Adar Rischon
/Paraschat Ki Tissa/


Raw Frand zu Parschat Wajigasch 5772

Drei Schritte nach vorn, vor dem Gebet – aus drei Beispielen

Es gibt einen interessanten Rokeach (1176 - 1238), der mit unserer Parscha verbunden ist. Der Rokeach sagt, die Quelle des jüdischen Brauches, vor der Rezitation des Schmona-Esre-Gebets drei Schritte nach vorne zu gehen, ist die Tatsache, dass wir dreimal in der Tora - in Verbindung mit einem Gebet - das Wort "Wajigasch" (und er trat näher) finden. Das erste Mal ist, als Awraham Haschem bat, dass Er Sedom und Amora nicht zerstören solle, wie geschrieben steht: "Und Awraham trat näher und sagte: ‚Willst Du denn hinwegraffen den Gerechten mit dem Bösen‘?" [Bereschit 18:23]. Das zweite Mal ist in unserer Parscha, als Jehuda vor Josef trat, bevor er seine Bitte vortrug [Bereschit 44:18]. Das dritte Mal ist im Buch der Könige, bei Elijahu auf dem Har HaKarmel (Berg Karmel) [Melachim I 18:36]: "Und es war zum Zeitpunkt des Mincha- Opfers, und Elijahu der Prophet näherte sich und sagte: "Haschem, G‘tt von Awraham, Jitzchak und Jisrael, lass heute bekannt werden, dass Du G‘tt in Israel bist und ich Dein Knecht, und dass ich all diese Dinge nach Deinem Wort getan habe."

Also sagt der Rokeach, die Quelle für den Minhag Jisrael (die jüdische Sitte) vor unserem Gebet drei Schritte nach vorne zu gehen, ist die dreimalige Erwähnung des Wort Wajigasch (er trat näher) in Verbindung mit Gebet und Bittstellung. Die Frage ist jedoch offensichtlich. Allerdings traten Awraham und Elijahu vor einem Gebet zu Haschem näher, dies scheint jedoch bei Jehuda nicht der Fall zu sein. Jehuda trat zu Josef näher bevor er seine Bitte vortrug. Dies ist kein Beispiel eines Gebets, wie kann es also verwendet werden, um festzusetzen, wie viele Schritte nach vorne gemacht werden müssen, bevor wir unser Amida- Gebet verrichten? Was bedeutet dieser Rokeach?

Es gibt ein weiteres Problem in dieser Parscha. Wenn wir Jehudas Rede lesen, sehen wir, dass sie nichts Neues enthält, das nicht schon vorher im Chumasch erwähnt wurde. Er fügt absolut nichts zu den Details hinzu, über die wir in Parschat Mikez gelesen haben. Josef wusste alles, das in Jehudas Plädoyer erwähnt wurde, bevor es gesagt wurde und doch aus irgendeinem Grund ist es erst jetzt, dass Josef weinend zusammenbricht und sich seinen Brüdern offenbart.

Vielleicht kann man sagen, dass die eine Frage die andere beantwortet. Auch wenn Jehuda sich physisch im selben Raum wie Josef aufhielt und sich Josef näherte und angeblich ihn bat, so fleht Jehuda doch in Wirklichkeit den Herrn des Universums an. Jehuda denkt nicht an den ägyptischen Vizekönig, sondern an den Ribono schel Olam. Alle anderen Mittel haben versagt. Es ist die letzte Chance. Binjamin ist in Gefangenschaft und die Brüder stehen vor der Aussicht, ohne ihn zu ihrem Vater zurückkehren zu müssen. Sie wissen, dass dies ihren Vater umbringen wird. Jehuda ist verzweifelt. Er spricht vielleicht zu Josef, nähert sich ihm und schaut ihn an, doch die Petition ist in erster Linie an ihn mit einem grossen ‚I‘ gerichtet, an Haschem.

Deshalb ist der Rokeach wirklich korrekt. "Wajigasch elaw Jehuda" ist eine Petition an den Ribono schel Olam und kann als einer der drei Orte gerechnet werden, an welchen das Wort Wajigasch (er trat näher) vor einem Gebet verwendet wird. Es sind zwar die gleichen Informationen, die Jehuda schon Josef gesagt hat. Er fügt keine neuen Informationen in seinem Gespräch mit dem Vizekönig von Ägypten hinzu, aber jetzt ist es in erster Linie an jemand anderen gerichtet - an den Allmächtigen.

Der Gaon von Wilna verwendet ein ähnliches Konzept, um eine Gemara [Traktat Megila 16a] zu erklären. Im dramatischen Dreier-Treffen zwischen Achaschwerosch, Esther und Haman, fleht Esther den König an und sagt ihm, dass jemand versucht, sie und ihr Volk zu töten. Achaschwerosch bittet sie, den Täter zu identifizieren und sie sagt: "Der Feind und Widersacher – dieser böse Haman" [Esther 7:6]. Die Gemara sagt, dass Esther eigentlich mit dem Finger auf den König selbst zeigen wollte, bis ein Engel kam und ihn in Richtung des Haman schob.

Man muss nicht in die Kunst der Diplomatie geschult sein, um zu wissen, wenn man den König um einen Gefallen bittet, dass man dann nicht sagt: "Es bist du, du böser, schlechter, verdorbener König, der die Ursache für all diese Probleme ist." Was dachte sich Esther? Das war ihr entscheidender Moment. Wie konnte sie es sich verderben? Es mochte zutreffen, dass Achaschwerosch selbst Teil des Problems war, doch auf diese Art und Weise würde sie genau das Gegenteil erreichen! Was bedeutet diese Gemara?

Der Wilnaer Gaon sagt, dass Esther zwar im Palast war, und Achaschwerosch anschaute und ihm diese ganze Rede hielt, doch sie sprach in Wirklichkeit mit dem Allmächtigen. Ihre Bitte um Vermittlung für das jüdische Volk, um es vor der Vernichtung zu retten, war nicht an den König von Persien gerichtet, sondern an den König der Könige! Sie war so in ihre Sorge gefangen, dass sie wirklich zu Haschem sprach, dass sie nicht innehielt, um sich über diplomatische Nettigkeiten Sorgen zu machen vis a vis die Nachricht, die Achaschwerosch hören würde. Durch ein Wunder kam ein Engel und schob ihre Hand in Richtung Haman, um sie zurück in die "reale Welt" zu bringen, um sie zu erinnern, wo sie war und wer ihrem Plädoyer zuhörte.

Dies ist dann ein weiteres Beispiel eines biblischen Charakters, der scheinbar im Gespräch mit anderen Menschen ist, jedoch auf einer tieferen Ebene, mit dem Ribono schel Olam spricht. Das ist auch der Ansatz, den wir verwenden müssen, um Jehudas Rede vor Josef richtig zu verstehen.



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