Raw Frand zu Parschat Noach 5770

Gross ist der Frieden

Ich sah den folgenden Gedanken zu Parschat Noach im Namen des Rosch Jeschiwa von Ner Israel, Raw Ja’akow Weinberg, niedergeschrieben.

Wir alle kennen die Geschichte, die gegen Ende der Parscha steht, über den Versuch einen “Turm zu bauen, dessen Spitze bis zum Himmel reicht“. Die Menschheit sprach eine Sprache (Hebräisch) und hatte einen gemeinsamen Zweck. Mit zielstrebiger Hingabe, machte sich diese Menschheit daran, eine Struktur aus Ziegel und Kalkstein zu bauen, die es ihnen erlauben würde, “sich einen Namen zu machen”. Haschem stieg sozusagen hinunter und "verwirrte ihre Sprache, dass einer die Sprache des andern nicht verstehe", sodass sie ihren Bau unterbrachen und das Projekt aufgaben.

Die Torah berichtet: "Deshalb hiess es Bawel (Babylonien), denn dort verwirrte Haschem die Sprache der ganzen Erde und von dort zerstreute sie der Ewige über die Oberfläche der ganzen Erde." [Bereschit 11:9]

Raschi fragt: Welche Sünde war nun schwerer – diejenige des Geschlechtes der Sintflut oder diejenige des Geschlechtes der Zerstreuung? Eigentlich würden wir sagen, diejenige des Geschlechtes der Zerstreuung. Die Menschen der Generation der Zerstreuung waren Häretiker. Sie beschäftigten sich mit theologischen Kämpfen, führten Krieg gegen den Allmächtigen. Ihre Absicht war einen Turm zu bauen, welcher den Himmel erreichen würde, sodass sie hinaufgehen und Ihn bekämpfen konnten. Hingegen sündigte die Generation der Sintflut durch Diebstahl, Gewalttätigkeit und Immoralität – Sünden aus Leidenschaft. Sie waren jedoch keine Ketzer. Sie hatten nicht die Frechheit "gegen den Allmächtigen Krieg zu führen!"

Und doch wurde die Generation der Sintflut gänzlich zerstört, während die Generation der Zerstreuung eben nur zerstreut wurde. Raschi erklärt, die Einheit, die zwischen den Menschen der Generation der Zerstreuung herrschte, ist das was sie rettete. Die Generation der Sintflut war eine sozial gestörte Gesellschaft. Sie hassten einander und stahlen von einander. Die Generation der Zerstreuung im Vergleich, war trotz der Tatsache, dass sie Häretiker waren – vereint. Sie bewiesen einander Liebe und Freundschaft. Sie sprachen eine Sprache und hatten ein gemeinsames Ziel! Raschi schliesst: Von hier sehen wir, dass Zwietracht (bei G“tt) verhasst ist und gross der Frieden (Gadol haSchalom).

Raw Weinberg stellt darauf eine grundlegende Frage; wie kann Raschi sagen, dass Liebe für die Mitmenschen und Einheit in der Generation der Zerstreuung vorherrschte? Es gibt einen sehr bekannten Midrasch, dass die Menschen dieser Generation sich mehr um den Verlust eines Ziegelsteines kränkten als um den Verlust eines Menschenlebens! Beim Herunterfallen eines Ziegelsteines trauerten sie viel mehr als beim Herabstürzen eines Kameraden. Wo ist die Liebe und Freundschaft, die – wie Raschi im Vers 9 behauptet – in dieser Generation vorherrschte?

Scheinbar war der Zusammenschluss, den sie in diesem Bauprojekt erreichten, nur eine sehr oberflächliche Zurschaustellung von Frieden. Der Schalom basierte auf Hintergedanken!

In einem klassischen Gedanken sagt Raw Weinberg, dies lehrt uns, auch wenn Menschen Unstimmigkeiten haben oder sich sogar hassen, ist jedoch die blosse Tatsache, dass Menschen zusammen arbeiten "Schalom". Die Tatsache, dass Menschen sich zusammentun können und ihre Unterschiede auf die Seite schieben können – ein oberflächlicher Schalom – ist auch lobenswert. Auch wenn dieser Friede vielleicht nur kurz anhält; wenn Menschen zusammen arbeiten ist es immer noch besser als wenn sie gegen einander arbeiten. Auch wenn der Schalom nicht bis unter die Haut reicht, wenn Menschen aus welchem Grund auch immer zusammen kommen: Gadol HaSchalom – Gross ist der Frieden.

Quellen und Persönlichkeiten:
Raschi (1040-1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]; Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller Torakommentare“.
Raw Ja’akow Weinberg, (1923 – 1999), Rosch Jeschiwa der Jeschiwa Ner Israel in Baltimore, USA.



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