenheit sich die Lehre von Scha‘uls unheimlichen Überlegungen und Handlungen, die zu einer Katastrophe führten, zu Herzen zu nehmen.

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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