Sinn und Zweck von Bedikat Chamez

Eine der wichtigsten Vorbereitungen auf Pessach ist sicherzustellen, dass bis zum Vorabend von Pessach keinerlei Chamez (Gesäuertes) sich in unserem Besitz befindet. Es gibt also nicht nur ein Verbot, an den Pessachtagen Chamez zu essen, sondern es ist auch verboten, solchen zu besitzen.

In der Tora finden wir folgenden Vers: „Und kein Gesäuertes soll bei dir gesehen werden, und kein Sauerteig soll bei der gefunden werden." (2. Buch, 13:7). Dies bedeutet also, dass nach Toragesetz keinerlei Chamez oder sonstige Produkte, die genießbaren Chamez enthalten, über die Pessachtage in unserem Besitz sein dürfen. Daher beschlossen unsere Gelehrten, dass wir einen Abend vor der Pessachnacht (Leyl Hasseder), unser Haus und unsere Räume nach evtl. übriggebliebenen Chamez untersuchen, um sicherzustellen, dass sich keinerlei Chamez in unserem Besitz befindet. Dieses Gebot nennen wir Bedikat Chamez.

Die halachische Quelle für dieses Gebot des Bedikat Chamez finden wir in der Eröffnungsmischna im Talmud "Pessachim": „Am Abend des 14. Nissan (also in der letzten Nacht vor Pessach) sucht man nach dem Chamez mit Hilfe des Kerzenlichtes." (Talmud Pessachim, Blatt 2). Nun herrscht über diese Vorschrift ein Streit unter den Rischonim: Nach Raschi ist diese Vorschrift selber schon ein Toragebot, nämlich um uns vor dem Toraverbot des „kein Gesäuertes soll in deinem Besitz gefunden werden", zu schützen. Was also nach Raschi bedeutet: Wer sein Haus vor Pessach nicht nach Chamez abgesucht hat, der befindet sich automatisch im möglichen Verbot des „kein Gesäuertes soll in deinem Besitz gefunden werden." Nach Tosfot dagegen ist Bedikat Chamez "nur" ein rabbinisches Gebot, denn nach Toragesetz reicht es schon aus, dass man einen sog. "Bitul Chamez" macht. Mit "Bitul Chamez" ist gemeint, dass wir durch Gedanken und Sprache ganz einfach jede Art von Chamez, welcher evtl. noch in unserem Besitz sein könnte noch vor Pessach für besitzerlos erklären. Wir enteignen uns quasi selber von unserem Chamez, wir erklären ihn für herrenlos, damit gehört er uns nicht mehr (talmudisch: Hefker). Daher ist die zusätzliche Bedikat Chamez, wie die Mischna sie nennt, nach Tosfot eine rein rabbinische Vorsichtsmaßnahme, um sicherzustellen, dass wir keinerlei findbaren Chamez in unserem Besitz haben, den wir versehentlich während der Pessachtage finden könnten und dann essen würden.

Halachisch halten wir fest, dass ein jüdischer Mensch, einen Abend vor Pessach beides zu tun hat: Sowohl die Bedikat Chamez (also das physische Suchen nach möglichem Chamez in unserem Besitz), wie auch den Bitul Chamez (also die mündliche Deklarierung, dass jeglicher Chamez, der sich vielleicht in unserem Besitz noch befinden könnte, uns nicht mehr gehört.)

Halachisch wird die Bedikat Chamez und der Bitul Chamez folgenderweise eine Nacht vor dem Pessach-Abend durchgeführt: (siehe hierzu ausführlich in Schulchan Aruch, Hil.Pessach או"ח סי' תלג )

Man nimmt eine Kerze, spricht eine spezielle Bracha (welche sich in den meisten Sidurim finden lässt) und sucht mit der Kerze in der Hand nach Chamez, und zwar überall dort, wo man welchen normalerweise gegessen oder aufbewahrt hat. Da wir eine Bracha auf eine Tat aussprechen, wollen wir nicht dass die Bracha vergeblich sein soll, falls wir keinen Chamez finden sollten. Daher verteilen wir 10 Brotstücke in der Wohnung und sammeln sie dann während der Bedikat Chamez wieder auf. Diese heben wir dann für den nächsten Morgen auf, um sie zu verbrennen. Wir suchen in der Wohnung, im Auto, im Büro oder im Geschäft. Räume wie z.B. Badezimmer und Toiletten brauchen nicht untersucht zu werden. Überall dort, wo es sehr schwer ist, an den Chamez heranzukommen, wie z.B. hinterm Ofen oder in den verschiedenen Ofenritzen etc., sprühen wir mit chemischem Reinigungsmittel auf die besagten Stellen und machen dadurch den möglichen Chamez ungenießbar. Die Bedikat Chamez erfolgt in der Nacht. Nachdem wir sie abgeschlossen haben, machen wir den Biur Chamez (Vernichtung des Chamez), und wir sprechen sinngemäß (siehe hierzu im Sidur nach), dass jeglicher gesichteter oder nicht gesichteter Chamez, der sich bislang in unserem Besitz befunden hat, uns von nun an nicht mehr gehört.

Am Morgen vor Pessach wiederholen wir die Deklarierung des Biur Chamez noch einmal und verbrennen danach den verbliebenen Chamez von der letzten Nacht, den wir uns hierfür aufgehoben haben.



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