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Der Monat Cheschwan / Mar-Cheschwan / Bul

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Wir stehen im Jahr 5779. Vor 4123 Jahren, im Jahre 1656, begann in diesem Monat der Mabul (die Sintflut).

Cheschwan ist der zweite Monat des neuen Jahres, wird aber in der Thora der achte genannt, weil man mit Nissan zu zählen anfängt. Dieser Monat wird im Tanach "Bul" genannt. Im ersten Buch der Könige (Melachim I, 6:38) heisst es: "Und im elften Jahre, im Monat Bul, das ist der achte Monat, war das Haus (der Tempel) fertig..."

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Unser Trost in der Wartezeit

Unser Trost in der Wartezeit

Am Freitagabend singen wir folgende poetischen Worte: „Ihr, die den Ewigen lieben, die sich nach dem Bau des Tempels sehnen, geniesst und erfreut auch am heiligen Schabbat gleich denen, die sich beim Erhalt der  G“ttlichen Gabe (die Torah) erfreuten.…“
Was hat die Sehnsucht nach dem Wiederaufbau des Tempels mit der Intensität der Freude zu tun, die wir am Schabbat empfinden?

Man erzählt die Geschichte vom einzigen Überlebenden eines Schiffbruchs, der auf eine einsame Insel geschwemmt wurde. Zuerst sorgte er sich um seine Grundbedürfnisse wie Essen, Kleidung und Unterkunft. Anschliessend begann er sich mit der nächst höheren Stufe, von dem was ihm fehlte, zu befassen, nämlich mit dem Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Beziehungen.

Als er von einem Berg hinunterspähte, sah er etwas, das wie ein Zeichen von Zivilisation aussah. Seine Hoffnungen bestätigten sich, als er eine voll ausgebaute Wohn- und Geschäftsgegend entdeckte. Menschen erblickte er jedoch keine, so lange er auch von Geschäft zu Geschäft, von Haus zu Haus wanderte und ohne Erfolg nach einem Lebenszeichen suchte.

Auf dieser Art und Weise waren nun sechs Tage vergangen als er plötzlich  eine Hand auf seiner Schulter spürte. Er entdeckte, dass die Strassen von Menschen wimmelten. Der Fremde lud ihn für Schabbat zu sich ein. Keiner hielt inne, um seine Frage, wo sie denn alle gewesen seien, zu beantworten. Alle behaupteten, sie hätten keine Zeit, weil sie „sich für Schabbat vorbereiten“ müssten. Am Schabbat selbst wollte auch niemand über Wochentags-Angelegenheiten reden.

Er entschied, bis nach Schabbat zu warten und in der Zwischenzeit die unbeschreiblichen Gebete, die himmlische Küche, die wunderschönen Torahvorträge und den engelsgleichen Gesang, die zum dortigen Schabbat gehörten, zu geniessen. Nach Schabbat leuchteten alle Augen im Schein der flackernden Hawdala-Kerze, die Schlussbracha wurde rezitiert und die Kerze erlosch mit einem Zischen im bereitgestellten Teller voll Wein. Sofort begann der Mann seine Fragen zu stellen. Zu seiner Überraschung war er jedoch wieder allein auf weiter Flur.

In der folgenden Woche geschah nach sechs Tagen wieder dasselbe. Niemand sagte ein Sterbenswörtchen über seine Wochentagstätigkeiten und wo sie alle geblieben waren. Ein Schabbat, wieder ein grossartiger Schabbat ging vorüber und danach fühlte er sich wieder in die Dunkelheit und Einsamkeit zurück geworfen. Gewitzigt von den zwei früheren Wochen wartete er bis zur nächsten Woche und in dem Augenblick, in dem die Hawdala-Kerze ausgelöscht werden musste, ergriff er schnell die Hand des Rabbiners und weigerte sich, sie loszulassen, bis seine Neugier gestillt war. Wohin ging jedermann? Als der Rabbi sah, dass der Besucher nicht locker liess, erklärte er: „Diese Stadt gibt es schon seit Hunderten von Jahren. Sie war bereits zu Zeiten des Tempels eine Hafenstadt. Unsere grösste Freude war es, drei Mal im Jahr Gesandte zu bestimmen, die mit einer grossen Feier verabschiedet wurden, und, beladen mit Geschenken, unsere Gemeinschaft im heiligen Tempel von Jerusalem vertraten. Wir lebten von Feiertag zu Feiertag, und genossen es, wenn sie zurückkehrten und inspirierende Geschichten über die offenen Wunder erzählten und die spürbare Heiligkeit beschrieben, die sie an diesen strahlenden Feiertagen erleben durften.“

„Eines Tages warteten wir wieder einmal auf die Rückkehr unserer Gesandten nach einem Feiertag. Wir standen alle zur abgemachten Zeit am Strand. Der ganze Tag ging vorüber und als die Sonne am Untergehen war, spielte die Kapelle, während unser Schiff am Horizont auftauchte. Als es näher rückte, begannen wir zu fühlen, dass etwas nicht stimmte. Der Gesandte, war vollkommen alleine an Bord und sass dort mit gesenktem Haupt.

„Wir versammelten uns um ihn herum und bombardierten ihn mit Fragen, bis wir innehielten und er die unaussprechbaren Worte sprach. Er wisperte fast unhörbar das Unvorstellbare: „Der Tempel ist zerstört!“ Von dieser schrecklichen Nachricht waren wir so erschüttert und fassungslos, dass unsere Herzen vor Trauer barsten und wir wegen diesem schrecklichen Verlust schlagartig verschieden. Im Himmel gab es eine grosse Aufregung, weil wir alle vor der festgesetzten Zeit dort ankamen, aber wir hatten die Welt nun schon verlassen. Weil wir aus Liebe zum Tempel gestorben waren, gab es jedoch einen Kompromiss: Wir wurden für die

Zeit, die uns noch zustand auf die Erde zurückgeschickt, aber nur am Schabbat.“ So berichtet die Legende!

Wir besuchten einmal eine blinde Frau in Jerusalem, die die Fähigkeit besass, Bände über unsere Kinder zu erzählen, nur indem sie ihre Gesichter befühlte. Wir waren verblüfft. Als wir sie verliessen, sagte einer meiner kleinen Söhne: „Diese Frau kann zwar nicht mit den Augen schauen, mit ihrem Herzen aber kann sie sehen.“

Oft stellen wir fest, dass die anderen Sinne stärker werden und die Gefühlsstärke zunimmt, wenn jemand die Sehkraft verliert. Obwohl dies kein vollkommener Ausgleich ist, erlaubt dies diesem Menschen, weiterzufunktionieren, bis die Sehkraft wieder zurückkehrt. Genau gleich ist es mit uns. Ohne den Tempel, die Wohnstätte des Allmächtigen, wo seine Gegenwart wahrgenommen werden kann, sind wir auf dieser Welt wie Blinde. Wenn jemand jedoch das Empfinden der g’ttlichen Nähe aus innigstem Herzen liebt und sie aus tiefster Seele spüren möchte, dann strahlt der Schabbat für ihn, ein viel stärkeres, freudiges Wohlempfinden aus und dies gibt uns Trost in unserer Wartezeit.

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