Tamus
/Paraschat Pinchas

«Assuta - Gesundheit!» - Perspektiven zu Paraschat Wajechi 5780

Grundlage des Beitrages aus: Die Jüdische Zeitung Nr. 51/52 13. Tewes 5779 / 21. Dezember 2018.

Überarbeitet und ergänzt von S. Weinmann

«Assuta - Gesundheit!»

Das Niessen ist in der heutigen Zeit keine ungewohnte Sache. Das war jedoch früher, vor Ja’akow Awinus Ableben, ganz anders. Damals bedeutete es das Aushauchen der Neschama (Seele). So wie Haschem die Neschama eines Menschen in sein Inneres einhaucht und ihn dadurch zum Leben erweckt, wie es bei der Schöpfungsgeschichte  heisst: «Und der Ewige formte den Menschen aus Staub der Erde und blies ihm in seine Nase eine Seele des Lebens…» [Bereschit 2,7], so erfolgte auch das Ableben. Der Mensch musste niessen und auf dieser Weise hauchte er seine Neschama aus.

Eine weitere Sache verlief damals anders: Ein Mensch hatte absolut keine Ahnung, wann seine Zeit gekommen sei und er vor seinem Ableben stehe. Plötzlich und ganz unvorbereitet musste er niessen, worauf er starb.

Ja’akow Awinu bat Haschem um Erbarmen, dass ein Mensch auf seinen Tod vorbereitet werden und zuerst erkranken soll [Traktat Baba Mezia 87a]. Als Grund dafür bringt Raschi dort zur Stelle, dass eine Person realisieren kann, wann die Zeit gekommen ist, seinen Nachkommen ein Vermächtnis zu machen. Dieser Grund wird auch im Pirkej deRabbi Elieser [Kap. 52], Midrasch Raba [Bereschit 65:9] und Jalkut Schim’oni [Abschnitt 77] angegeben.

In Raschi (Traktat Sanhedrin 107b) steht hingegen ein anderer Grund: «Ja’akow Awinu bat, dass ein Mensch vor seinem Ableben erkranken soll, dass die Kinder bei seinem Ableben dabei sein können. Sobald die Kinder eines Menschen sehen, dass der Vater schwer erkrankt ist, kommen sie von überall, um bei seinem Ableben dabei zu sein.»

Raw Baruch Epstein sZl schreibt in seinem Werk Tora Temima, dass die erste Erklärung eine gewisse Verwunderung hervorruft. Man muss, um ein Testament schreiben zu können, überhaupt nicht den genauen Zeitpunkt des Ablebens wissen, denn jeder Mensch kann sein Testament zu einem ihm beliebigen Zeitpunkt schreiben. Zusätzlich enthüllen uns Chasal, dass bereits frühere Generationen Testamente geschrieben oder mündlich abgegeben hätten. Wie z.B. Awraham [Sanhedrin 91a], der die Vermögensaufteilung zwischen seinem Sohne Jizchak und seinen anderen sieben Söhnen genau geregelt hatte. Desweiteren finden wir ein Vermächtnis von Kena’an an seinen Söhnen [Traktat Pessachim 113b] und von Schejt an seinen Kindern.

Deshalb erklärt Raw Epstein in seinem Werk Tora Temima, dass das Vermächtnis, über das das Raschi in Baba Mezia und die Midraschim sprechen, nicht das Testament des Erblassers über sein Vermögen gemeint sei. Sondern auch sie verfolgen das gleiche Ziel, wie es Raschi in Sanhedrin erklärt, dass die Kinder bei seinem Ableben dabei sein können, um ihnen ein ganz spezielles Vermächtnis mitzuteilen.

Das Vermächtnis beinhaltet die Lebensweisungen und die persönlichen Zurechtweisungen der Kinder und diese können, um die maximale Wirkung zu erzielen, nur unmittelbar vor dem Ableben des Menschen erfolgen. Und dies war auch das Vermächtnis, das Ja’akow Awinu jedem einzelnen Stamm und allen gemeinsam, vor seinem Ableben mitgab, wie es in unserer Parascha ausführlich beschrieben ist.

Dies ist das wahre Testament und Vermächtnis eines jeden Jehudi und dies war der Grund von Ja’akow Awinus Bitte an G-tt, dass ein Mensch auf seinen Tod vorbereitet sein und zuerst erkranken soll. Er war das Vorbild für den Klall Jisrael für alle Generationen, wie der Lebenszweck und das Lebensziel weitervererbt werden kann. Jeder Jehudi soll den Zeitpunkt seines Ablebens wissen, seine Kinder zu sich rufen zu können um ihnen verstehen zu geben, wofür sie leben und auf worauf sie achten müssen!

Und zum Abschluss ein weiterer sehr wichtiger Punkt zu diesem Thema:

Im oben zitierten Pirkej deRabbi Elieser [Kap. 52] und Jalkut Schim’oni [Abschnitt 77] steht: Bis zur Zeit von Ja’’akow Awinu war ein Mensch nie auf sein Ableben vorbereitet. Er arbeitete, war auf dem Marktplatz oder unterwegs, plötzlich nieste er und hauchte seine Seele aus. Deshalb bat Ja’akow Awinu Haschem um Erbarmen, dass sich dies ändern soll und ein Mensch auf seinen Tod vorbereitet werden und zuerst erkranken soll. Der Ewige erhörte sein Gebet und wirklich Ja’akow Awinu war der erste, der vor seinem Tod erkrankte. Deshalb ist ein Mensch bei seinem Niessen verpflichtet, G-tt für die Erlösung vom Tod zu danken.

Nicht nur das, es ist auch angebracht, dass der dies Hörende dem Niessenden «Assuta» oder «Marpe» (in Hebräisch: Labriut, in Deutsch: Gesundheit) wünscht, siehe Traktat Berachot 53a und dort Raschi zur Stelle.

Deshalb steht in der Halacha, siehe Mischna Berura Ende Siman 230: Wer niesst, soll sein Freund ihm «Assuta» (Gesundheit) wünschen. Der Niessende antwortet: «Baruch Tihje» (Sei gesegnet). Darauf soll der Niessende folgenden Dankesspruch sprechen: «Lij’schuot’cha kiwiti Haschem!» (auf Deine Hilfe hoffe ich G-tt!), als Dank, dass G-tt ihn vom Tod erlöst hat. 

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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