Siwan
/Paraschat Schlach Lecha

Rav Frand zu Paraschat Wa'era 5779 – Beitrag 2

Hört doch auf, diese Frösche zu schlagen!

Der Passuk (Vers) besagt: „Und Aharon neigte seine Hand über die Gewässer Ägyptens, und der Frosch kam heraus und bedeckte das Land Ägypten.“ [Schemot 8:2] Raschi erläutert die Tatsache, dass das Wort Frosch in Einzahl geschrieben ist („Zefarde'a“). Jeder weiss, dass diese Plage mit Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Fröschen geschah. Wieso besagt dann der Passuk, dass zu Beginn nur ein Frosch den ägyptischen Gewässern entstieg?

Raschi bezieht sich auf einen Midrasch und erklärt, dass zu Beginn tatsächlich nur ein einziger Frosch herauskam. Die Ägypter schlugen diesen Frosch mit ihren Schwertern, und bei jedem Schlag teilte er sich wieder. Weil sie dauernd auf die Frösche einschlugen, vermehrten sie sich exponentiell, bis es Hunderttausende und Millionen von Fröschen gab.

Was können wir aus diesem Midrasch lernen?

Der „Steipler“ gibt dazu die folgende Erklärung: Betrachten wir doch die Situation. Die Ägypter erwarteten sicher nicht, dass der Frosch sich verdoppeln würde, als sie ihn zum ersten Mal schlugen. Aber nachher schlugen sie ihn immer und immer wieder... Bei jedem Schlag teilte er sich abermals. ‚Wach' doch auf und riech' schon den Braten!‘ Hör doch auf, diese blöden Frösche zu schlagen! Wieso schlugen sie sie weiter? Sie sahen doch, dass sie die Sache nur schlimmer machten, wenn sie weiter auf die Frösche eindroschen. Wieso hörten sie nicht auf?

Der Steipler erklärt, dass die Ägypter bei jedem Schlag auf die Frösche wütender wurden. Wenn ein Mensch wütend wird, ist er häufig zu keinem klaren Gedanken mehr fähig. Sicherlich war es logisch, dass sie hätten aufhören sollen, die Frösche zu schlagen – doch wenn ein Mensch vor Wut bebt und frustriert ist, verliert er oft die Kontrolle über sich. In diesem Moment vergisst man jede Logik. Logik ist die Sprache der Vernunft. Für einen Wütenden zählt der Verstand nicht mehr.

Leider sind wir alle von diesem Konzept betroffen. Wir alle kennen das Gefühl, wütend zu werden und die Kontrolle zu verlieren. Wir sind uns der schlimmen Lage bewusst, in der wir uns befinden. Wenn wir die Kontrolle über uns verlieren, sagen wir die dümmsten Sachen. Wir hören nicht mehr darauf, was uns die anderen entgegnen. Wir geraten ausser Kontrolle.

Dies trifft auf einen Menschen zu, der nur gelegentlich wütend wird. Wie sieht es jedoch aus, wenn jemand dauernd in Wut gerät? Solch ein Mensch steckt in tiefen Nöten, denn er hat keine Kontrolle mehr über sich. Sein Leben ist grauenvoll, da er so oft ausser sich ist. Im Talmud [Nedarim 22a] heisst es: „Über einen Menschen, der dauernd wütend wird, regieren alle Formen der Hölle.“ Die einfache Lesart dieser Ausführung besagt, dass ein zorniger Mensch in der kommenden Welt mit einem strengen Gerichtsverfahren zu rechnen hat und alle Formen des Gehinnoms (Hölle) über ihn herrschen werden.

Rabbi Jerucham Leibowitz fügt hinzu, dass diese einfache Lesart nicht den vollständigen Sinn dieser Gemara (Talmudstelle) wiedergibt. Die Gemara spricht nicht nur über die Strafe, die auf diesen Menschen in der kommenden Welt wartet. Die Gemara sagt auch, dass ein Mensch, der dauernd in Wut gerät, in DIESER Welt bereits die Hölle erlebt! Das heisst, wütend zu sein und ausser Kontrolle zu geraten.

Dies erklärt auch, warum ein erboster Mensch, der - statt aufzuhören - kopflos weiter auf die Frösche eindrischt, alles noch schlimmer macht und sich damit selbst die Hölle auf Erden bereitet. 

Quellen und Persönlichkeiten:

  • Raschi (Rabbi Schlomo ben Jizchak; 1040 - 1105): Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller Torakommentare“.
  • Rabbi Jerucham Leibowitz (1874 - 1936): Gelehrter und  Maschgiach (geistiger Mentor) der Jeschiwa von Mir, Litauen.
  • Rabbi Ja’akow Jisrael Kanievsky (auch bekannt als der „Steipler“; 1899 - 1985): Rosch Jeschiwa und Gelehrter in Rogatschow und Pinsk (Russland) sowie in Israel.

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