“Sukka-Dach in unseren Zeiten“

Man hat zu wissen:
Das Wort Suka bezieht sich wörtlich aber auch halachisch auf die Überdachung der sog. "Laubhütte", hebräisch: Ss-chach (סכך). Und das bedeutet: Die Art und Weise, wie man seine Sukot-Hütte überdacht, ist im Wesentlichen ausschlaggebend, ob es sich dann halachisch um eine Suka handelt oder nicht.

Die Tora trägt uns, auf 7 Tage (bzw. 8 Tage für uns im Ausland) in einer Suka zu sitzen. Jedoch sagt sie nicht eindeutig, woraus wir die Überdachung der Suka zu machen haben. Aber unsere Gelehrten haben aus folgendem Vers eine wichtige grundsätzliche Halacha herausinterpretiert:

"חג הסכת תעשה לך שבעת ימים באספך מגרנך ומיקבך"

„Das Fest der Hütten sollst du sieben Tage feiern, wenn du den Ertrag deiner Tenne und Kelter einsammelst" (Chumasch Devarim, 16,13)

Hieraus lernt nun der Talmud, dass das Einsammeln des Ertrages der Tenne und der Kelter darauf hinweist, dass die Überdachung der Suka aus einem Material zu sein hat, "so wie der eingesammelte Tennen- und Kelterertrag", nämlich 1.) von der Erde abgeschnittener Pflanzenwuchs (Gidul Haarez) und 2.) kein für den menschlichen Bedarf vorgesehener Gebrauchsgegenstand (talmudisch: Davar Hamekabel Tuma). Diese sind die beiden großen Hauptbedingungen für das Material des Suka-Daches (siehe Talmud Suka, Blatt 12).

Dazu würde z.B. zählen: Jegliche Art von Pflanzen und Blätter, die von der Erde abgeschnitten sind, Hölzer und Äste, Palmenzweige, Heu usw. Diese und andere von der Erde gewachsenen Materialien können wir für das Suka-Dach benutzen. Jedoch können wir nicht eine Suka mit Stühlen und Tischplatten z.B. überdachen, obwohl sie Holz und damit Erdwuchs sind, da diese Materialen zu Gebrauchsgegenständen für den menschlichen Alltag schon verarbeitet und benutzt worden sind.

Im Talmud Suka werden nun innerhalb der Mischna und Gemara verschiedene Beispiele von Gegenständen besprochen und erörtert -und zwar nach genau diesen Gesichtspunkten: Ab wann und warum sprechen wir von einem Gegenstand, mit dem man eine Suka überdachen darf? Welche Gegenstände und Materialien, obwohl sie aus Pflanzen oder Holz beschaffen sind, erfüllen die halachischen Voraussetzungen für eine koschere Suka?

In unseren Zeiten hat es sich schon seit vielen Jahren eingebürgert, dass die meisten von uns ihre Suka nicht mehr (so wie früher) mit Blättern, Ästen oder Palmenzweigen zudecken, sondern eine fertige, speziell für Sukot gemachte dünne Bambushölzer-Matten benutzen. Diese zusammengeflickten "Teppiche" können auch aus dünnen aneinander gereihten Hölzstöcken bestehen, die zusammen festgeschnürt werden.

Die Frage, die sich nun stellt: Worauf verlassen wir uns bei einem solchen Ss-chach, wenn wir ihn benutzen? Zwar besteht er eindeutig aus natürlichem und reinem Holz (bzw. Pflanzen), aber in seinem Aussehen und seiner Form erinnert dieser Ss-chach sehr stark an Matten und Liegeteppiche, die also in der Definition von Gebrauchsgegenstand für den menschlichen Zweck sind, und daher halachisch problematisch sein könnten.

Der RamBam legt fest, dass eine Matte/Decke (Machzelet) aus dünnen Hölzern normalerweise zum Liegen (also für den menschlichen Gebrauch) gemacht ist, und daher darf man sie nicht für eine Suka verwenden. Es sei denn, man hat sie extra für das Überdachen der Suka hergestellt.

Was jedoch bedeutet, eine "extra für Suka" gemachte Suka, wenn dieser Gegenstand gleichzeitig für einen anderen praktischen Gebrauch zur Verfügung stehen kann (wie etwa Liegen/Schlafen)? Der RoSch (Rabeynu Ascher) gibt in seinem Kommentar auf Talmud Suka eine Antwort, die in den Schulchan Aruch hineinfließt und somit Halacha ist (ש"ע ה'סוכה תרכ'ט ו'): Bei einem aus natürlichen Pflanzen/Hölzern hergestellten Teppich (oder Matte) hängt es von dem Minhag Hamakom, von den Sitten und Bräuchen des Wohnungsortes eines Menschen, ab. Wenn die Mehrheit der Menschen solche Art von Gegenständen für Suka verwenden, so darf man es ebenso. Wenn aber nur eine Minderheit diese für Suka verwenden, und die Mehrheit diese tatsächlich zum Schlafen oder Liegen verwenden, so darf auch die Minderheit diese nicht für eine Suka verwenden. Wenn aber keine klaren ortsüblichen Bräuche hierzu gelten, und man eine solche Überdachung extra und einzig und allein für die Überdachung der Suka von vornherein hergestellt hat, so ist dies ein koscherer Ss-Chach, der alle halachischen Bedingungen erfüllt: 1.) eine natürliche Pflanze, die aus der Erde gewachsen ist 2.) nicht für den menschlichen Bedarf vorhergesehen. Wir sehen also: Es ist vor allem die Absicht (Kavana) ausschlaggebend, aus der heraus ein Ss-Chach hergestellt wird.

Wenn von vornherein eine solche Suka-Überdachung für diesen bestimmten religiösen Zweck gemacht worden ist, so benutzen wir für die Suka solche Materialien als Ss-Chach, auch wenn sie für einen anderen Zweck verwendet werden könnten.



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