Raw Frand zu Parschat Wajakhel - Pekudej - Hachodesch 5773

Die erste Mizwa lehrt uns etwas in Bezug auf alle Mizwot

Diesen Schabbat lesen wir in der zweiten Sefer Tora „Parschat Hachodesch“. Dieser Abschnitt ist ein Teil von Parschat Bo [Schemot 12, 1-20]. In diesem Abschnitt finden wir die ersten Mizwot (Gebote), die das jüdische Volk als nationale Einheit erhielt. (Die drei Mizwot, die zuvor, im Buch Bereschit, erwähnt sind, wie „Peru uRewu“ (Heiraten und Kinder haben), „Brit Mila“ (Beschneidung) und „Gid Hanasche“ (Verbot des Essens der Spannader) wurden befohlen, bevor das Volk Israel existierte.) Die erste Mizwa ist die Festlegung der Monate des Jahres durch das Bet Din (jüdisches Gericht) [Schemot 12, 2].

Zeugen müssen zum Gericht kommen und aussagen, dass sie den Neumond gesehen haben. Auf Grund dieser Aussage wird das Gericht den neuen Monat verkünden, und auf Grund dessen werden ebenfalls die jüdischen Feiertage festgelegt. In der Tat erwähnt bereits die erste Raschi im Chumasch, dass die Tora eigentlich mit Kapitel zwölf aus Schemot hätte beginnen sollen, denn dort finden wir die ersten Mizwot, die das jüdische Volk erhielt.

An mehreren Stellen seiner Erklärungen, darunter auf das Buch Mischle (Sprüche), schreibt der Wilnaer Gaon, dass der einleitende Vers eines Sefer (Buch) im Mikrokosmos den gesamten Inhalt des Sefers umfasst. Wenn wir diese Maxime übernehmen, könnte man sagen, dass angesichts der Tatsache, dass (nach Raschi) die Tora mit dem Passuk (Vers) "Diese Mondserneuerung sei euch der Beginn der Monate" hätte beginnen sollen, uns dieser Passuk in der Tat etwas Grundsätzliches sagt und uns diese Mizwa als gemeinsamer Nenner für alle 613 Mizwot dient! Was ist dieser gemeinsame Nenner?

Auf der Welt ist nichts so voraussehbar wie die astronomischen Berechnungen der Zyklen von Sonne und Mond. Wir wissen, dass der Sonnenaufgang heute in fünf Jahren zur genau gleichen Zeit stattfinden wird wie heute, dasselbe auch in zehn Jahren und in hundert Jahren. Ebenso wissen wir seit über 3'300 Jahren (was die Wissenschaft erst heute weiss), dass ein

jüdischer Monat aus 29 Tagen, 12 Stunden und 793/1080 einer Stunde (Chalakim) besteht. Was bringt es also, dass Zeugen kommen, um auszusagen, dass sie den neuen Mond gesehen haben, eine Berechnung die der jüdische Gerichtshof auch ohne ihre Aussage wusste? Warum ist dies eine biblische Mizwa? Es ist reine Wissenschaft! Es ist Rechnen! Was hat dies mit Religion zu tun?

Offensichtlich ist der Tachlit (Zweck) dieser Mizwa nicht ihr Informationswert. Vielmehr liegt ihr Zweck in der Ausübung der Mizwa selbst. Dies bedeutet, dass wir Mizwot nicht für sachdienliche Zwecke tun sollen. Wir "erreichen" damit nichts im Hinblick auf konkrete weltliche Errungenschaften, die einen praktischen Wert haben. Der Hauptgrund für jede Mizwa ist, dass wir mit ihr den Willen des Schöpfers erfüllen.

Die Mizwa der Heiligung des Neumondes, wie auch alle anderen Mizwot, erfüllen wir in erster Linie deshalb, weil G-tt uns dies befahl. Indem wir sie tun, gehorchen wir dem Allmächtigen und unterwerfen unseren Geist und unseren Körper Seinem Willen. Als erste Mizwa der Tora, lehrt uns diese Mizwa etwas für alle Mizwot. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass es unbedingt eine "praktische Anwendung" durch unser Tun gibt, ausser dass es uns daran gewöhnt, den Willen des Schöpfers zu erfüllen.

Weiterer Gedanken zu Parschat Hachodesch

"Diese Mondserneuerung sei euch der Beginn der Monate; er (der Monat Nissan) sei euch der erste unter den Monaten des Jahres“ [Schemot 12, 2].

Der Unterschied zwischen Schana - Jahr und Chodesch - Monat. Das Wort 'Schana' - ein Jahr steht in sprachlichem Zusammenhang mit 'Jaschan' - alt, und auch 'Schejna' - Schlaf. Dies bedeutet, dass alles in ihm schon von der Zeit der Schöpfung an festgesetzt ist. Dies deutet auch darauf hin, dass alle Naturgesetze vom Schöpfer der Welt stammen, und dass es weder Änderung - Schinnui - noch Erneuerung - Chiddusch - gibt.

Das Wort 'Chodesch' - Monat - kommt von 'Chiddusch' - Erneuerung. Dies bedeutet, dass alles, was wir im Augenblick erkennen, nicht unbedingt auch in der Zukunft so sein wird, sondern, dass wir auch eine Erneuerung erwarten können. Dies ist ein Hinweis für Wunder und übernatürliche Erscheinungen, die der Heilige, gelobt sei Er, seinen Geschöpfen offenbart, um zu zeigen, dass Er der Herr der Welt ist.

Der Unterschied zwischen Israel und den anderen Völkern: Für die Völker der Welt ist das Jahr Wegweiser und Sinnbild für Weltordnung. Für sie bedeutet die Weltschöpfung der Zeitpunkt, der sie an die Naturgesetze bindet, die für alle Zeiten unabänderlich sind. Doch für Israel hat G'tt in gewissen Situationen die Naturregeln gebrochen, und ihnen durch Wundertaten neue Wege gewiesen, und so konnte auch die Befreiung aus Ägypten bewirkt werden. Denn Er erkor sich eine Nation aus der Mitte einer anderen Nation, indem er Prüfungen, Zeichen, Wundertaten und Kriege stattfinden liess. Mit starker Hand, mit ausgestrecktem Arm und mit Schrecken offenbarte Er seine g'ttliche Anwesenheit. Auch in den späteren Generationen sind diese Wunder immer wieder in Erscheinung getreten.

Für die anderen Nationen bleibt nur 'Rosch Haschana - der Kopf (Anfang) des Jahres' als Erinnerung an die Schöpfung der Welt. An diesem Tage wird über alle Nationen Gericht gehalten. Für Israel aber gibt es auch andere 'Köpfe - Anfänge', z.B. Rosch Chodesch, den Monatsanfang. Von diesen „Anfängen“ ist einer der Anfang aller Monatsanfänge: der Monat Nissan. In jedem Monat erwartet Israel Erneuerung seiner Kräfte, sei es durch natürlicher oder übernatürlicher Mittel. Doch im Monat Nissan (der jetzt ansteht) ist die Hoffnung auf eine neue, g'ttliche Offenbarung stärker. Darum steht: 'Dieser Monat sei für euch...', das heisst, diese Führungsweise durch Erneuerung der Schöpfung ist nur für euch bestimmt. Gerade der Monat Nissan ist dazu geeignet, als erster Monat eine übernatürliche Weltordnung in Erscheinung treten zu lassen.

Zuerst und an erster Stelle - Obwohl die festgesetzten Naturgesetze der Schöpfung auch für Israel gegeben wurden, und ihre Wege für sie ebenso massgebend sind wie für andere Völker und sie so ihr Leben gestalten, so hat für Israel doch das Erscheinen von Wundern und übernatürlichen Geschehnissen mehr Bedeutung als die natürliche Führung der Welt. Dies ist auch der Sinn der Worte: 'Er sei euch der erste unter den Monaten des Jahres', d.h. der Chodesch - der Monat - im Sinne von Chadasch - neu - hat für euch den Vorrang und soll wichtiger sein als Schana - das Jahr, in der Bedeutung von Jaschan - alt. Israels Überlebenskraft und seine Tapferkeit, die es in allen Generationen bewiesen hat, sind nur verständlich, wenn man darin G'ttes Eingreifen durch Wunder und übernatürliche Geschehnisse erkennt. Als der Heilige, gelobt sei Er, ihnen am Sinai erschien, hatte Er gesagt: 'Ich bin der Ewige, Dein G'tt, der Dich aus dem Lande Ägypten herausgeführt hat.' Er sagte nicht 'der euch geschaffen hat.' Es ist, als ob Er damit ausdrücken wollte, dass Er das weniger Wesentliche nicht zu erwähnen braucht, sondern nur dem grossen Ereignis Bedeutung zumisst.

„Lachem, awurchem - für euch, um euretwillen - Beim Auszug aus Ägypten hat G'tt alle bestehenden Regeln der Natur verändert, um Seine Stellung als Schöpfer der Welt zu beweisen. Er wollte zeigen, dass alles nach Seinem Willen geschehe, und dass Er die Welt Israel zuliebe, um ihretwillen geschaffen habe. Als nun G'tt durch Änderungen der Naturgesetze Seine grosse Macht zeigen wollte, so tat Er dies für Israel, Sein Volk. Wohl hätte Er die Erlösung Israels auch durch natürlich Mittel durchführen können. Auch hätte Er Sein Volk ohne die Knechtschaft in Ägypten zum Ziele führen können. Doch das Exil war notwendig, um Israel und der ganzen Welt klarzumachen, dass die ganze Weltordnung, ihre Gesetze und alle in ihr waltenden Kräfte dem g'ttlichen Willen allein unterstellt sind, und dass Er sie um Seines Volkes willen ändern kann. Darum steht: 'Dieser Monat sei für euch...', um euretwillen ist die Weltordnung durch Wundertaten und übernatürlichen Ereignissen erneuert worden, damit ihr steigt und euch erhebt, so wie auch Mein Name in der Welt erhaben ist.

Und die Tora, die das jüdische Volk anschliessend an den Auszug aus Ägypten, erhielt, ist die Quelle der Erneuerung. Damit unterscheidet sich das Volk Israel von allen anderen Nationen. Und deswegen veränderte der Heilige, gelobt sei Er, seinetwillen, der Welten Lauf, damit Er das Volk zur Erlösung führen kann. Er gab ihm die Kraft, Umwälzungen der Natur zu bewirken, und dies zu jeder Zeit.

Aber steht denn nicht geschrieben: 'Es gibt nichts Neues unter der Sonne' (Kohelet / Prediger 1,9)? Die Antwort: Die Tora ist schon vor der Schöpfung der Welt geschrieben worden, also älter und höherstehend als alle anderen Schöpfungen der Natur. Da Israel beschloss die Tora zu empfangen und in ihren Wegen zu wandeln untersteht somit das jüdische Volk der Tora, die der ganzen Natur zuvorkam. Unter der Sonne gibt es also nichts Neues, aber darüber, in der Tora, ist immer Neues zu finden. Deshalb gab Er uns diese Kraft und diese Würde, sich immer wieder – sehr oft auch durch Wunder - zu erneuern.

Quellen und Persönlichkeiten:

  • Wilnaer Gaon: Rabbi Eljahu ben Schlomo Salman von Wilna (1720 – 1797), Torahgenie, Autor von zahlreichen Büchern und Kommentaren; Wilna.

 

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