Raw Frand zu Parschat Pekudei 5763

Wir bemühen uns und erhalten unseren Lohn - für die Anstrengung

Parschat Pikudej schliesst mit dem Bau des Mischkan (Stiftzelt). Nach der Fertigstellung der einzelnen Teile des Mischkans wurden diese zu Mosche gebracht. Raschi sagt zu diesem Midrasch, dass die einzelnen Stücke zu Mosche gebracht wurden, weil ausser ihm niemand in der Lage war, sie zusammenzusetzen. Das Mischkan war ganz einfach zu schwer, als dass ein anderer es heben konnte. Da Mosche nicht am Bau des Mischkans beteiligt gewesen war, gewährte Haschem (G'tt) Mosche die Ehre, die einzelnen Teile des Mischkans zusammenzusetzen.

Als Haschem Mosche anwies, das Mischkan zusammenzustellen, entgegnete Mosche, dass er es ebenfalls nicht heben konnte. Daraufhin befahl Haschem Mosche, sich trotzdem die Mühe zu machen. "Erwecke den Anschein, als ob du versuchst, es aufzustellen." Mosche nahm die Aufgabe in Angriff und wunderbarerweise stellte sich das Mischkan von selbst auf. Da Mosche die Anstrengung unternommen hatte, wurde ihm der Lohn dafür gutgeschrieben.

Rav Me'ir Rubman erklärt, dass dieser Midrasch uns eine wichtige Lehre über das geistige Wachstum vermittelt. Der Midrasch sagt, dass wir eine Aufgabe - trotz den Schwierigkeiten, die sie uns bietet - in Angriff nehmen müssen. Auf anderen Gebieten zählen nur die Resultate. Im Judentum gelten jedoch andere Regeln. Haschem ist nicht nur an den Ergebnissen interessiert; Haschem möchte, dass wir uns bemühen.

Normalerweise ist es kein besonderes Kompliment, wenn jemand für eine Aufgabe die Note 6 (sehr gut) fürs Bemühen erhalten hat. In Wirklichkeit hat diese Person eine 4 (genügend) bekommen; aber für die Anstrengung wurde sie mit einer 6 belohnt. Dies gilt in allen anderen Bereichen des Lebens. Geht es jedoch um die Mizwot, die g'ttlichen Gebote, erwartet Haschem von uns nichts anderes, als dass wir uns bemühen. Ob wir eine Aufgabe zu Ende führen können oder nicht, hängt oft gar nicht von uns ab, sondern von G'tt.

Beim Abschluss einer Mesechta (Talmudtraktat) sagen wir das Gebet: "Wir bemühen uns und die anderen bemühen sich. Wir bemühen uns und bekommen unseren Lohn und die anderen bemühen sich und bekommen keinen Lohn." Was bedeutet "die anderen bemühen sich und bekommen keinen Lohn"? Auf den ersten Blick scheint dies nicht richtig zu sein. Kein Mensch arbeitet ohne Bezahlung!

Die Antwort ist folgende: Wenn wir an religiösen Projekten arbeiten, bekommen wir unseren Lohn, Resultat hin oder her. Die "anderen" werden jedoch nur fürs Endresultat bezahlt. Bei allen anderen Projekten bekommt eine Arbeit, die keine Früchte trägt, auch keinen Lohn.

Vor nicht allzulanger Zeit war ich in Atlanta zu einem Torahvortrag. Atlanta hat eine erstaunliche Gemeinde. Vor dreissig Jahren hatten sie noch kein Minjan (Gruppe von zehn Männern) von Schomrej Schabbos (Personen, die die Schabbatgesetze beachten). Heute kommen über 300 Leute am Schabbos nach Schul (Synagoge) - alle haben sich in der Beachtung der Mizwot gefestigt oder sind im Begriff dazu.

Ich habe Rabbi Emanuel Feldman (pensionierter Rabbiner der Beth Jacob-Gemeinde in Atlanta) gefragt: "Was ist der Schlüssel zu Ihrem Erfolg?" Rabbi Feldman antwortete mir, der Schlüssel zum Erfolg sei der stete Versuch, Samen zu pflanzen. Das ist alles, was ein Rabbiner tun kann. Er kann versuchen, die Setzlinge zu düngen und zu bewässern, aber mehr kann er nicht tun. Er weiss nie sicher, ob seine Arbeit Früchte tragen wird oder nicht.

Da war zum Beispiel eine Person, die erst vor kurzem wieder intensiv zur jüdischen Religion und zur Einhaltung der Gesetze zurückkehrte. Sie vertraute Rabbi Feldmann an, dass sie sich nach einer Jom Kippur- Rede, die er vor 15 Jahren gehalten hatte, dazu entschlossen hatte. Eine Bemerkungen während dieser Ansprache hatte grossen Eindruck auf sie hinterlassen. Damals zog sie keine Konsequenzen; erst 15 Jahre später entschloss sie sich, religiös zu werden.

Erfolg ist nicht alles. Bei Kiruv Rechokim (Bemühung um die Fernstehenden), geht es um den persönlichen Einsatz. Haschem wird sich schon darum kümmern, dass das Mischkan aufgestellt wird. An uns ist es, unseren Einsatz zu leisten und dann erhalten wir unseren Lohn - für unsere Bemühungen.


Quellen und Persönlichkeiten:
Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); "Vater aller Torahkommentare".
Midrasch: Erklärung zur Torah, oft mit Gleichnissen.
Rabbi Me'ir Rubman (gest. 1967): Autor des Werkes Sichron Me'ir, Spezialist in jüdischer Ethik und Rosch Jeschiwa in Haifa, Israel.



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