Adar Rischon
/Paraschat Ki Tissa/


Raw Frand zu Parschat Wajigasch 5770

Die Keriat Schema Verschleierung: Wenn das "Sehen" den Glauben stört

Der folgende Gedanke ist in der Einleitung zu den Responsen des Kol Arje abgedruckt. Ursprünglich habe ich ihn gehört, als Raw Nosson Kulefsky ihn beim Begräbnis seines Vaters Raw Ja‘akow Mosche Kulefsky, sz‘l zitierte. Damals machte er einen sehr grossen Eindruck auf mich und ich beschloss, ihn bei Gelegenheit mit meinen Lesern zu teilen.

Als Ja’akow daran war, nach Ägypten zu reisen, erschien ihm der Allmächtige und sagte zu ihm: "Ich bin G’tt – der G’tt deines Vaters. Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinunter zu steigen, denn Ich werde dich dort zu einem grossen Volk machen. Ich werde mit dir nach Ägypten hinabziehen und Ich werde dich auch wieder heraufbringen; und Josef wird seine Hand auf deine Augen legen." [Bereschit 46:3-4]. Bezüglich den Worten "und Josef wird seine Hand auf deine Augen legen" sagt der Sohar: "Dies ist die Essenz des Geheimnis von Keriat Schema."

Was bedeutet dieser rätselhafte Kommentar des Sohar? Der Kol Arje erklärt diesen Sohar und basiert sich auf eine Stelle im Talmud [Pesachim 50a]: "Raw Acha bar Chanina sagt: Diese Welt ist nicht wie die nächste Welt. In dieser Welt sagt man die Beracha 'Gesegnet sei Derjenige der gut ist und Gutes tut' (HaTow uMetiw) auf gute Neuigkeiten und ‚Gesegnet sei der wahre Richter' (Dajan haEmet) auf schlechte Nachrichten. In der kommenden Welt aber wird nur 'Gesegnet sei Derjenige, der gut ist und Gutes tut' gesagt." Der Talmud benutzt diese Lehre um den folgenden Pasuk zu erklären "Und Haschem wird König sein über die ganze Welt; an jenem Tag wird der Ewige einzig sein und Sein Name einzig." [Secharja 14:9]

Raw Jecheskel Landau, (welcher im achtzehnten Jahrhundert in Prag lebte) erklärt in seinem Kommentar 'Zlach' auf den Traktat Pesachim, dass wir leider tragische Dinge sehen auf dieser Welt. Gelegentlich gibt es auch gute Neuigkeiten, doch dieses Leben ist  voller scheinbar tragischer Ereignisse. Ein Jehudi muss glauben (was einfacher gesagt ist als getan), dass schlussendlich alles gut ist. Während allen Generationen gab es Zaddikim (Gerechte, Fromme), die sagten 'auch dies ist zum Guten' (gam su leTowa), egal was ihnen im Leben geschah. Die meisten Leute jedoch unterscheiden auf dieser Welt zwischen „guten Dingen“ und „schlechten Dingen". In der künftigen Welt jedoch, wenn wir nicht durch Zeit gebunden sind und alles im Kontext des vollständigen Bildes sehen werden, werden wir erkennen können, dass alles wirklich "gut" ist. Deshalb werden wir sogar auf die Dinge, die “schlecht” erscheinen - die Beracha "HaTow uMetiw" sagen können.

Der Kol Arje zitiert seinen grossen Lehrer, den Chatam Sofer (welcher von 1762 - 1839 in der Slowakei lebte), der die Antwort des Allmächtigen auf Mosches Bitte, "Zeig mir, bitte, Deine Herrlichkeit" [Schemot 33:18] erklärte. Basierend auf den Talmud [Brachot 7a], stellte Mosche die tiefgründige und uralte Frage: "Weshalb gibt es gerechte Menschen, die leiden und schlechte Menschen, die Erfolg haben?" Haschem antwortete: "Siehe! Es gibt einen Ort bei Mir; da kannst du auf dem Felsen stehen. Und es wird sein, wenn meine Herrlichkeit vorbeizieht so werde Ich dich in eine Felskluft stellen; Ich werde dich mit Meiner Hand bedecken, bis Ich vorbeigezogen bin. Dann werde Ich Meine Hand entfernen und du wirst Mich von hinten sehen, doch Mein Gesicht kann nicht gesehen werden." [Schemot 33:21-23]. Der Chatam Sofer erklärt die Idee, Haschem von hinten und nicht von vorne zu sehen auf eine sinnbildliche Art.

"Mein Gesicht kann nicht gesehen werden" bedeutet Dinge zu verstehen, während sie geschehen. Wir Menschen sind unfähig – aus unserer Perspektive – zu verstehen, weshalb Gerechte leiden und Schlechte Erfolg haben. Nur wenn der Mensch „bei G’tt steht” und die ganze Geschichte von Anfang bis zum Ende sehen kann, wird er Dinge in ihrem Kontext verstehen und erkennen, dass alles wirklich das Beste ist. "Von hinten sehen" bedeutet im Nachhinein.

Wenn wir Keriat Schema sagen, so sagen wir eigentlich, dass wir glauben, dass Haschem immer das Gute tut. „Höre Israel, Haschem, ist unser G’tt (Elokejnu), Haschem ist einzig“.

Wir wissen, dass Haschems Name Elokim, Seine Eigenschaft des Rechts repräsentiert. Der Name Haschem (Jud-Kej-Waw-Kej) ist der Name, welcher die Eigenschaft der Gnade repräsentiert. Die Erklärung der Deklaration von Schema Jisrael ist also die folgende: "Verstehe Israel, der Name Haschem (Jud-Kej-Waw-Kej), welcher Gnade und Mitleid repräsentiert, ist identisch mit dem Namen - Elokjenu – unserem G’tt des Gerichts; - Haschem echad - alles ist eins. Manchmal erscheint Er gnädig  und manchmal als ein strenger Richter, doch wir müssen glauben, dass ultimativ alles vom Namen Haschem stammt – dem Namen, der mit Gnade in Verbindung gebracht wird.

Der Talmud sagt aus [Brachot 13b], wenn Rabbi Jehuda HaNasi Keriat Schema sagte, bedeckte er jeweils seine Augen. Deshalb verordnete der Tur und der Schulchan Aruch – und dies ist der universelle Gebrauch – dass jeder Jehudi seine Augen bedecken soll, wenn er Keriat Schema sagt. Weshalb tun wir dies? Denn manchmal, wenn wir versuchen ‚Haschem Elokenu Haschem Echad‘ zu sagen, und damit unseren Glauben aussprechen, dass die Eigenschaft der Gnade und die Eigenschaft des Gerichts die gleichen sind, gibt es zu viele Sorgen unmittelbar vor unseren Augen, sodass wir diese Aussage nicht vollständig glauben können. Es fällt uns schwer, zu sagen, dass alles zum Guten ist. Deshalb bedecken wir unsere Augen, sodass wir – wenigstens symbollisch – all unsere Probleme nicht sehen können.

Der Kol Arje sagt, wenn wir ein Beispiel für dieses Konzept wollen – dass alles, was der Allmächtige tut, zum Guten ist – egal wie es aussieht, so können wir dies im Leben von Josef finden. Sein Leben verkörpert diesen Glauben. Er wurde von seinen Brüdern gehasst, in eine Grube geworfen, als Sklave verkauft, von der Frau seines Herrn verleumdet, und für zwölf Jahre ins Gefängnis gesteckt. Was dachte er sich während all dem?

Schliesslich aber, weil er im Kerker in Ägypten war, wurde er vor Pharao erwähnt, er wurde der zweite Mann in Ägypten, er ernährte ganz Ägypten und rettete schliesslich seine Brüder und Familie vor dem Hungertod. Schlussendlich sah Josef wie alles, was ihm geschehen war, wirklich das Beste war.

Deshalb sagte Haschem zu Ja’akow, dass er sich nicht vor dem Abstieg nach Ägypten fürchten sollte. Obwohl Ja’akow voraussah, dass dies der Anfang eines langen und bitteren Exils sein würde, beruhigte ihn Haschem, indem er ihm sagte, "Josef wird seine Hände über deine Augen legen." In anderen Worten, Haschem erinnerte Ja’akow an alles, was Josef geschehen war und trotz dem Trauma und dem Unglück, wandte sich alles zum Guten. Josef verkörperte die Idee, dass scheinbare Sorgen, grosse und positive Folgen versprechen können.

"Josef wird deine Augen bedecken." Darauf sagt der Sohar – "dies ist das Geheimnis von Keriat Schema."

Nun können wir diesen Sohar verstehen. Das Geheimnis von Keriat Schema ist die Vereinigung von Haschem (G’tt des Erbarmens) mit Elokejnu (G’tt des Rechts). Dies ist manchmal schwierig zu verstehen, wenn wir nicht unsere Augen bedecken. Josef (und alles, was ihm im Leben geschah) sollte unser metaphorisches Vorbild sein, um unsere Augen zu bedecken und zuzulassen, dass wir von der Wahrheit dieser Vereinigung von Haschems Eigenschaften überzeugt werden.



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